So schützt Deutschland seine Exporteure

In Sachen Unternehmen und Wirtschaft tauchen immer wieder Begriffe auf, die einem nur ungefähr etwas sagen, obwohl sie mitunter wichtig sind – zum Beispiel Hermesdeckungen. Die Definition zeigt, dass es sich um ein äußerst bedeutendes und bewährtes Instrument für die deutsche Exportwirtschaft handelt, von dem auch Anleger profitieren.

Hermesabdeckungen: Definition einer staatlichen Absicherung

Hermesdeckungen sind per Definition die Exportkreditversicherungen der Bundesrepublik Deutschland zugunsten deutscher Exporteure sowie Kreditinstitute. Eigentlich ist es nur eine umgangssprachliche Bezeichnung, die genauso gut für Exportbürgschaften steht. Mit all den Begriffen ist ein und dasselbe gemeint: Der Staat gibt eine Kreditgarantie und schützt vor Zahlungsausfällen im Ausland – sofern sich kein privater Kreditversicherer findet – und das seit 1949.

Das Wort Kreditausfallrisiko erklärt sich mit der Tatsache, dass beim Export dem Kunden ein Kredit in Form des vereinbarten Zahlungsziels eingeräumt wird. Ähnlich verhält es sich mit Vorleistungen bei Bauprojekten oder Dienstleistungen im Ausland. Die abgedeckten Risiken umfassen Zahlungsprobleme von Kunden, vor allem aber Risiken, die wegen politischer Unsicherheiten in Ländern bestehen, die instabil oder unberechenbar sind.


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Da kein Versicherer bereit ist, neben privaten Zahlungsrisiken auch Fälle abzudecken, in denen Regierungen Verträge und Großprojekte unterlaufen, annullieren oder verbieten, springt der Staat ein. Ohne die Hilfe würde es viele Ausfuhren in Länder mit Devisenmangel, unsicheren Partnern und Strukturen nicht geben. So besteht zum Beispiel das Risiko, dass Russland wegen der EU-Sanktionen Rechnungen nicht bezahlt. Auch müssen künftige Geschäfte mit dem Iran gedeckt werden.

Risikostrukturen und Kosten

Die Liste von Partnern und Ländern ist lang und ordnet sie in Risikostufen von 0 bis 7 ein. Nach diesen richten sich die Absicherungskosten eines Exporteurs. Er kann nämlich frei entscheiden, ob er die Garantie in Anspruch nehmen will. Wenn ja, zahlt er eine entsprechende Prämie und trägt einen Selbstbehalt von bis zu 15%. Hinzu kommt eine Bearbeitungsgebühr, die sich am Auftragswert ausrichtet.

Natürlich haben Antragsteller bestimmte Kriterien zu erfüllen. Aktuell müssen etwa mindestens 50% eines Exportprodukts aus Deutschland stammen – zur Sicherung von Standort und Arbeitsplätzen. Diese Regelung ist derzeit umstritten, weil die Industrie vermehrt Vorleistungen im Ausland einkauft.

Deshalb fordert sie eine Anhebung des ausländischen Zuliefereranteils auf 75%. Geprüft werden zudem Umwelt- und Sozialverträglichkeit sowie eventuelle Ausfuhrverbote. Gerade letztere Aspekte zeigen, dass sich die Kriterien entsprechend neuer Wertvorstellungen ändern.

Kritische Überschneidungen gibt es etwa beim Export von Kernkraftwerken, Software, die sich zum Ausspähen eignet oder Landwirtschaftsanlagen, die gegen europäische Normen verstoßen würden.

Allianz-Tochter als Abwickler und Namensstifter

Wird ein Antrag genehmigt, sorgen die Wirtschaftsberatungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers und der Kreditversicherer Euler Hermes als Partner der Regierung für die Abwicklung. Traditionell federführend ist die Allianz-Tochter Euler Hermes mit dem Namen des griechischen Schutzgottes der Reisenden und Kaufleute. Damit erklärt sich auch die begriffliche Definition von Hermesdeckungen.

Hauptakteur ist jedoch die Bundesregierung. 2015 übernahm sie Exportgarantien in Höhe von 25,8 Mrd. €. Gut 75% entfielen auf Schwellen- bzw. Entwicklungsländer. Russland, die Türkei oder Ägypten zählen zu den Staaten mit den größten Deckungssummen. Gezahlt wurden weniger als 400 Mio. € an Entschädigungen. Der Jahresüberschuss in Höhe von 344 Mio. € floss, wie immer, in den Bundeshaushalt.

Hermesdeckungen sind seit ihren Anfängen ein entscheidender Beitrag zur Sicherung der Exportwirtschaft und deren Wettbewerbsfähigkeit. Damit kommt sie zugleich allen Investoren und Anlegern zugute, die auf Aktien von Maschinenbauern oder Bauunternehmen, der Fahrzeug- oder Flugzeugindustrie setzen.

29. Dezember 2016

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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