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So steht es heute um die BRIC-Staaten

Lange galten Schwellenländerfonds als Hoffnungsträger für Anleger. Gerade ETFs auf die sogenannten BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China wurden als gewinnträchtige Beimischung im Depot empfohlen und reihenweise aufgelegt.

Das Potenzial schien auf der Hand zu liegen. China machte vor, mit welcher Dynamik sich Volkswirtschaften mit Nachholbedarf entwickeln können.

Die aktuelle Wirtschaft der BRIC-Staaten macht wenig Freude

Doch die aktuelle Wirtschaft der BRIC-Staaten passt nicht mehr zum alten Schwung, der vor rund 20 Jahren eingesetzt hatte.

Brasilien kämpft mit Korruption, Russland mit Rezession und China tritt auf der Stelle. Vielfach haben sich die Länder zu lange auf hohen Rohstoffpreisen ausgeruht und dringende Strukturprobleme nicht angepackt – das rächt sich nun. Einzig Indien bietet Lichtblicke.

Indien als Hoffnungskandidat

Im Gegensatz zu den anderen BRIC-Kandidaten hat die wirtschaftliche Dynamik Indiens weiter zugenommen. Das Wirtschaftswachstum betrug im 3. Quartal 2015 7,4%. Wachstum und Wohlstand verdankt das Land vor allem dem Dienstleistungssektor, der gut 60% der Wirtschaftsleistung ausmacht. Gestiegen sind auch die Auslandsinvestitionen, ebenso der Außenhandel sowie die Exporte.

Indien präsentiert sich vergleichsweise stabil. Eine Reihe von Reformen wurde auf den Weg gebracht, die Wirtschaft privatisiert und für Investoren geöffnet. Die Inflation ist von zuvor hohen Werten deutlich auf 6% gesunken, ebenso die Verschuldung. Das große Problem sind die enormen Defizite in der Infrastruktur sowie die verbreitete Armut. Indien wächst am schnellsten.

China ist mitten im Umbau

China als Nummer eins unter den BRIC-Ländern erlebte einen erheblichen Dämpfer. Deutlich zeigte das der Absturz an den Börsen im Sommer 2015. Der Export ist längst abgeflaut und muss durch den Binnenkonsum ausgeglichen werden. Doch die einst ausgabefreudigen Verbraucher sparen, Immobilien stehen leer und die Preise fallen. Die Immobilien- sowie die Kreditblase lassen kräftig Luft ab. Nun zeigen sich auch die strukturellen Schwächen.

Das erneut abgeflachte Wirtschaftswachstum dürfte dieses Jahr vermutlich nicht einmal das erklärte Ziel von 7% erreichen. Hinzu kommt das Problem einer alternden Gesellschaft. Erst kürzlich hat sich die Regierung von der Ein-Kind-Politik verabschiedet.

Brasilien kämpft mit Rezession und Korruption

Das größte Land in Südamerika, Brasilien, steckt in der Rezession. Die enormen Potenziale ersticken in einer verfehlten Wirtschaftpolitik, die auf einen hohen Staatsanteil setzt und in der Korruption. Der Skandal um den staatlichen Ölmulti Petrobras ist nur ein Beispiel. Was fehlt, sind dringend nötige Reformen. Auch kommt der Ausbau der Infrastruktur kaum voran.

Brasilien ist hoch verschuldet und bangt um seine Kreditwürdigkeit. Die Inflation hat die Marke von 9% erreicht. Die Wirtschaft schrumpft 2015 um vermutlich 3%. Vor 5 Jahren gab es noch ein Plus von 7,5%. Zu lange hat sich Brasilien auf seine Rohstoffe verlassen und interne Probleme nicht angepackt.

Rohstoffriese Russland rutscht ab

Der Rohstoffriese Russland leidet unter billigen Ölpreisen, den Wirtschaftssanktionen seit der Ukraine-Krise und einer hohen Inflation. Ebenso lahmt der Binnenkonsum. Jetzt wirken die altbekannten Strukturschwächen des Landes mit seiner übergewichtigen Ausrichtung auf Rohstoffe und Rüstung. Was fehlt ist eine starke private Wirtschaft. Die Inflation liegt über 15%. Der IWF rechnet mit einem Rückgang der aktuellen Wirtschaftsleistung um 3,4%.

BRIC-Investments mit Verlusten

Insgesamt wird die aktuelle Wirtschaft der BRIC-Staaten zudem durch den wieder erstarkten Dollar negativ beeinflusst. Nicht zuletzt die jüngste Zinsanhebung in den USA hat den Druck erhöht – es fließt Kapital ab. Natürlich werden die Notenbanken versuchen gegenzusteuern. Doch wenn sie die Zinsen anheben, bremst das die Exporte und die Konjunktur.

Und wegen der abgeflauten Konjunktur braucht etwa China deutlich weniger Öl aus Russland oder Brasilien. Der Ölpreis ist für diese Länder die Ölpreise ohnehin ruinös. Damit setzt sich eine ungute Negativspirale fort. Außer in Indien dürfte damit die Verschuldung weiter steigen.

Ob im Abwärtssog notwendige Reformen angepackt werden, bleibt abzuwarten. Der Ausbau der Infrastruktur dürfte vermutlich auf der Stecke bleiben. China allerdings hat mit seinen hohen Geldreserven gute Chancen, die Krise zu meisten. Auf ausländisches Kapital ist es kaum angewiesen.

Und die Fonds? Beispielsweise der ETF von iShares BRIC 50 etwa hat in den letzten 5 Jahren seinen Anlegern ein Minus 24,62% gebracht. Die Investoren ziehen vermehrt Kapital ab, etliche BRIC-Fonds wurden bereits geschlossen – weitere könnten folgen.

14. Dezember 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.