So können Sie ETFs kostenlos handeln

Passive börsengehandelte Indexfonds haben entscheidende Vorteile: Zum einen sind sie einfach, weil sie alle Aktien in einem Index abbilden und sich genauso entwickeln. Zum anderen sind sie wesentlich günstiger als aktiv gemanagte Fonds, die einen Index eh nur selten schlagen.

Trotzdem fallen auch hier Gebühren beim Kauf und Verkauf an und die nagen an der Rendite. Wer aufpasst, kann ETFs aber auch komplett kostenlos handeln.

Generelle Kostenstruktur von ETFs

Bevor man sich jedoch auf Angebote stürzt, mit denen sich ETFs kostenlos handeln lassen, sollte man einen Blick auf die generelle Kostenstruktur werfen. Da wäre zunächst der gravierende Unterschied zu aktiv gemanagten Fonds. Letztere berechnen Verwaltungs- und Managementgebühren, meist bis 1,5% des Anlagewerts. Hinzu kommen Ausgabeaufschläge die 5% ausmachen können und manchmal auch Performance Fees als Gewinnbeteiligung.

Die Provisionen entfallen bei ETFs komplett. Und die Verwaltungskosten betragen zwischen 0,1% und 0,5% im Jahr, höchstenfalls 1%. Grundsätzlich gilt: je weniger exotisch und liquider der abgebildete Index, desto billiger. Folglich macht es einen erheblichen Unterschied, ob ein aktiv gemanagter Fonds jährlich 2% extra zulegen muss, nur um die Kosten in 10 Jahren wettzumachen, oder ob ein ETF bei gleicher Wertentwicklung dafür ein Zehntelprozent benötigt.

Wie viel Prozentpunkte an Kosten pro Jahr anfallen, erkennt man in der Gesamtkostenquote (TER). Diese Total Expense Ratio drückt die Effektivkosten aus und beinhaltet Pauschalgebühren für Verwaltung, Depotbank und Prospektausgaben. Dazu noch die Mehrwertsteuer und andere Nebengebühren. Diese Posten entsprechen den genannten Verwaltungsosten, die im Idealfall nur 0,1% betragen.

Sparen lässt sich unter diesen Posten bei der Depotbank. Während Filialbanken mitunter kräftige Jahresgebühren verlangen, verzichten die meisten Direkt- und Onlinebanken darauf.

Transaktionen können teuer werden

Eine andere Sache sind die Transaktionskosten. Die werden nicht in der TER ausgewiesen, sind aber, je nach Anlegerverhalten, der größte Kostentreiber. Bei jedem Kauf und Verkauf ist eine Handelsplatzgebühr sowie eine Orderprovision fällig. Die Gebühr für den Handelsplatz steht zwar fest, doch bei den Orderprovisionen gibt es deutliche Unterschiede.

Während Bank- bzw. Sparkassenfilialen pro Order bis zu 1% vom Kurswert verlangen, erfreuen moderne Anbieter mit nur wenigen Euro, und zwar unabhängig von der Auftragshöhe. Bei einem Volumen über 25.000 € gehen im ersten Fall 250 € drauf. Im günstigeren vielleicht 10 €, teilweise sogar nur 5 € und weniger. Allerdings muss in den Fällen meist ein bestimmtes Ordervolumen eingehalten werden, in der Regel ab 1.000 €.

ETFs kostenlos handeln

Im Kampf um Kapital und Kunden gehen einige noch einen Schritt weiter und ermöglichen es, ETFs kostenlos zu handeln. Doch auch hier sind die Bedingungen zu beachten. So wirbt etwa der junge Broker Degiro aus den Niederlanden um junge Anleger, mit Kampfpreisen bei Wertpapieren und Fonds.

Bei einer Liste von ETFs ist jeden Monat der erste Handelsvorgang kostenfrei. Weitere Ausführungen nur, wenn der Handel in die gleiche Richtung führt, also Kauf auf Kauf bzw. Verkauf auf Verkauf. Zudem muss das Ordervolumen mehr als 1.000 € betragen. Solche Aktionen sind aber in der Regel zeitlich begrenzt, an Bedingungen geknüpft oder können laut Geschäftsbedingung jederzeit abgebrochen werden.

Das gilt auch für ein Angebot der ING DiBa, die im März 2015 eine unbefristete Aktion startete: Beim Kauf über die Berliner Börse Tradegate wird auf Ordergebühren verzichtet. Hier heißt es, genau lesen – vom Verkauf ist nicht die Rede. Das Angebot gilt für eine Einmaleinlage ab 500 € Kurswert.

Kundenfang und weniger Service

Das alles relativiert sich aber insofern, als dass ETFs ohnehin nicht in der Menge gehandelt werden wie Einzelaktien. Wer sich über die Konditionen im Einzelnen nicht sicher ist, kommt von daher auch mit Gebühren um die 5 € klar, die keine nennenswerte Renditeeinbußen darstellen. Hinzu kommt: Viele der neuen Kostenlos-Broker bieten weniger Service auf ihren Plattformen.

Wer sich bei Degiro parallel für etwas anspruchsvollere Produkte interessiert, findet weder Kundenschulung noch Demokonten. Auch fehlen mitunter technische Analysen und ein Depotwechsel kann sich lange hinziehen. Unterm Strich darf der generelle Support nicht übersehen werden. Es sei denn, ein Kunde ist so erfahren, dass er auf vieles verzichten kann.

19. Januar 2017

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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