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So sparen Konzerne in den Niederlanden Milliarden

Die Niederlande sind wohl das größte Steuervermeidungsparadies in Europa. Keine Steueroase zieht mehr deutsche Konzerne an. Denn dort erhalten internationale Unternehmen große Steuervorteile. Diese bestehen vor allem aus niedrigen Steuersätzen auf Lizenzgewinne und Zinsen.

Die Körperschaftsteuer liegt zwar bei 20 bis 25%, wird aber nur auf Gewinn und nicht auf geistiges Eigentum berechnet. Mehrere Tausend mitarbeiterlose Finanzfirmen hat die Zentralbank registriert, deren einziger Zweck es ist, die Steuerlast zu drücken.

Steuervorteile Niederlande: durch Vereinbarungen mit Steuerbehörden

Die meisten dieser Briefkastenfirmen sind in und um Amsterdam angesiedelt: Zum Beispiel Starbucks, Ikea oder Volkswagen. Viele internationale Großkonzerne sind vor Ort, nur wenige haben Mitarbeiter.

Mithilfe eines Heeres an Steuerberatern, Juristen und Bankern schieben die Unternehmen Gewinne, Kosten und Aktivitäten über Ländergrenzen hin und her. Über Tochterfirmen werden Patente, Markenrechte, Lizenzgebühren oder Darlehenszinsen in die Steueroasen verlagert. Der Gewinn, der am Ende versteuert werden muss, wird so immer kleiner.

Holdings und multinationale Konzerne haben zudem die Möglichkeit, mit der niederländischen Steuerbehörde Spezialverabredungen zu treffen, die der Geheimhaltung unterliegen.

Diese „aggressive Steuergestaltung“ hat nichts mit Steuerhinterziehung zu tun: Für die Unternehmen ist es ein legaler Weg. Manche Konzerne sollen weniger als ein Prozent Steuern auf die künstlich verlagerten Gewinne bezahlt haben.

Zum öffentlichen Thema wurde das Phänomen, als sich herumgesprochen hat, wie extensiv gerade bekannte Konzerne diese Steuervorteile nutzen. Amazon hat zuletzt so gut wie keine Steuern in Deutschland bezahlt, Starbucks keinen einzigen Cent.

Steueroptimierung am Beispiel von Starbucks

Insgesamt hat Starbucks in den Niederlanden 20 Filialen und seine europäische Zentrale. Aus gutem Grund: Sobald jemand in Europa eine Tasse Starbucks-Kaffee trinkt, muss die betreffende Filiale dafür Lizenzgebühren in Höhe von 6% des Umsatzes an die Zentrale in Amsterdam zahlen.

Dadurch kann die Filiale ihren Gewinn drosseln – und braucht weniger Steuern zu zahlen. Die Zentrale in Amsterdam wiederum muss für die eingenommenen ausländischen Lizenzgebühren nur ganz wenig und manchmal sogar gar nichts an den niederländischen Fiskus abführen.

Wie die Niederlande als Standort profitieren

Aufgrund von internationalen Verträgen und steuerlichen Sonderregelungen werden ausländische Konzerne in den Niederlanden bevorzugt behandelt und brauchen weitaus weniger Abgaben und Steuern zu zahlen als heimische Firmen.

Jeder Unternehmer, der sich für den Standort Holland entscheidet, kann mit dem Finanzamt für eine individuelle Regelung einen Termin ausmachen – vorausgesetzt, es handelt sich um einen multinationalen Konzern.

Insgesamt machen 12.000 ausländische Firmen von den besonderen fiskalischen Regelungen Gebrauch, darunter 800 deutsche. Davon haben zwar 85% keine Mitarbeiter, jedoch sparen sie jedes Jahr 30 Mrd. € an Steuern.

Die restlichen 15% allerdings sorgen in den Niederlanden immerhin noch für gut 13.000 direkte und indirekte Arbeitsplätze. Und alle Unternehmen zusammen für Einnahmen von rund 3 Mrd. € pro Jahr.

Vielen EU-Ländern ist dies zunehmend ein Dorn im Auge

Den anderen EU-Ländern allerdings sind die steuerlichen Privilegien, die Den Haag ausländischen Konzernen einräumt, zunehmend ein Dorn im Auge. Deshalb ist offen, ob die lukrativen Steuerbedingungen von Dauer sind. Im niederländischen Parlament hat sich inzwischen eine Mehrheit dafür ausgesprochen, reine Briefkastenfirmen zu verbieten.

Die Sonderregelungen selbst abzuschaffen, dafür gibt es derzeit aber keine Mehrheit, mit dem Argument, dass die Konzerne dann auf andere Länder ausweichen würden, die ebenfalls mit Sonderregelungen locken. Wirklich gelöst werden kann das Problem nur auf internationaler Ebene. So entgehen auch dem deutschen Fiskus vorerst weiterhin Milliarden an Steuereinnahmen.

Sollte die bestehende Steuerpraxis in den Niederlanden tatsächlich geändert werden und die betroffenen Unternehmen, wie zum Beispiel Starbucks, in Zukunft mehr Steuern zahlen müssen, kann dies durchaus Auswirkungen auf den jeweiligen Aktienkurs und die Höhe der Dividende haben.

29. Oktober 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Dr. Jürgen Nawatzki
Von: Dr. Jürgen Nawatzki. Über den Autor

Nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre war Dr. Jürgen Nawatzki u. a. als Finanzberater tätig und hat individuelle Lösungen zur Vorsorge, Immobilienfinanzierung und zum Kapitalaufbau für Privatkunden entwickelt. Als Autor möchte er seinen Lesern Informationen und Hintergrundwissen zu Wirtschafts- und Finanzthemen liefern.