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Squeeze-Out-Preis zu niedrig? AXA-Aktionäre könnten saftigen Nachschlag erhalten

Wir durchleuchten für Sie nicht nur die spannendsten Übernahmen rund um den Globus, sondern liefern auch regelmäßig Hintergrund-Wissen rund um das Übernahme-Geschäft.

Hier möchten wir Ihnen einen Einblick in spätere Übernahme-Phasen geben.

Viele Leser denken, dass der Übernahme-Prozess nach Abgabe einer Offerte beendet ist. Das stimmt aber nicht. Das Erstgebot bringt den Stein erst ins Rollen.

Bis das Unternehmen endgültig von der Bildfläche verschwunden ist, vergehen häufig Jahre.

Denn nach dem Erstangebot erhält der Großaktionär zwar einen Großteil der Aktien – aber eben nicht alle.

Und wer seine Aktien bei dem Erstgebot nicht abgegeben hat, bleibt auch weiterhin Aktionär mit allen Rechten. Erst beim „Squeeze Out“ endet die Investition endgültig.

Gründe, warum der Großaktionär das Unternehmen komplett übernehmen will

Eigentlich kann man annehmen, dass ein Aktionär, der mehr als 50% der Aktien im Zuge einer Übernahme-Offerte angedient bekommt, mit seinem Anteil zufrieden ist.

Schließlich würde der Großaktionär ja über die Stimmen-Mehrheit auf der Hauptversammlung verfügen und viele Beschlüsse mit den eigenen Stimmen durchdrücken.

Doch das ist nicht so; in den meisten Fällen will der Großaktionär mehr, um noch größere Freiheit zu haben. So reichen z. B. 50% nicht aus, um das Unternehmen mit dem eigenen Konzern zu verschmelzen oder eine Kapitalerhöhung durchzuführen.

Mittelfristig stockt der Großaktionär häufig soweit auf, bis er 95% der Anteile hält. Dann kann er den sogenannten Squeeze Out durchführen. Squeeze Out ist englisch und die deutsche Übersetzung lautet: „ausquetschen“.


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Ein Großaktionär, der 95% der Anteile hält, kann die verbliebenen Minderheits-Aktionäre aus dem Unternehmen herausdrängen, um sich die Kosten für die Börsen-Notiz, die Hauptversammlungen, die laufenden Geschäftsberichte und für Ad-hoc-Meldungen zu sparen.

Der Käufer kann dann das Unternehmen auch vollständig integrieren und hat freie Hand, ohne Rechenschaft abzulegen und die verbliebenen Aktionäre am Geschäftserfolg zu beteiligen.

Aktionäre von Squeeze Out-Kandidaten erhalten häufig einen Nachschlag

Doch auch für die verbliebenen Aktionäre ist der Squeeze Out interessant. Denn der Käufer des betreffenden Unternehmens darf Sie nicht ohne finanzielle Entschädigung herausdrängen.

Zwar hat er das Recht, Ihnen gegen Ihren Willen Aktien abzukaufen, aber er muss Ihnen dafür eine satte Abfindung zahlen.

In einem 1. Schritt erhalten Sie zumindest den 3-Monats-Durchschnittskurs des Übernahme-Kandidaten. Danach kann es nur mehr werden. 30% Aufschlag auf den Squeeze-Out-Preis sind keine Seltenheit.

Das Besondere: Sie erhalten den Nachschlag, ohne, dass Ihr Kapital gebunden ist. Denn den bei Einleitung des Squeeze Outs festgesetzten Preis erhalten Sie mit der Eintragung des Beschlusses. Squeeze Out als Anlage-Strategie ist daher höchst interessant.

Squeeze-Out-Beispiel: Herausgedrängte AXA-Aktionäre könnten 77% Nachschlag bekommen

Die Vorstellungen über den fairen Abfindungspreis gehen weit auseinander. Das Gesetz spricht von einer „angemessenen“ Abfindung, die je nach Sichtweise (Großaktionär/Minderheits-Aktionär) höchst unterschiedlich ist.

Das zeigte sich z. B. beim Versicherungs-Konzern AXA. Im Zuge des Squeeze Outs erhielten die verbliebenen (Stamm-)Aktionäre damals 134,54 €.

Einige Minderheits-Aktionäre legten gegen den Preis jedoch Protest ein.

Das ist üblich und wenn es aufgrund des Protests zu einer Nachzahlung kommt, erhalten alle herausgedrängten Aktionäre das Geld.

Bei der AXA stellte der gerichtlich bestellte Sachverständige jetzt fest, dass der vom Großaktionär gezahlte Abfindungspreis viel zu niedrig war.

Auf Basis seines Gutachtens sollen die ehemaligen AXA-Aktionäre eine Nachzahlung von 103,20 € erhalten.

Das sind fast 77% Nachzahlung, ohne dass man als ehemaliger Aktionär noch irgendwie investiert wäre. Folgt das Gericht dem Gutachten, dürften viele Aktionäre vom plötzlichen Geldregen überrascht sein.

Bei Übernahmen frühzeitig auf einen Squeeze Out spekulieren

Der Squeeze Out kann sehr attraktiv sein. Kommt es nicht zu einer Nachzahlung, hat man als ehemaliger Aktionär offenbar den fairen Preis schon erhalten. Wurde zu wenig überwiesen, kommt eine attraktive Nachzahlung.

Mit der Spekulation auf Squeeze-Out-Kandidaten sollten Sie jedoch nicht erst beginnen, wenn der Großaktionär bereits 95% der Aktien besitzt.

Es lohnt sich, schon vor der letzten Übernahme-Runde in die Aktie zu investieren. Die Jagd auf eine lukrative Abfindungsprämie beginnt schon mit der Identifizierung der richtigen Übernahme-Kandidaten.

Wenn der Großaktionär die 75%-Schwelle erreicht hat, schließt er häufig mit dem Squeeze-Out-Kandidaten einen sogenannten Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag ab. Spätestens dann sollten Sie Aktien des betreffenden Übernahme-Kandidaten besitzen.

Ab diesem Moment verringert sich dann meist auch Ihr Investitions-Risiko enorm. Denn der Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag ermöglicht es Ihnen, die Aktie zu einem festgelegten Preis an den Großaktionär abzugeben – manchmal sogar über Jahre.

Dadurch haben Sie als Aktionär eine Kurs-Untergrenze, unter die der Aktienkurs nicht fällt.

Zugleich bekommen Sie jährlich eine garantierte, vertraglich festgeschriebene Dividende. 5% Dividendenrendite und mehr sind bei deutschen Squeeze-Out-Kandidaten keine Seltenheit.

12. Juli 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.