Gratis Studie zum kostenlosen Download:
Neu: 3 Topaktien für das Jahr 2017 . . . Download hier ➜

Selbst Banktitel überraschen – Italiens Aktien besser als vermutet

Zerbricht der Euro? Zerfällt die EU? Bedroht neuer Protektionismus den Wohlstand? Anlass zur Sorge geben Referenden und Wahlen. Die Börsen indes reagieren zunehmend gelassen. Zweckoptimismus oder Abnutzungseffekt?

Tatsächlich erschüttert wurden die Märkte vom Brexit, der den Auftakt markierte. Bei den nachfolgenden Ereignissen rutschten die Kurse eher im Vorfeld ab, nur um dann umso stärker zuzulegen.

Börse Mailand macht Verluste wett

So lief es auch an Italiens zentraler Börse in Mailand während des Referendums Anfang Dezember. Der Leitindex FTSE MIB schoss von 16.265 auf 19.687 Punkte. Der Aufstieg verlief genauso steil wie der Absturz Anfang 2016. Am Ende des Jahres schloss er mit einem Minus von unter 2% ab.

Und nach der ersten Januarwoche geht es weiter: Von den 40 MIB-gelisteten Unternehmen, die an der Börse Mailand gehandelt werden, lagen die allermeisten im Plusbereich – elf davon zweistellig. Die neuesten Daten zum Jahresauftakt zeigen eine erheblich stärkere Industrieproduktion als erwartet.


Gratis Studie: Die Zukunft Ihres Depots?....

  • China Mobile (China), größter Mobilfunkanbieter weltweit
  • Vale (Brasilien), größter Eisenerzlieferant der Welt
  • Novo Nordisk (Dänemark), führender Hersteller Insulin der Welt
  • Petrochina (China), zweitteuerstes Unternehmen der Welt
  • Burberry Group (England), führender Luxushersteller der Welt
  • Harley Davidson (USA), legendärster Motorradhersteller der Welt

Hier erfahren wo sich der Einstieg noch lohnt ➜


Von den Kandidaten im Minusbereich sticht mit 26% Kursverlust einer hervor: Banca Monte dei Paschi, Siena. Dass die Anleger Papiere der taumelnden Traditionsbank abstoßen, überrascht wohl niemanden.

Umstrittener Bankenrettungsplan

Bemerkenswert ist eher die Erholung der anderen Finanztitel. Während Unicredit seit Jahresbeginn um fast 6% zulegt, sind es bei Ubi Banca aus Bergamo gar über 17%. Dabei sind es gerade die Banken, die mit ihren Schulden Kopfzerbrechen bereiten. Von einer Krise des Bankensektors aber will Finanzminister Pier Padoan nicht sprechen. Neben zwei Banken in Venetien sei eben die Monte dei Paschi das Hauptsorgenkind. Italiens älteste Bank braucht 8,8 Mrd. €, um zu überleben.

Alles läuft auf einen Sanierungsplan mit staatlicher Hilfe hinaus. Kurzfristig ist das kein Problem. Langfristig aber muss die EU zustimmen, was umstritten ist. Damit tut sich einmal mehr das alte Dilemma auf: Um Ketteneffekte zu verhindern, springt der Staat ein, obwohl eigentlich Aktionäre und Kreditgeber wie Anleihegläubiger zuerst haften sollten.

Glaubt man offiziellen Zahlen, wären alle Bankenprobleme Italiens mit gut 15 Mrd. € gelöst. Doch abgesehen von höheren Staatsschulden stellt sich auch die Frage, wie es danach weiter geht. Immerhin haben nicht nur Italiens Banken ein Problem. Und grundlegende Umstrukturierungen verschlingen enorme Summen, wie das Beispiel Deutsche Bank zeigt.

Italien im Sog der USA

Dumm nur, dass in Sachen Reformen das Gesamtbild nicht mehr passt. Die Italiener hatten gegen Matteo Renzis Pläne gestimmt. Kein Wunder, dass Analysten die besten Chancen an der Börse Mailand bei Unternehmen sehen, die vom amerikanischen Aufschwung profitieren: der Nutzfahrzeughersteller CNH Industrial etwa, der Ölanlagenlieferant Tenaris oder der Energiekonzern Eni.

Gleiches gilt für den Autobauer Fiat Chrysler, der im Januar weit über 30% zulegen konnte. Der Konzern kassierte schon mal ein Lob von Donald Trump, weil er verstärkt in zwei seiner US-Werke investieren will. Als kurz darauf die Meldung eines drohenden Abgasskandals die Runde machte, sackte die Aktie im ersten Impuls um 18% ab und zog die anderen Aktien im MIB mit sich. Danach zogen die Kurse wieder an. An derartige Ausschläge wird man sich gewöhnen müssen.

Für das Gros der italienischen Industrie kommt es auf den weiteren Verlauf der Politik an. Die Interimsregierung unter Paolo Gentiloni macht zwar keine schlechte Figur. Doch wie lange noch? Vorgezogene Wahlen könnten den Optimismus der Investoren infrage stellen. Und der beruht unter anderem der aktuellen Übergangslösung mit fachkundigen Köpfen wie Finanzminister Padoan.

Im Vorfeld vorgezogener Wahlen

Zumindest haben die Anleger seit dem Brexit eines erkannt: Der Anlass ist nur eine Sache. Entscheidend ist, was danach kommt. Die Regierung in London weiß es wohl auch nicht recht und versucht die Folgen des Austritts klein zu reden. Ebenso ändern sich die Konstellationen in Italien. So ist selbst die Fünf-Sterne-Bewegung vom harten Anti-Euro-Kurs abgerückt, setzt aber nach wie vor auf höhere Staatsschulden.

Das wiederum dürfte Anleger verschrecken und die Staatskrise verstärken. Gleiches gilt übrigens für alle Protektionismusideen in Europa, die nötige Reformen blockieren, die Wirtschaft bremsen und am Ende tatsächlich handfeste soziale Spannungen hervorrufen könnten.

Gut möglich, dass das britische Dilemma eines bewirkt: die Erkenntnis, dass es mit Neinsagen nicht getan ist. Echte Lösungen sehen anders aus. Sie bestehen aber auch nicht in Alles-oder-nichts-Referenden. Viele Italiener fühlten sich von Renzi schlicht erpresst. Sollte sich die aktuell positive Entwicklung stabilisieren, könnte das eher überzeugen.

13. Januar 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt