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SMAX: Definition eines gescheiterten Zeitgeist-Segments

Warum gibt es mit rund 4,6 Mio. direkten Aktionären nur so wenige Anleger, die von der Börse profitieren? Diese Frage bewegte die Gemüter vor über 15 Jahren genauso wie heute.

Dabei sind Aktien auf lange Sicht die beste Anlageklasse. Auch Titel kleinerer solider Unternehmen bieten enormes Potenzial. Wenn die Wirtschaft brummt, sind es gerade Small Caps, die überdurchschnittlich zulegen.

Sie finden sich heute im SDAX. Damals aber richtete sich das Augenmerk vor allem auf den SMAX. Er wurde Mitte 1999 von der Frankfurter Börse gegründet und war Teil einer strukturellen Neuordnung, die immer mehr Deutsche zu Aktionären machte.

Als 2001 deren Anzahl auf den Rekordstand von 6,21 Mio. direkten und 12,85 indirekten Aktionären inklusive Fondsbesitzer stieg, platzte die Internet-Blase und vernichtete Anlegergeld in Milliardenhöhe. Danach verschwand der Neue Markt (NEMAX) genauso wie der SMAX. Ihm ging 2003 die Puste aus.

SMAX – vom Neuen-Markt-Hype inspiriert

Von der Definition her ist der SMAX ein ehemaliges Segment für kleine börsennotierte Unternehmen mit besonderen Transparenzanforderungen an der Frankfurter Wertpapierbörse. Das Kürzel SMAX steht für Small Capital Exchange. Seine Gründung wurde durch den Erfolg am Neuen Markt inspiriert.

Die Idee: Attraktive, solide Mittelständler sollten aus dem Schattendasein abseits von DAX, MDAX und NEMAX geholt werden. Sie mussten strenge Aufnahmevoraussetzungen in Sachen Transparenz und Liquidität erfüllen.

Der SMAX-All-Share-Index wurde zum Qualitätssegment. Im SDAX fanden sich die 100 größten Werte aus dem SMAX – von Beate Uhse über Hornbach oder Kampa Haus bis zu Villeroy&Boch.

SMAX – zu teuer, zu aufwändig

Während heute im SDAX nur 50 Unternehmen gelistet sind, verleitete der damalige Börsenhype zur Konstruktion in großen Maßstäben. Doch die sollte sich schon bald als Problem erweisen. 2002 wurden die Zulassungsvoraussetzungen noch einmal verschärft, um den SMAX auch ausländischen Titeln schmackhaft zu machen.

Damit aber wurde die Listung immer aufwändiger und teurer. Der SMAX, der von Anfang an nicht wie erhofft in Schwung kam, konnte auch vom Niedergang des Neuen Marktes nicht profitieren.

Die Anleger zogen sich vom Platzen der IT-Blase erschreckt auch vom soliden SMAX zurück. Der Aufwand und die Kosten für die Firmen stand jetzt erst recht nicht mehr zum erhofften Nutzen. Nach den Anlegern stiegen auch die Firmen reihenweise aus.

Aus heutiger Sicht ist die Definition des SMAX eher die eines zeitgeist-getriebenen Experiments, das an seinen Ansprüchen gescheitert ist. Nachdem er Ende 2003 eingestellt wurde, wechselte die Hälfte der SMAX-Firmen in den General Standard.

Hier sind die Voraussetzungen weniger streng und aufwändig. Er gilt als Vorstufe zum regulierten Markt, wo der SDAX im Prime Standard die 50 stärksten Small Caps listet. Dort ist die andere Hälfte der ehemaligen SMAX-Mitglieder gelandet.

SDAX glänzt mit Nebenwerten

Diese übersichtliche Aufteilung kommt den Bedürfnissen aller Beteiligten entgegen. Anleger, die Wert auf Qualitätskriterien, sprich Zulassungsvoraussetzungen legen, finden im SDAX attraktive Nebenwerte wie etwa den Gabelstaplerproduzenten Jungheinrich, den Motorenbauer Deutz oder den Außenwerber Ströer.

Diese Titel konnten in den letzten 12 Monaten um über die Hälfte zulegen. Auch der SDAX selbst ist kräftig gestiegen. Seit 2009 von 2.150 auf derzeit 7.195 Punkte. Mit dieser Entwicklung braucht er sich vor dem DAX nicht zu verstecken.

Angesichts dieses Erfolgs hat sich die Neuausrichtung der Frankfurter Börse nach dem SMAX-Debakel bewährt. Enttäuschend vielmehr ist die Zahl der deutschen Aktionäre, die sich auf Vor-Smax-Niveau befindet. Wenigstens sorgen zunehmend ausländische Investoren für Schwung im Handel.

3. Juni 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.