von Dr. Bernd Heim

Silberpreis auf neuem Höhenflug

Der Silberpreis befindet sich auf einem neuen Höhenflug. In den letzten Monaten jedoch stand Gold im Mittelpunkt der Rohstoff-Investoren. Die Medien lieferten einen Bericht nach dem anderen ab, weil der Goldpreis ständig neue Allzeithochs erreichte.

Je nach Lage, ideologischer Voreinstellung und Zeitgeist wurde dem Gold entweder eine glänzende Zukunft vorhergesagt oder das längst überfällige Platzen einer Blase verkündet. Unsere mediengelenkte Öffentlichkeit starrte gebannt auf das Gold wie das Kaninchen auf die Schlange. 

Gold stieg im Jahr 2010 erneut um 26%, was ganz gewiss keine schlechte Rendite darstellte, doch die wirklich großen Gewinne, die wurden nicht beim Gold, sondern beim Silber gemacht.

Das ganze geschah weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit, was zwangsläufig zur Folge hat, dass auch nur verhältnismäßig wenige Anleger in Silber investiert hatten, als der Silberpreis im Herbst letzten Jahres begann, deutlich im Kurs zu steigen.

Investoren drängen ins Silber

Inzwischen wachen die Anleger auf und viele springen auf den fahrenden Zug auf, was die Preise weiter steigen lässt und immer mehr Anleger ins Silber treibt.

Die Hausse nährt die Hausse und die noch relativ kleine und überschaubare Herde der Silberbullen hat sich in Bewegung gesetzt. Ihr Einsatz ist hoch, was man unter anderem daran sieht, dass vergleichsweise viel Geld ins Silber investiert wird.

Gold- und Silberpreis nähern sich an

In Spitzenzeiten, zuletzt im Januar 2009, kostete eine Unze Gold soviel wie 75 bis 80 Unzen Silber und in den vergangenen 5 Jahren lag das Gold-Silber-Verhältnis im Schnitt bei 60. Inzwischen wurden Werte unter 40 erreicht.

Das zeigt nicht nur, dass der Silberpreis in den vergangenen Monaten schneller gestiegen ist als der Goldpreis.

Es zeigt auch, dass sehr viel Geld in Silbermarkt geflossen sein muss, denn im Verhältnis zum Gold ist der Silbermarkt ein kleiner Markt und kleine Märkte pflegen mit starken Preisausschlägen auf den massiven Zufluss von frischen Investorengeldern zu reagieren.

Sprunghaft angestiegen ist die Silbernachfrage vor allem in Nordamerika. Sowohl die US Mint als auch die Royal Canadian Mint setzten in den ersten beiden Monaten dieses Jahres deutlich mehr Silver Eagles und Maple Leafs ab als in den Vergleichsmonaten des Vorjahres.

Der Ansturm auf das Silber ist jedoch keineswegs auf die großen Münzprägeanstalten beschränkt.

Viermal mehr Silber als Gold verkauft

Bekannte Vermögensverwalter, die auch den physischen Erwerb von Edelmetallen anbieten, wie Eric Sprott von Sprott Asset Management, berichten davon, dass die Kunden ähnlich hohe Beträge ins Silber investieren wie ins Gold.

Das war in früheren Jahren anders. Zumindest in US Dollar gerechnet waren die ins Gold investierten Beträge deutlich höher als jene, die für den Kauf von Silber aufgewendet wurden. Im Januar und Februar 2011 hingegen verkaufte Sprott Asset Management in US Dollar gerechnet viermal mehr Silber als Gold.

Die hohe Nachfrage der Anleger trifft auf Silberlager, die dem Preis jede Menge Spielraum nach oben geben.

An der New Yorker COMEX sind die Lagerhäuser so gering mit Silber gefüllt wie im April 2006. Damals kostete eine Feinunze Silber aber nur 5 US Dollar und das Interesse der Anleger am Silber war deutlich geringer als heute.

Trotz hohem Silberpreis weiter ein kleiner Markt

In US Dollar bewertet ist der Silbermarkt trotz der jüngsten Preisanstiege nach wie vor ein sehr kleiner Markt. Rund 23.000 Tonnen Silber werden nach Angaben des Hanauer Edelmetallhandelshauses Heraeus pro Jahr in den Minen gefördert. Bei einem Preis von 21 US Dollar kommt diese Fördermenge auf einen Wert von gerade mal 17 Mrd. US Dollar.

Selbst bei den heutigen Preisen von 36 US Dollar je Feinunze Silber steigt der Gesamtwert der Förderung nur auf 25,88 Mrd. US Dollar.

Fließt internationales Anlagekapital im großen Stil in einen so kleinen Markt, sind Preissprünge gar nicht zu vermeiden. Das zeigte der Goldmarkt in der Vergangenheit nur zu deutlich. In den Minen werden weltweit jedes Jahr etwa 2.600 Tonnen gefördert.

Bei einem Goldpreis von 1.430 US Dollar je Unze kommt die Jahresproduktion auf einen Wert von 119,34 Mrd. US Dollar.

Enge des Silbermarkts begünstigt Spekulation

Zwar ist der Goldmarkt damit deutlich größer als der Silbermarkt, doch im Vergleich zum Aktienmarkt (40 Billionen US Dollar Marktvolumen) oder gar zum Anleihenmarkt (Marktvolumen 80 Billionen US Dollar) stellt das Gold nur die berühmten „Peanuts“ dar.

Aus diesem Grund reagiert der Silbermarkt nicht nur sehr viel schneller und extremer auf die Bewegungen der Investoren, sondern er er bietet Spekulanten wegen seiner geringen Größe auch die Möglichkeit den Markt mit wenig Aufwand, sprich einem geringen Kapitaleinsatz, zu knacken.

Genau das ist in den vergangenen Jahren geschehen, nur dass die Manipulation nicht auf der Kauf-, sondern auf der Verkaufsseite stattgefunden hat. Wäre es anders gewesen hätte man Silber im April 2006 bei gleich angespannten Lagerbeständen nicht für 5 US Dollar je Unze kaufen können.

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