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Sind außerbörsliche Genussscheine für Privatanleger interessant?

Stellen Sie sich vor, Sie erhalten die Ausschüttung für Ihr Investment nicht als finanziellen Ausgleich sondern in Form von Naturalien wie Süßigkeiten oder Spirituosen. Das ist nicht möglich? Doch, wenn Sie Inhaber eines außerbörslichen Genussscheins sind.

Denn außerbörsliche Genussscheine sind in der Ausgestaltung ihrer Bedingungen völlig frei. Dabei wird auch diese Art von Finanzprodukten auch in Zusammenhang mit Geldinstituten als Emittent herausgegeben.

Außerbörslichen Genussscheine und ihre Charakteristik

Ein wichtiges Kennzeichen des außerbörslichen Genussscheins ist, dass er ein deutsches Phänomen ist. In anderen Ländern hat er so gut wie keine Bedeutung.

Beim außerbörslichen Genussschein verhält es sich bei der Ausschüttung wie bei einer Aktie. Ausgezahlt wird nur, wenn die Ertragslage des Unternehmens es zulässt. Dabei haben Genussscheininhaber allerdings im Gegensatz zur Aktie kein Stimmrecht und sind nicht berechtigt an der Hauptversammlung teilzunehmen.

Ein weiteres Merkmal sind die langen Laufzeiten der außerbörslichen Genussscheine. Nicht selten handelt es sich hierbei um Laufzeiten von mehreren Jahrzehnten. Selbst Genussscheine mit unbegrenzter Laufzeit sind im Umlauf.

Die Verzinsung von Genussscheinen wird nicht täglich berechnet. Das bedeutet: Der Kurs des außerbörslichen Genussscheins fällt unmittelbar nach der Ausschüttung (etwa um den Ausschüttungsbetrag) und steigt im Laufe des Jahres peu à peu wieder an.

Außerbörsliche Genussscheine bergen außergewöhnliche Risiken

Der größte Nachteil des außerbörslichen Genussscheins offenbart sich bereits in seinem Namen. Außerbörslich heißt zwar, dass die Emission eines solchen Wertpapiers verhältnismäßig günstig ist, bedeutet aber auch, dass sich ein herausgebendes Unternehmen nicht an die strengen Transparenz- Vorschriften der Börse halten muss.

Dieser Umstand ist natürlich besonders verlockend für Gesellschaften, die in Punkto Seriosität – gelinde gesagt – Nachholbedarf haben. So kommt es zu Angeboten auf dem so genannten Graumarkt.

Hier werden meist unerfahrenen Privatanlegern mit teuren und aufwändig gestalteten Prospekten astronomische Renditeversprechen gemacht. Die sich – wer hätte es gedacht – als nichts anderes als Luftblasen erweisen.

Das größte Problem: Bei einem Papier, das nicht an der Börse gehandelt wird, erfahren Anleger nicht oder nur sehr wenig darüber, wenn das betreffende Unternehmen in Schwierigkeiten ist.

In einem solchen Fall kann es dann auch besondere Probleme bereiten, seine außerbörslichen Genussscheine zu einem annehmbaren Preis wieder loszuwerden. Schließlich gibt es ja auch keinen Marktplatz für derartige Finanzprodukte.

Und auf eine eventuell vorhandene Rücknahme-Garantie eines nur mehr schwach solventen Unternehmens kann man sich ohnehin nicht verlassen.

Außerbörsliche Genussscheine für Privatanleger weniger empfehlenswert

Es mag sicherlich Fälle geben, bei denen Anleger das Genussschein-emittierende Unternehmen sehr gut kennen und damit auch einen Überblick über die möglichen Risiken machen können.

Wenn dies jedoch nicht zutrifft, sollten Privatanleger lieber die Finger von außerbörslichen Genussscheinen lassen. Denn die verschlungenen Pfade des Vertragswerks eines solchen Papiers sind für Laien meist kaum zu durchschauen.

25. August 2015

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Peter Hermann
Von: Peter Hermann. Über den Autor

Peter Hermann ist studierter Germanist und Sozialwissenschaftler und arbeitet seit vielen Jahren im Wirtschafts- und Finanzjournalismus. Sein Spezialgebiet sind die Offenen Investmentfonds. Darüber hinaus besitzt er die Zulassung zum Anlageberater nach § 34 f.