Technisch gibt es zum Silber wie wir gestern gesehen haben keine echte Alternative. Was passiert, wenn in der Industrie ein Kaufpanik um sich greift, dieser Frage werden wir heute nachgehen.
Silber ist alternativlos
Silber ist einer der besten elektrischen und thermischen Leiter. Kaum ein anderes Metall gibt Wärme oder den elektrischen Strom so schnell und so verlustfrei weiter wie das Silber. Das hat zu einer Vielzahl von technischen Anwendungen geführt, die alle auf das Silber setzen. Wenn sich der Rohstoff Silber verteuert, geht dieser Preisanstieg zu Lasten der Produzenten und ihrer Marge.
Das Halten eigener Lager ist teuer und es geriet in der Vergangenheit mehr und mehr in Misskredit. Die meisten Industrieunternehmen folgen heute dem Just in time-Ansatz.
Das heißt sie kaufen ihren Silberbedarf kurzfristig zum Tagespreis am Spottmarkt ein. Seit einiger Zeit mehren sich jedoch die Anzeichen, dass es immer schwieriger wird die benötigten Silbermengen bereitzustellen, denn inzwischen ordert nicht nur die Industrie große Mengen Silber.
Auch die Investmentnachfrage hat spürbar angezogen und entzieht dem Markt zusätzlich ständig Silber.
Wenn die Angst vor dem Produktionsausfall in Kaufpanik umschlägt
Kein Einkäufer kann es sich mit Blick auf den Preis leisten, dass die Produktion stillsteht und die halbe Belegschaft in Zwangsurlaub oder Kurzarbeit geschickt werden muss, nur weil ein paar Kilogramm Silber fehlen.
Das obligatorische Donnerwetter des Chefs würden wohl nur die wenigsten Einkaufsmanager überleben. Also werden sie im Zweifelsfall das Silber zu jedem Preis beziehen nur um keinen silberbedingten Produktionsstopp zu riskieren.
Um es deutlich zu sagen: Eine solche Entwicklung haben wir beim Silber noch nicht gesehen. Aber das heißt im Umkehrschluss aber nicht, dass sie nicht noch kommen kann. Welche Auswirkungen eine solche Kaufpanik seitens der Industrie in einem engen Markt haben kann, das zeigt das Beispiel des Palladiums.
In den Jahren 2000/2001 fürchteten die Einkaufsmanager beim Automobilhersteller Ford, dass die Fließbänder möglicherweise in Kürze stillstehen könnten, weil bedingt durch den russischen Lieferstopp nicht mehr genügend Palladium für den Bau der in jedem Fahrzeug benötigten Katalysatoren zur Verfügung stand.
Palladium als mahnendes Beispiel
Die Folge war eine Kaufpanik, die den Palladiumpreis in kürzester Zeit auf 1.000 US Dollar je Feinunze trieb. Auch Jahre später waren die Folgen dieser Angst noch deutlich zu spüren.
Weil die Russen den Palladiummarkt kontrollieren und ihren Palladiumbestand lange Zeit wie ein Staatsgeheimnis hüteten, bestand im Westen immer die Angst vor neuen, von den Russen künstlich herbeigeführten Lieferengpässen.
Das führte dazu, dass die westlichen Automobilhersteller in ihren neuen Automodellen fortan verstärkt Platinkatalysatoren anstelle der Palladiumkatalysatoren verwendeten.
Sie behielten diese Modellpolitik auch dann noch bei, als der Palladiumpreis längst zurückgekommen war und eine Unze Platin etwa das zwei- bis dreifache einer Unze Palladium kostete.
Ängste der Industrie um die Sicherstellung ihrer Fertigung sollte man als Anleger also keinesfalls unterschätzen. Wir erleben gerade bei den Seltenen Erden eine ähnliche Entwicklung und es würde mich nicht überraschen, wenn wir auch am engen Silbermarkt in Zukunft eine ähnliche Entwicklung sehen werden.
Silber ist alternativlos
Der Grund dafür ist die schon erwähnte Alternativlosigkeit des Silbers. Natürlich kann man Silber theoretisch durch andere, preiswertere Metalle wie Kupfer oder Aluminium ersetzen. Praktisch geht das jedoch kaum, denn die Folge wäre ein erheblicher Leistungsabfall, weil Aluminium und Kupfer eben nicht jene besonders hohe elektrische Leitfähigkeit aufweisen, die das Silber auszeichnet.
Vor die Wahl gestellt, entweder das immer teurer werdende Silber einkaufen zu müssen oder das preiswertere Kupfer zu verwenden und damit einen weniger leistungsstarken Computer zu bauen, werden sich die meisten Hersteller wohl oder übel für das Silber entscheiden, ja entscheiden müssen, wenn sie im internationalen Wettbewerb mithalten wollen.
Es gibt nur ein Metall, das dem Silber an dieser Stelle das Wasser reichen kann und dieses Metall ist das Gold. Doch noch ist Gold rund 40 mal so teuer wie das Silber. Damit fällt das Gold als Alternative faktisch aus. Zugleich ist damit deutlich geworden wie hoch der Silberpreis steigen könnte ehe die Elektro- und Elektronikindustrie eine ernsthafte Alternative zur Verfügung hätte.
An dieser Stelle haben wir den Punkt erreicht, warum es wirklich berechtigt ist zu behaupten der Einsatz des Silbers in der Elektro- und Elektronikindustrie ist alternativlos.
Das noch viel teurere Gold zu verwenden macht wirtschaftlich keinen Sinn und welches Unternehmen wird es mit Blick auf ein untergeordnetes aber unverzichtbares Bauteil wagen ein Produkt auf den Markt zu bringen, das von den meisten Kunden als extrem leistungsschwach empfunden wird?
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