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So sichern sich Banken gegen steigende Zinsen ab

Wer sich als Privatanleger gegen steigende Zinsen absichern will, denkt an Termingeschäfte wie Zins-Futures, also Derivate.

Bei Baukrediten wiederum empfiehlt sich ein Forwarddarlehen, das optimale Konditionen Jahre im Voraus garantiert. Wegen der beiden Bestandteile von Geldbetrag und Zinszusage, handelt es sich genau genommen ebenfalls um ein strukturiertes Produkt der Bank.

Forward Forward Deposit: Definition und Einordnung

Wenn sich nun Banken gegen Zinsrisiken absichern wollen, taucht auch wieder der Begriff Forward auf. Hier geht es um Forwards, so wie beim Zins-Future. Anders als die werden Forwards nicht als Standardprodukte an der Börse gehandelt, sondern am OTC-Markt und frei vereinbart.

Eine spezielle Form der Absicherung im professionellen Finanzgeschäft ist ein Forward Forward Deposit. Die Definition spricht von einem Geldmarktgeschäft auf Termin, bei dem vereinbart wird, dass ab einem bestimmten künftigen Zeitpunkt eine vorab festgelegte Einlage hereingenommen wird.

Um beim Forward Forward Deposit die gängige Definition zu ergänzen: Es handelt sich um ein Geschäft am Interbankenmarkt. Es ist also kein Produkt, das Privatanlegern an der Börse zur Verfügung steht. Die Banken handeln ihre Konditionen außerbörslich untereinander aus.

Ähnlich wie Forward Rate Agreement als Zinsswap

Zur Einordnung: Das Prinzip entspricht zunächst einem Forward Rate Agreement. Das heißt: Vereinbart wird ein bestimmter Betrag, Stichtag und Zinssatz. Liegt am Fälligkeitstag der Referenzzins über dem Zins, bekommt der Käufer die Differenz als Ausgleich. Liegt er darunter, kassiert sie der Verkäufer. Der Referenzzinssatz ist der Geldmarktsatz – Libor oder Euribor, je nach Währung.

Kauf und Verkauf bedeutet hier, dass beide Parteien ihre Zinszahlungen untereinander tauschen. Grund: Beide haben unterschiedliche Zinskonditionen und wollen vor der des anderen profitieren. Vorteil: Bei dem Tauschgeschäft werden keine großen Summen bewegt, es wird am Ende nur die Differenz überwiesen. Dies entspricht einem Zinsswap, den Unternehmen gerne nutzen.

Reales Geld überweisen

Wird aber vereinbart, dass ab einem bestimmten Termin tatsächlich ein Geldbetrag zu überweisen ist, handelt es sich um ein Forward-Forward-Deposit. Der Definition entsprechend ist das Geld die vorab vereinbarte Einlage.

Ein Beispiel: Die A-Bank stellt der B-Bank 10 Mio. € zur Verfügung und legt sie vereinbarungsgemäß nach 3 Monaten ein, und zwar für 6 Monate. Damit läut das gesamte Geschäft über 9 Monate. Vereinbart ist ein Zins von 2,4% – der Terminzins. Am Ende zahlt die die B-Bank der A-Bank die 10 Mio. € zurück und zusätzlich die 120.000 € Zinsen.

Zweck und Bedeutung des Forward Forward Deposit

Der Sinn dahinter: Mit dem Forward Forward Deposit sichert sich der Käufer eines Forward Agreements den Zins für eine echte, reale Geldaufnahme. Zugleich sichert er sich gegen steigende Zinsen ab.

Dafür wiederum verzichtet die kaufende Bank auf Spareffekte, die sich bei fallenden Zinsen ergeben können. Wegen der direkten Geldeinlage ist das Risiko, dass der Partner pleite geht, höher als beim reinen Tausch. Das Konstrukt ist ein Forward, also Termingeschäft auf Termingeld, aus Privatanlegersicht das Gegenstück zum Zins- bzw. Geldmarkt-Future an den Terminbörsen.

Forward Agreements bzw. Forward Forward Deposits sind mittlerweile eher ein Relikt vergangener Zeiten. Unter Banken und Versicherungen werden sie schon seit Jahren immer weniger genutzt. Das Ausfallrisiko hat wohl dazu beigetragen.

16. Februar 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.