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So greift das Erbrecht bei Todesfällen ohne Testament

Einen Familienangehörigen zu verlieren ist tragisch. Wenn dann auch noch ein Streit um das Erbe entbrennt, bedeutet das eine hohe nervliche Belastung. Dank des Verwandtenerbrecht des Staates – auch bekannt als gesetzliche Erbfolge – ist rechtlich geregelt, welcher Familienangehörige welchen Anteil am Nachlass erhält.

Das Verwandtenerbrecht greift auch dann, wenn ein Testament verfasst wurde. Angehörige können ihren Anteil einklagen und erhalten dann die Hälfte von dem, was ihnen zugestanden hätte (den sog. Pflichtteil).

Gibt es kein Testament, regelt das Verwandtenerbrecht die Verteilung des Nachlasses an die Familie. Ehepartner werden zwar nicht als Verwandte gezählt, finden aber trotzdem ihren Platz als Erbe erster Ordnung.

Im Verwandtenerbrecht werden die Erben in Ordnungen eingeteilt

Die Verwandten eines Verstorbenen sind je nach Enge der Verwandtschaftsbeziehung in verschiedene Ordnungen eingeteilt. Verwandte der ersten Ordnung sind die Kinder und Enkel des Verstorbenen. Zur zweiten Ordnung zählen die Eltern, Geschwister und deren Kinder. Die dritte Ordnung meint Onkel, Tanten und die Großeltern des Verstorbenen.

Das Vorrecht hat immer der Verwandte aus der vorhergehenden Ordnung. Leben also noch Verwandten der ersten Ordnung, geht die zweite Ordnung leer aus. Auch hat immer die Parentalgeneration Vorrang, also Kinder vor Enkeln, Enkel vor Urenkeln usw.

So funktioniert das Verwandtenerbrecht

Ein Beispiel: Herr Hohmann stirbt mit 91, einem Vermögen von 50.000 € und hinterlässt einen Sohn, drei Enkel und zwei Urenkel. Ein Testament hat er nicht geschrieben. Dadurch, dass sein Sohn Peter (Erbe erster Ordnung) noch lebt, gehen seine Enkel und Urenkel leer aus. Peter ist der gesetzliche Alleinerbe und erhält die gesamten 50.000 €.

Hätte Herr Hohmann ein Testament geschrieben und seinen Sohn als Erben ausgeschlossen, hätte dieser seinen Pflichtanteil einfordern können und die Hälfte des ihm zustehenden Betrages erhalten, nämlich 25.000 €. Die anderen 25.000 € wären auf seine drei Enkel verteilt worden, die Vorrecht vor den Urenkeln haben.

In einer anderen Familienkonstellation ohne Kinder, aber mit zwei Geschwistern, erben diese jeweils die Hälfte von Herrn Hohmanns Vermögen. Wäre ein Geschwisterteil bereits verstorben und hätte aber Kinder (Nichten/Neffen), würden diese den Anteil erben und unter sich gleichermaßen aufteilen. Ein Geschwisterteil erhält dann die Hälfte des Erbes (25.000 €) und die anderen 25.000 €, die eigentlich an den anderen Geschwisterteil gehen würden, erhalten dessen Kinder.

Mit einem Testament ist der Nachlass klar geregelt

Pflichtanteile können grundsätzlich immer eingefordert werden und sollten vom Testamentsverfasser bei der Verteilung des Nachlasses am besten von vornherein bedacht werden. Die Besonderheit ist allerdings, dass der eingeklagte Pflichtteil nur die Hälfte von dem beträgt, was einer Person eigentlich zugestanden hätte. Wer also bewusst jemanden enterben möchte, kann die tatsächliche Hinterlassenschaft auf diese Weise schmälern.

Grundsätzlich empfiehlt es sich, im fortgeschrittenen Alter ein Testament aufzusetzen. Auf diese Weise kann ein Nachlass nach dem Wunsch des Verstorbenen verteilt werden und die Grundlage, auf der über den letzten Wunsch einer Person geurteilt wird, ist eindeutig.

26. Juni 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.