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So sichern Sie bei unseriösen Immobilienanlagen Ihre Rechte

So sichern Sie bei unseriösen Immobilienanlagen Ihre Rechte

Ein „Immobilien-Berater“-Beitrag von Thomas Hammer, Betriebswirt und freier Wirtschaftsjournalist in Ötisheim. Er arbeitet für Zeitungen, Zeitschriften und Buchverlage und hat bereits mehrere erfolgreiche Ratgeber zu Finanzierungs- und Immobilienthemen verfasst.

So sichern Sie bei unseriösen Immobilienanlagen Ihre Rechte

Wenn Sie ein Immobilieninvestment planen, geht es in der Regel um viel Geld. Leider gibt es dabei auch dubiose Geschäftemacher, die auf mehr oder weniger ehrliche Weise einen Teil davon für sich abzweigen wollen. Windige Makler und zwischengeschaltete Strukturvertriebe, die im Auftrag von Bauträgern oder großen Investoren versuchen, Wohnungen oder Anteile an geschlossenen Immobilienfonds unters Volk zu bringen, bieten oft nicht wirklich renditestarke Objekte an.

Die Verkäufer pflegen dabei oft das System der so genannten „Kalt-Akquise“: Eine freundliche Dame meldet sich bei Ihnen und sagt, sie würde eine Umfrage zum Thema „Steuern und Altersvorsorge“ machen. Nachdem Sie brav Ihren Unmut über die hohe Steuerlast abgelassen haben, fragt sie, ob Sie Interesse an einer unverbindlichen persönlichen Beratung hätten. Wenn Sie zusagen, bekommen Sie Besuch von einem Vertreter, der Ihnen eine „persönliche Einkommens- und Vermögensanalyse“ erstellt. Dabei kommt dann vielfach heraus, dass Sie dringend etwas für Ihre Altersvorsorge tun sollten und deshalb schleunigst eine Wohnung oder Anteile an einem geschlossenen Immobilienfonds kaufen sollen.

Wichtig: Zwar ist die Idee, mit Immobilieneigentum fürs Alter vorzusorgen, absolut gut und richtig. Aber die Angebote, die Ihnen ein Strukturvertrieb macht, sind leider oft alles andere als rentabel.

Meist werden Eigentumswohnungen in entfernten Regionen zu überhöhten Preisen angeboten. Die Masche hat System: Anleger in Stuttgart sollen Wohnungen in Bremen kaufen, der Düsseldorfer soll in Berlin investieren, und dem Interessenten aus Berlin wird eine Wohnung in Saarbrücken aufgeschwatzt. Grund für die Vorgehensweise ist schlichtweg die Tatsache, dass auf Grund der großen Entfernung das meist zweit- oder drittklassige Objekt nicht vor Ort besichtigt wird und man sich mangels Marktkenntnis überhöhte Kaufpreise unterjubeln lässt.

Auch bei geschlossenen Immobilienfonds tummeln sich viele schwarze Schafe am Markt. Hierbei schließen sich viele Anleger zusammen, um gemeinsam eine große Immobilie – wie etwa ein großes Miet- oder Bürohaus – zu kaufen. Der Fondsinitiator tätigt die Investition, schießt das Geld vor und sammelt es hinterher scheibchenweise von den Anlegern wieder ein. Solange am Schluss nicht weitaus mehr zusammenkommt als am Anfang ausgegeben wurde, ist das auch ganz in Ordnung. Aber nur allzu oft wird billig gekauft und teuer verkauft – und wenn dann noch das Ganze mit fragwürdigen Methoden schöngerechnet wird, ist der Käufer der Dumme.

Wenn Sie mit einem unseriösen Anlagemodell bereits übervorteilt wurden, stellt sich für Sie die Frage: Wie kann ich angesichts dieses Anlageflops meinen finanziellen Schaden zumindest reduzieren?

Je nach Konstellation Ihres individuellen Falles gibt es dabei mehrere rechtliche Ansatzpunkte, nämlich

  • die Prospekthaftung des Anlageinitiators und der im Verkaufsprospekt mit aufgeführten Geschäftspartner,

  • die Beraterhaftung des Vermittlers und

  • die Mithaftung des finanzierenden Kreditinstituts bei so genannten „verbundenen Geschäften“.

In welchem Umfang der Initiator und seine Geschäftspartner für die Prospektangaben haften

Wenn Sie von einem privaten Verkäufer eine Eigentumswohnung erwerben, gibt es keinen offiziellen Verkaufsprospekt, in dem die wichtigsten Angaben zum Objekt festgehalten sind. Anhand von Besichtigung, Nebenkostenabrechnungen, Grundbuchauszug und den meist mündlich erteilten Informationen des Verkäufers entscheiden Sie, ob Sie die Wohnung nehmen oder nicht.

Ganz anders hingegen, wenn Sie ein Bauträgermodell oder Anteile an einem geschlossenen Immobilienfonds erwerben. Hier gibt es einen detaillierten Verkaufsprospekt, anhand dessen Sie in aller Regel Ihre Investmententscheidung treffen – schließlich erfolgt der Vertrieb oftmals in der Planungs- oder Rohbauphase.

Achtung: Dass der Verkaufsprospekt eines Immobilienprodukts mit wahrheitsgemäßen Angaben versehen sein soll, sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein – doch das entspricht nicht immer der Realität.

Vor allem die Anlageprodukte, die über so genannte Strukturvertriebe angeboten werden, sind oft mit fantasievoll formulierten, aber nicht unbedingt aussagekräftigen Prospekten verbunden. Im Extremfall kann es schon mal vorkommen, dass bei der Wohn- oder Nutzfläche einfach ein paar Quadratmeter dazugeschummelt werden, nicht existierende Mietverträge aufgeführt sind oder bauliche Risiken wie etwa längst überfällige Sanierungsmaßnahmen einfach unter den Teppich gekehrt werden.

Wichtig: Werden wichtige Fakten im Prospekt falsch dargestellt oder verschwiegen, haben Sie gegenüber dem Bauträgermodell- oder Fondsinitiator einen Anspruch auf Schadenersatz wegen Prospekthaftung. Denn es gelten die Grundsätze, dass

  • der Verkaufsprospekt hinsichtlich des angebotenen Projekts vollständig und richtig sein muss und

  • der potenzielle Erwerber sich daraus über alle Umstände, die für seine Entscheidung von Bedeutung sein können, informieren kann.

Beispiel: Ein Immobilienanleger verklagte einen Bauträger auf Schadenersatz, weil die im Verkaufsprospekt genannte Wohn- und Nutzfläche um 27 Prozent von der tatsächlichen Fläche abwich. Der Bundesgerichtshof entschied: Weil das Bauträgermodell auf die gleiche Weise wie ein geschlossener Immobilienfonds vertrieben und mit ähnlichen Verkaufsargumenten beworben wurde, entsprach in diesem Fall die Prospekthaftung des Bauträgers derjenigen eines Fondsinitiators. Außerdem sei die Wohnfläche ein entscheidendes Kriterium für die Kaufentscheidung, und somit führe eine falsche Angabe im Prospekt zu einem Schadenersatzanspruch seitens des Erwerbers. (BGH, Urteil vom 7.9.2000, Az. VII ZR 443/99)

Praxis-Tipp: Wenn Sie ein Bauträgermodell oder Anteile an geschlossenen Immobilienfonds erworben haben, sollten Sie stets prüfen, ob die im Verkaufsprospekt aufgeführten Informationen auch der Wirklichkeit entsprechen. Falls wichtige Fakten vorenthalten oder falsch dargestellt wurden, können Sie daraus gegenüber dem Initiator einen Anspruch auf Schadenersatz wegen Prospekthaftung geltend machen.

So mancher unseriöse Anbieter schmückt sich gern mit klangvollen Namen von Geschäftspartnern, um seine Produkte besser verkaufen zu können. So wird oft und gern im Verkaufsprospekt einer Immobilienanlage hervorgehoben, dass die Angaben von Wirtschaftsprüfern und Steuerberatern unter die Lupe genommen worden seien. Sie als Anleger vertrauen auf die Prüfungskompetenz der Wirtschafts- und Steuerfachleute – um nicht selten hinterher feststellen zu müssen, dass die hochoffiziellen Testate der Prüfer das Papier nicht wert sind, auf dem sie gedruckt wurden.

Wichtig: Vertrauen Sie nicht blindlings auf Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungstestate! Eine Mithaftung dieser Partner ist nur gegeben, wenn sie entweder einen Betrug aktiv unterstützt oder beispielsweise den Transfer von Kundeneinlagen auf Fremdkonten wissentlich geduldet haben.

Dieser Vorsatz ist jedoch in der Praxis nur sehr schwer zu beweisen. Allein die Tatsache, dass die Prüfer falsche Flächenangaben oder schöngerechnete Renditeprognosen nicht bemerkt haben, begründet keinen Haftungsanspruch!

Die Prospekthaftung des Initiators ist zwar juristisch recht eindeutig formuliert, doch in der Praxis haben Sie oft ein Problem – nämlich dann, wenn es darum geht, die konkreten Schadenersatzansprüche durchzusetzen. Oft fliegt die Betrügerei erst auf, wenn der Fondsinitiator oder Bauträger längst zahlungsunfähig geworden ist. Dann bekommen Sie zwar vielleicht ein rechtskräftiges Urteil mitsamt einem Vollstreckungstitel, können diesen jedoch häufig mangels Masse gar nicht durchsetzen.

Unter welchen Voraussetzungen Sie vom Berater Schadenersatz verlangen können

„Wir bieten Ihnen eine qualifizierte und bankenunabhängige Finanzberatung“ – mit solchen und ähnlichen Werbesprüchen schicken viele Strukturvertriebe ihre Verkäuferteams auf Tour. Doch meist ist die angebliche Unabhängigkeit nur vorgetäuscht. Die Berater erhalten nur bei Abschluss eine Provision, und was verkauft werden soll, bestimmt die Zentrale. Auch die Qualifikation lässt nur allzu oft zu wünschen übrig. In Feierabendkursen werden die Verkäufer über die Produkte informiert – wobei der wesentliche Inhalt solcher Schulungen nicht aus kundenorientierten Informationen, sondern aus Verkaufsargumenten besteht.

Angesichts solcher Vertriebspolitik ist es nicht weiter verwunderlich, dass beim Verkauf von Immobilienanlagen über Strukturvertriebe häufig Anlageflops produziert werden.

Wichtig: Sollten Sie solch einem Immobilienverkäufer aufgesessen sein, müssen Sie unbedingt wissen, dass es eine Beraterhaftung gibt!

Dabei gilt der Grundsatz: In dem Moment, in dem der Berater mit dem Kunden ein Verkaufsgespräch beginnt, schließt der stillschweigend mit diesem einen Beratungsvertrag. Kommt es zum Abschluss, bezahlt der Kunde das „Honorar“ in der Form, dass er die Provision des Beraters finanzieren muss.

Daraus ergeben sich für den Berater einige Pflichten:

  • Er muss sich über die von ihm vermittelten oder verkauften Produkte informieren,

  • er muss die Risikobereitschaft des Kunden richtig einschätzen und

  • er muss den Kunden umfassend über die Chancen und Risiken der von ihm verkauften Finanzprodukte informieren.


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Dabei stellt sich zunächst einmal die Frage, wie intensiv sich der Verkäufer über die Seriosität der von ihm vermittelten Produkte informieren muss. Klar ist: Er ist nicht verpflichtet, einen Privatdetektiv damit zu beauftragen, den Lebenswandel eines Fondsinitiators oder Bauträgers unter die Lupe zu nehmen. Aber es kann ihm durchaus zugemutet werden, sich über die einschlägige Fachpresse auf dem Laufenden zu halten und die Interessenten vor dem Abschluss über die Ansicht der neutralen Experten zu informieren.

Beispiel: Sie haben auf Grund der Verkaufsbemühungen eines Vermittlers Anteile an einem geschlossenen Immobilienfonds gezeichnet. Hierbei hat Sie der Berater nicht über die Tatsache informiert, dass dieses Produkt in mehreren Berichten der Finanzpresse als unseriös, überteuert und hochriskant bezeichnet wurde.

In diesem Fall hat der Verkäufer schuldhaft den Beratungsvertrag verletzt, und im Fall eines finanziellen Verlustes haben Sie ihm gegenüber einen Schadenersatzanspruch aus der Beraterhaftung.

Untermauert wird diese Einstufung durch eine ganze Reihe einschlägiger Gerichtsurteile. Hier ein paar wichtige und für die Praxis relevante Beispiele:

  • Der Anlageberater ist verpflichtet, im Rahmen seiner Möglichkeiten die Seriosität eines Initiators zu überprüfen. (Oberlandesgericht Köln, Az. 3U 106/98)

  • Der Vermittler kann sich von seiner Auskunfts- und Beratungspflicht nicht durch entsprechende Klauseln in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) entbinden. (Bundesgerichtshof, Az. III ZR 62/99)

  • Ein Anlageberater ist verpflichtet, den Interessenten auf kritische Beurteilungen in der Fachpresse aufmerksam zu machen. (Landgericht Ulm, Az. 4O 356/97)

  • Falls der Anlagevermittler die Angaben des Initiators zum Objekt nicht geprüft hat, muss er dies dem Interessenten ausdrücklich mitteilen. (Landgericht Kaiserslautern, Az. 4O 57/97)

Die Grenzen der Beraterhaftung

Allerdings hat auch die Beraterhaftung ihre Grenzen. So haftet der Berater nicht zwangsläufig mit, wenn eine von ihm vermittelte unternehmerische Beteiligung durch den Konkurs des Initiators an Wert verliert. Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main urteilte in einem entsprechenden Zivilprozess:

Wenn sich der Berater im Vorfeld über das Unternehmen informiert hatte und dieses sich nicht als „Konkurskandidat“ präsentierte, kann er für einen Wertverlust aus einer später stattfindenden Insolvenz nicht haftbar gemacht werden. (OLG Frankfurt am Main, Az. 23 U 136/99)

Wenn es um die Beraterhaftung geht, stehen Sie als Anleger in der Beweispflicht. Das bedeutet: Im Zweifel müssen Sie nachweisen, dass der Berater Ihnen wichtige Informationen vorenthalten oder eine trügerische Anlagesicherheit vorgegaukelt hat. Die Beweisführung kann beispielsweise erfolgen, indem Sie Aufzeichnungen, Notizen oder Beispielrechnungen des Beraters aus dem Verkaufsgespräch vorlegen.

Bei allen Beratungsgesprächen sollten Sie während des Gesprächs ein stichwortartiges Protokoll führen und dieses anschließend vom Berater gegenzeichnen lassen.

Denn: Schwierig wird es für Sie in einem Haftungsstreit, wenn der Vermittler die Vorwürfe abstreitet und Sie keine schriftlichen Beweise vorlegen können. Wenn Aussage gegen Aussage steht, gilt vor Gericht das Motto „Im Zweifel für den Angeklagten“.

In welchen Fällen die finanzierende Bank mithaftet

Beim Vertrieb von Anlageimmobilien ist oft auch das Finanzierungspaket gleich integriert. Daraus könnten Sie als Anleger nun folgern, dass bei betrügerischen Aktivitäten die Bank mit in die Haftung eintritt – aber so einfach ist es nicht.

Denn: Bei Bauherren- und Erwerbermodellen bestehen für die den Enderwerb finanzierende Bank nur eingeschränkte eigene Beratungs- und Aufklärungspflichten.

Sie als Anleger müssen sich grundsätzlich in Ihrem eigenen Interesse über die typischen und generellen Risiken der Immobilie informieren. Die Bank kann sich bei Abschluss des Darlehensvertrags darauf verlassen, dass der Anleger das Anlageobjekt hinsichtlich der Konzeption und der Wirtschaftlichkeit geprüft hat (BGH DB 2000, 1399).

Allerdings kann die Bank in bestimmten Fällen für Anlageverluste schadenersatzpflichtig gemacht werden. Dies kann bei folgenden Konstellationen der Fall sein:

  • Die Bank überschreitet ihre Rolle als Kreditgeber, indem sie beispielsweise mit dem Anleger ausdrücklich die Prüfung des Anlageangebots vereinbart hat.

  • Es besteht eine Interessenkollision, weil die Bank sowohl die Finanzierung des Anbieters als auch die von dessen Abnehmern übernimmt.

  • Es wird ein besonderer Gefährdungstatbestand geschaffen, indem die Bank durch besondere Konditionen den Vertrieb eines beim gleichen Institut überschuldeten Anbieters forciert.

  • Die Bank hat einen konkreten Wissensvorsprung, indem sie beispielsweise über die bevorstehende Zahlungsunfähigkeit des Anbieters informiert ist und dennoch die von ihm vertriebenen Anlagemodelle finanziert.

Ein neuer Aspekt bei der Haftung einer finanzierenden Bank ist das Widerrufsrecht bei Haustürgeschäften. Basis ist ein Urteil des Bundesgerichtshofs (Az. XI ZR 91/99) vom 9.4.2002. In dem Prozess verlangte ein Ehepaar von der finanzierenden Bank, das über einen Strukturvertrieb vermittelte Darlehen für eine überteuerte Anlageimmobilie rückgängig zu machen.

Begründung der Kläger: Der Abschluss des Kreditvertrags sei im Rahmen eines Haustürgeschäfts erfolgt, ohne dass die Anleger über ihre Widerrufsrechte aufgeklärt wurden.

Bislang waren Immobilienfinanzierungen vom Widerrufsrecht für Kreditverträge ausgenommen. Diese Praxis wurde jedoch vom Europäischen Gerichtshof für unzulässig erklärt – und in der Folge entschied der BGH, dass auch bei Immobilienfinanzierungen die Widerrufsmöglichkeit gilt, wenn der Kreditvertrag im Rahmen eines Haustürgeschäfts angebahnt oder abgeschlossen wurde. Hat es die Bank versäumt, den Kunden auf die Rücktrittsmöglichkeit hinzuweisen, gilt das Widerrufsrecht über die gesamte Laufzeit des Darlehensvertrags.

Interessant für Sie als Verbraucher ist hierbei die Möglichkeit, unter bestimmten Voraussetzungen bei einer Rückabwicklung des Kredits nicht die Kreditsumme, sondern praktisch als „Ersatz“ die damit finanzierte Anlageimmobilie zurückgeben zu können. Wenn Immobilie und Finanzierung gleichzeitig verkauft würden, liegt ein so genanntes „verbundenes Geschäft“ vor. Basis dafür ist ein BGH-Urteil aus dem Jahr 1996 (Az. XI ZR 197/95), in dem die Richter sinngemäß klarstellen:

Wenn ein Kauf- und Finanzierungsvertrag als „Paket“ verkauft wird, kann der Darlehensnehmer im Fall einer Rückabwicklung wählen, ob er dem Gläubiger die Kreditsumme zurückzahlt oder die damit finanzierte Sache – in diesem Beispiel eine Immobilie – überlässt.

Achtung: Ein wichtiger Knackpunkt liegt darin, dass nicht nur ein Haustürgeschäft, sondern auch die enge Verzahnung von Darlehensabschluss und Kaufvertrag nachgewiesen werden muss.

Wichtig: Hat der Käufer nach dem Erwerb die Finanzierung auf eigene Faust abgeschlossen, liegt kein verbundenes Geschäft vor. Für ein verbundenes Geschäft spricht hingegen die Tatsache, dass Kreditverträge von Strukturvertrieben gleich beim Verkauf der Immobilie mit abgeschlossen wurden.

Praxis-Tipp: Sollten Sie als geschädigter Anleger eine Immobilie im Rahmen eines Haustürgeschäfts erworben und finanziert haben, sollten Sie unbedingt prüfen, ob der Darlehensvertrag einen ausführlichen Hinweis auf das Widerrufsrecht in Haustürsituationen enthält. Falls nicht, eröffnet Ihnen das BGH-Urteil neue Chancen, indem Sie die finanzierende Bank mit in die Haftung für ein unseriöses Anlagemodell nehmen können.

Auf welche Arten der finanziellen Entschädigung Sie als Anleger hoffen können

Wenn Sie als Anleger in die Falle getappt sind, wollen Sie natürlich möglichst ohne größere Blessuren wieder herauskommen. Will heißen: Sie sind nicht nur an einem für Sie positiven Urteil interessiert, sondern vor allem auch an einem handfesten finanziellen Ausgleich für die entgangene Rendite.

Je nachdem, welcher der beteiligten Partner in welcher Höhe für Ihre Verluste verantwortlich gemacht werden kann, entscheiden Richter über unterschiedliche Formen des Schadenausgleichs.

Vor allem dann, wenn ein schweres Verschulden beim Anlageinitiator liegt, kann der Ausgleich in Form einer Rückabwicklung erfolgen. In diesem Fall werden Sie als Anleger so gestellt, als hätten Sie den Vertrag niemals abgeschlossen. Sämtliche Zahlungen – in beiden Richtungen – mitsamt Zinsen werden auf dem umgekehrten Weg den ursprünglichen Zahlern zurückgeführt.

Beispiel: Ein Gericht hat entschieden, dass ein von Ihnen erworbener Anteil an einem geschlossenen Immobilienfonds vom Initiator rückabgewickelt werden muss. Sie können dann verlangen, dass der Initiator Ihnen den Kaufpreis zurückerstattet und den Fondsanteil in seinen Eigenbestand einbucht. Dafür müssen Sie bereits erhaltene Ausschüttungen zurückerstatten.

Wichtig: Alle Zahlungen werden vom Zeitpunkt der ursprünglichen Leistung bis zur Rückabwicklung mit dem marktüblichen Kapitalmarktsatz verzinst.

Die andere Variante besteht darin, dass der Anleger seinen Anteil am geschlossenen Immobilienfonds oder die Immobilie behält und als Ausgleich für die erlittenen Wertverluste eine Zahlung vom Initiator, Vermittler oder der finanzierenden Bank erhält. Tritt die finanzierende Bank in die Haftung, kann dieser Ausgleich auch in Form einer Reduzierung des Darlehensbetrags erfolgen.

Wichtig: Wie hoch die Entschädigung ausfällt, hängt von Ihrer individuellen Anlagesituation ab. In aller Regel orientiert sich die Höhe des Schadenersatzes an der Differenz zwischen dem tatsächlichen Wert der Anlage und dem Kaufpreis, der von Ihnen verlangt wurde.

Achtung: Nicht immer können Sie davon ausgehen, die volle Differenz zwischen aktuellem Anlagewert und Kaufpreis verlangen zu können. So kann es Ihnen beispielsweise zugemutet werden, eine marktübliche Maklerprovision mitfinanziert zu haben. Auch Wertminderungen, die der Initiator oder Vermittler nicht vorhersehen konnte, bilden üblicherweise keine Grundlage für einen Anspruch auf Schadenersatz.

Welche Probleme bei einem Mitverschulden des Anlegers auftreten können

Auch wenn Sie auf mehr oder weniger unverschämte Weise über den Tisch gezogen worden sind: Nicht immer kommt das Gericht in Streitfällen zu dem Schluss, dass dem Anlagebetrüger die alleinige Schuld am Anlageflop anzulasten ist.

Als Anleger stehen Sie zwar unter dem Schutz der Prospekt- und Beraterhaftung – aber vor Ihrer Entscheidung müssen Sie nach den Ihnen gegebenen Möglichkeiten Ihre Immobilienanlage auf ihre Plausibilität hin überprüfen. Dabei geht es zunächst um die Frage: Welche Möglichkeiten können Ihnen hierbei unterstellt werden?

Ein wichtiger Faktor ist hierbei Ihre einschlägige Vorbildung in Sachen Geldanlage. So kann beispielsweise von einem Betriebswirt mehr Sachkenntnis erwartet werden als von einem technischen Zeichner. So bekam in einem einschlägigen Prozess eine Anlegerin einen Mitschuld-Anteil von 50 Prozent zugesprochen, weil sie als Diplom-Betriebswirtin hätte zumindest einen Teil der Anlagerisiken erkennen müssen.

Wichtig: Auch Ihre Erfahrung mit ähnlichen Investments spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle. Wer in regelmäßigen Abständen in Immobilien oder Fonds investiert, hat üblicherweise ein umfangreicheres Detailwissen als ein Neuling – auch diesen Gesichtspunkt beziehen Richter in ihre Entscheidung mit ein.

Dazu kommt unter Umständen die Frage, mit wie viel Sorgfalt Sie bei der Prüfung der Verkaufsunterlagen vorgegangen sind. Haben Sie beispielsweise ohne vorherige Besichtigung eine in Ihrer unmittelbaren Nähe befindliche, mit offensichtlichen und gravierenden Mängeln behaftete Wohnung erworben, kann sich diese Leichtfertigkeit in einem Schadenersatzprozess nachteilig für Sie auswirken.

Worauf Sie bei der Suche nach einem Rechtsanwalt achten sollten

Auf Grund der oft sehr komplexen Rechtslage ist es für Sie als geschädigter Anleger fast immer ratsam, zur Durchsetzung von Ansprüchen – egal ob auf dem Weg des Vergleichs oder bei einem Gerichtsprozess – die Hilfe eines kompetenten Rechtsanwalts in Anspruch zu nehmen. Dabei gibt es jedoch ein gravierendes Problem: Fachleute für Kapitalanlagerecht stehen nicht einfach im Branchentelefonbuch.

Achtung: Zwar führen viele Kanzleien oder Anwälte die Bezeichnung „Kanzlei für Kapitalanlagerecht“ – aber hierbei handelt es sich nicht um Fachanwälte, die einen spezifischen Zusatzlehrgang mitsamt Prüfung absolvieren mussten! Die Bezeichnung stellt lediglich einen unverbindlichen Interessensschwerpunkt dar und kann auch von einem Anwalt ohne einschlägige Erfahrung aufs Firmenschild geschrieben werden.

Praxis-Tipp: Vor diesem Hintergrund besteht das einzig sinnvolle Kriterium bei der Anwaltssuche in der Frage nach Erfahrung und Erfolg. Hier sollten Sie sich vor der Erteilung eines Mandats darlegen lassen, wie viel Erfahrung der Anwalt mit ähnlich gelagerten Fällen hat und welche erfolgreichen Gerichtsurteile er nachweislich bereits erstreiten konnte.

Wie Sie unseriöse Anbieter erkennen und sich rechtzeitig vor ihnen schützen

Egal ob Sie schon schlechte Erfahrungen machen mussten oder nicht: Für die Zukunft sollten Sie auf jeden Fall den Anbieter und seine Produkte sorgfältig prüfen, um bei unseriösen Offerten rechtzeitig „Nein“ sagen zu können. Klar: Ein gewisses Verlustrisiko besteht bei allen Formen der Geldanlage – aber dieses können Sie mit der kritischen Vorab-Prüfung zumindest deutlich reduzieren.

So hat ein seriöser Anbieter nicht nur langjährige Erfahrung, sondern liefert fundiertes Zahlenmaterial und legt die Vertragsverhältnisse zu Mietern und Leasingnehmern lückenlos offen. Er weist klar und verständlich auf die Risiken hin und stellt mehrere Renditeszenarien auf, bei denen sowohl günstige als auch ungünstige Entwicklungen berücksichtigt werden.

Praxis-Tipp: Fordern Sie vor der Anlageentscheidung alle verfügbaren Zahlen über die bislang realisierten Projekte an. Der Vergleich von Planzahlen und tatsächlicher Entwicklung sagt viel über die Qualität des Anbieters aus. Und: Lassen Sie sich anschließend genügend Zeit, die Unterlagen zu prüfen.

Checkliste: So erkennen Sie „schwarze Schafe“

5 Punkte, an denen Sie unseriöse Anbieter erkennen:

  • Fehlerhafte Renditeprognosen im Prospekt

  • Keine Belege, ob in der Vergangenheit bei Vergleichsprojekten die Renditeerwartungen erfüllt werden konnten

  • Ausweichende Antworten auf Detailfragen nach Bürgschaften, Berechnungsgrundlagen und konkreten Erfolgen in der Vergangenheit

  • Drängen auf schnelle Entscheidung

  • Fehlende Hinweise auf die Risiken wie Mietrückgänge oder -ausfälle und nicht vorhandene Reserven für Instandhaltungsaufwendungen

5 Punkte, an denen Sie seriöse Anbieter erkennen:

  • Vorsichtige Renditeprognosen mit niedrigen Inflationserwartungen und Pufferzonen für Kreditzinserhöhungen, Instandhaltung und Leerstände

  • Umfangreiche Leistungsbilanz, die in einem Soll- Ist-Vergleich die Erwartungen der Vergangenheit den tatsächlichen Erträgen gegenüberstellt

  • Absicherung von Garantiemieten durch Bankbürgschaften

  • Miethöhe und -Garantie entsprechen dem ortsüblichen Niveau

  • Offene Auskünfte auf Detailfragen und Hinweis auf Anlagerisiken

Ein „Immobilien-Berater“-Beitrag von Thomas Hammer, Betriebswirt und freier Wirtschaftsjournalist in Ötisheim. Er arbeitet für Zeitungen, Zeitschriften und Buchverlage und hat bereits mehrere erfolgreiche Ratgeber zu Finanzierungs- und Immobilienthemen verfasst.

28. Juni 2002

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.