MenüMenü

Gratis Studie zum kostenlosen Download:
Neu: 3 Topaktien für das Jahr 2017 . . . Download hier ➜

S&P Rating: Eine Ratingagentur unter der Lupe

Spätestens seit der Finanzkrise sind Ratingagenturen in aller Munde – allen voran die größten 3 Agenturen Standard and Poor’s (S&P), Moody’s und Fitch Ratings. Denn genau diese Agenturen sind es, die scheinbar über das Schicksal vieler Staaten entscheiden. So bewerten die Ratingagenturen die Bonität von Anleihen, die von Unternehmen, Banken, aber auch von Staaten herausgegeben werden.

Da viele Anleger sehr wahrscheinlich auch in mindestens eine dieser Anleihen investieren, sollten sie wissen, wie die Ratingagenturen genau vorgehen und bewerten – am Beispiel der größten Ratingagentur Standard and Poor’s. Denn die Finanzkrise hat vor allem eines verdeutlicht: Die Ratings haben eine immense Bedeutung für den gesamten Finanzmarkt.

Ratingagenturen – Bewertung weiterentwickelt

Bereits im 19. Jahrhundert wurden die ersten Ratingagenturen gegründet, damals zur Bewertung der US-Eisenbahngesellschaften. Mittlerweile haben sich die Agenturen weiterentwickelt und bewerten die Wahrscheinlichkeit, dass potentielle Kreditnehmer, wie etwa Wirtschaftsunternehmen, ihre Schulden tilgen können.

Allerdings handelt es sich auch bei den Ratingagenturen selbst um private Unternehmen, die gewinnorientiert arbeiten. Das bedeutet, dass sie sich ihre Bewertungen von den Kreditgebern bezahlen lassen, die sie beauftragen.

Kreditnehmer dagegen sind nicht nur Unternehmen, sondern auch Banken und Staaten – denn letztere müssen sich schließlich auch Geld leihen, im Rahmen sogenannter Staatsanleihen.

Ist ein Land zahlungsfähig, hat es in der Regel nichts zu befürchten und wird gut bewertet. Anders sieht es jedoch aus, wenn das Land verschuldet ist und seinen Zahlungsverpflichtungen daher in nächster Zeit nicht vollständig nachkommen kann. In diesem Fall wird es von den Ratingagenturen schlechter eingestuft und muss deshalb höhere Zinsen für Kredite bezahlen.

Besonders die 3 größten Agenturen, nämlich Moody’s, Fitch Ratings und Standard & Poor’s, sind im Rahmen der Finanzkrise in Verruf geraten. Von diesen sogenannten „Großen Drei“ ist die Standard and Poor‘s Corporation die größte und daher dominierende Agentur.

Standard and Poor’s als Begründer des S&P 500

1941 ging aus den beiden Unternehmen H.V. & H.W. Poor Corporation und Standard Statistics Bureau eine der mittlerweile bekanntesten Ratingagenturen hervor: Die Standard and Poor’s Corporation (kurz S&P). Sie ist ihrerseits nicht nur kombiniertes Unternehmen, sondern auch die Tochtergesellschaft der McGraw-Hill Companies, einem US-amerikanischen Medienunternehmen.

Die McGraw-Hill Companies sind neben vielen weiteren Unternehmen auch im eigenen Index von Standard and Poor’s gelistet, dem sogenannten S&P 500. Dieser Index beinhaltet die Aktien der 500 US-amerikanischen Unternehmen, die mit der höchsten Marktkapitalisierung an der Börse gelistet sind – und dementsprechend die größten und wichtigsten Unternehmen Amerikas.

Neben dem S&P 500 veröffentlicht Standard and Poor’s noch viele weitere Aktien- und Rohstoffindizes, wie zum Beispiel S&P 100, S&P Africa 40 Index oder den S&P Tiefsee Öl & Gas Index.

S&P Rating: Die Nummer 1 der „Großen Drei“ und ihr Bewertungsschema

Im Vordergrund des Unternehmens stehen jedoch die Ratings vieler Wirtschaftsunternehmen, Banken und Staaten. Dabei vergibt S&P Noten für Anleihen von „AAA“ (für zuverlässige und stabile Schuldner mit höchster Qualität) bis „D“ (für Schuldner in Zahlungsverzug) und drückt so aus, mit welcher Wahrscheinlichkeit die Schuldner ihre Schulden tilgen werden.

Wurden die Anleihen nicht bewertet, sind sie mit einem „NR“ (für engl. „non rated“ = nicht bewertet) versehen. Allerdings verwendet das Unternehmen jeweils pro Buchstabe 3 Stufen, also neben der Bewertung „AAA“ auch die etwas schlechteren Einstufungen „AA“ (für gute Schuldner mit etwas höherem Risiko) und „A“ (für noch risikoreichere Schuldner) sowie die Zusätze „+“ und „–“.

Zwischen „CCC“ und „D“ gibt es außerdem Noten, die die genaue Situation der Schuldner weiter beschreiben – so zum Beispiel „CI“ für ausstehende Zinszahlungen. Werden Anleihen potentieller Kreditnehmer von „AAA“ bis „BBB“ bewertet (engl. „graded“), gilt das Investment in diese Unternehmen, Banken und Staaten laut S&P als geeignet („Investment Grade“).

Anders sieht es bereits bei einer Notenvergabe von „BB“ aus (für Schuldner, deren Bonität sehr abhängig von der wirtschaftlichen Gesamtlage ist): In diesen Fällen vergibt S&P eine „Non-Investment Grade“ und stuft die Anleihen als sogenannte „Junk-Bonds“ ein, wodurch sich die Zinssätze der Anleihen verteuern.

Allerdings sind die Ratings von S&P, aber auch von Moody’s und Fitch Ratings, zum Teil auch unvollständige Einschätzungen, weil den Agenturen oftmals nicht alle aktuellen Informationen vorliegen.

Viele Marktteilnehmer orientieren sich jedoch an den Bewertungen, so dass schlechtere Einstufungen von Staatsanleihen den Erholungsprozess von Krisenländern erheblich verlangsamen können. Dieser enorme Einfluss, der den Ratingagenturen zukommt, wurde und wird daher besonders im Rahmen der Finanzkrise stark kritisiert.

22. Oktober 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.