MenüMenü

Gratis Studie zum kostenlosen Download:
Neu: 3 Topaktien für das Jahr 2017 . . . Download hier ➜

So berechnet die Elterngeld-Stelle die monatlichen Bezüge in 9 Schritten

Das Elterngeld ist ein Segen für alle jungen Familien, da es frischgebackenen Eltern ermöglicht, bei ihrem Nachwuchs und trotzdem finanziell versorgt zu sein. Elterngeld wird 12 Monate lang gezahlt und kann um zwei Partnermonate auf 14 Monate erweitert werden.

Außerdem gibt es seit dem 1. Juli 2015 die Variante „Elterngeld Plus„, bei der Paare, die schon früher wieder in Teilzeit arbeiten möchten, Elterngeld für 24 bzw. 28 Monate beanspruchen können.

Wie sich das Elterngeld berechnet, hängt dabei vom jeweiligen Status des Antragsstellers ab. Grundsätzlich bemisst es sich am durchschnittlichen Nettogehalt der letzten 12 Monate und wird von der Elterngeldstelle in 9 Schritten berechnet.

1. Ermittlung des Bemessungszeitraums

Zunächst wird der individuelle Bemessungszeitraum ermittelt. Dieser umfasst 12 Kalendermonate. Für Angestellte ist der Zeitraum vor dem Monat der Geburt des Kindes bzw. bei Frauen vor dem Beginn der Mutterschutzfrist relevant. Bei Einkünften aus einer selbstständigen Tätigkeit wird das letzte Wirtschaftsjahr betrachtet.

2. Berechnung des laufenden Einkommens

Nach Berechnung des Bruttoeinkommens anhand von Einkommensnachweisen wird das laufende Arbeitsentgelt berechnet. Selbstständige weisen ihre Einkünfte über den Einkommensteuerbescheid des Vorjahres nach. Bei ihnen wird der Gewinn vor Steuerabzug durch 12 geteilt, um das monatliche Einkommen zu ermitteln.

3. Berechnung des Elterngeld-Bruttos

Der Elterngeld-Bruttobetrag errechnet sich anhand des laufenden Einkommens, von dem der Arbeitnehmerpauschbetrag abgezogen wird.

4. Ermittlung von Steuermerkmalen

Steuerklasse, Kirchensteuer, Kinderfreibeträge und andere Steuermerkmale werden von der Elterngeldstelle anhand der Einkommensnachweise ermittelt. Auch steuerliche Änderungen, wie eine Änderung der Steuerklasse werden berücksichtigt.

Die neue Steuerklasse ist allerdings nur relevant, wenn sie im Bemessungszeitraum überwiegt. War also ein Antragssteller 8 Monate in der neuen Steuerklasse und 4 Monate in der alten Steuerklasse eingestuft, überwiegt die neue Klasse. Bei einer gleichen Verteilung von jeweils 6 Monaten zählt das aktuellere Merkmal. Nur Monate, in denen auch tatsächlich Einkommen erzielt wurde, werden dafür betrachtet.

5. Berechnung von Steuerabzügen

Die Elterngeldstelle ermittelt die Höhe der Steuerabzüge anhand des Programmablaufplans des Bundesfamilienministeriums. Dabei wird die Steuerklasse 6 zum Beispiel nicht berücksichtigt und Vorsorgepauschalen ermittelt.

6. Berechnung sozialversicherungsrechtlicher Merkmale und Abzüge

Auch die Beiträge zur Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung, die auf das Einkommen geleistet wurden, werden erfasst. Für Änderungen der Merkmale gilt das gleiche wie bei steuerlichen Merkmalen. Die überwiegende Anzahl ist relevant. Die Abzüge werden ebenfalls mithilfe des Gesetzes zum Elterngeld berechnet.

7. Berechnung des Elterngeld-Nettos

Vom Elterngeld-Brutto werden dann die errechneten Bezüge für Sozialabgaben und Steuern abgezogen. Dieses Netto, das sich ergibt, ist nicht dasselbe Netto wie das, was auf Einkommensnachweisen steht, da die Berechnung von Pauschalen und Abzügen anderen Regeln unterliegt. Auf Basis des Elterngeld-Nettos wird dann die Höhe des monatlichen Elterngeldes ermittelt.

8. Berechnung der Ersatzrate

Die sog. Ersatzrate gibt an, wie viel Prozent Elterngeld anhand des Elterngeld-Nettos berechnet werden kann. Das heißt: Die Höhe der Ersatzrate bestimmt die Höhe des Elterngeldes. Sie hängt von der Höhe des Nettos ab, liegt bei mindestens 65 % und kann für Geringverdiener bis auf 100 % hochgehen. Das Elterngeld liegt dabei immer mindestens bei 300 € und höchstens bei 1.800 €.

9. Besonderheiten bei der Berechnung des Elterngeldes

Einkommen, das parallel zum Elterngeld bezogen wird, wird angerechnet und kürzt das Elterngeld anteilig. Auch andere Faktoren haben Einfluss auf die Berechnung des Elterngeldes. Haben Eltern beispielsweise bereits ein oder mehrere andere Kinder, wird das Elterngeld erhöht.

Wer schon ein Kind unter drei Jahren oder zwei Kinder unter sechs Jahren hat, erhält 10 % des errechneten Betrags mehr, dies ist der sogenannte Geschwisterbonus. Er ist bei 75 € monatlich gedeckelt. Bei Eltern, die Mehrlinge erwarten, erhöht sich sowohl der Mindestbetrag von 300 € als auch der Höchstbetrag von 1.800 € um jeweils 300 €. Das Elterngeld ist steuerfrei.

Wer kein Einkommen hat, wie zum Beispiel Studenten, Arbeitslose oder Hausfrauen erhält einen Sockelbetrag von 300 € im Monat. Bei Arbeitslosengeld II-Empfängern wird das Elterngeld auf das Einkommen angerechnet. Wer über 250.000 € im Jahr verdient (bei Verheirateten 500.000 €) hat keinen Anspruch auf Elterngeld.

Was Eltern bei der eigenen Berechnung beachten sollten

Das Elterngeld selber zu berechnen ist ein komplexer Vorgang und meist nur über vorprogrammierte Rechner im Internet ohne viel Aufwand möglich. Der Betrag der dort herauskommt, sollte lediglich als Richtlinie betrachtet werden. Die ausführliche und korrekte Berechnung durch die Elterngeldstelle kann eine andere Zahl ergeben.

23. Januar 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.