Krisenzeiten in der Eurozone: dies müsste auch ein Zinsfestival sein.
Aber: Die Daten zeigen, dass diese Annahme falsch ist. Die Zinsen sind niedrig.
Wohl deshalb haben auch viele private Investoren ganz auf die Karte "Griechenland" gesetzt. Mehr als 30% Rendite schienen mit den Anleihen aus Athen möglich. voraussetzung: die Schuldner würden zahlen.
Die aktuellen Debatten um den Schuldenschnitt zeigt jedoch, dass Investoren hier die Rechnung ohne den Wirt gemacht haben. Der Schuldenschnitt - also das Streichen der Rückzahlungsbeträge - wird nicht nur Banken betreffen, sondern auch Einzelinvestoren: so unsere Prognose.
3,1% Rendite
Wer auf solide Schuldner setzt, wird derzeit kaum mehr als 2% oder 3% Rendite mit Staatsanleihen schaffen. Als solider Schuldner in diesem Sinne gilt derzeit an den Märkten noch Frankreich.
Wenn Sie eine französische Staatsanleihe mit der Laufzeit von etwa zehn Jahren kaufen, erhalten Sie aktuell Renditen von 3% bis 3,1%. Voraussetzung dafür bleibt, dass die Anleihe am Laufzeitende tatsächlich zurück gezahlt wird.
Denn: "Rendite" umfasst nicht die Zinszahlungen, sondern auch die Rückzahlung sowie den Einstiegskurs, den Sie an den Märkten zahlen. Konkret:
Wer 98% für eine Anleihe zahlt und 100% zurückerhält, wird über die Laufzeit hinweg noch 2% zusätzlich verdienen und umgekehrt.
Laufzeit ist entscheidend
Das aber bedeutet, dass auch die Laufzeit für Sie wichtig ist. Je länger die Laufzeit, desto unsicherer wird die Rückzahlung.
Dies gilt auch für die genannte Anleihe aus Frankreich. Mit der Rendite von 3,1% erzielen Sie höhere Gewinne als mit vergleichbaren Staatsanleihen aus Deutschland, die 1,9% Rendite bringen. Aus gutem Grund:
- Deutschland gilt als weitaus zahlungskräftiger als Frankreich.
- Die Rating-Agenturen bestätigen diese Einschätzung, indem etwa Frankreich kürzlich um eine Note schlechter beurteilt wurde.
- Achtung: in zehn Jahren kann die Welt noch deutlich düsterer aussehen. Entwickelt sich die Finanzierungskraft im Euroraum so schlecht wie aktuell sichtbar, werden auch Staatsanleihen unsicherer.
- Sowohl für die deutschen Anleihen wie für französische müssen Sie daher während der Laufzeit deutlich schlechtere Kurse an den Börsen als aktuell kalkulieren.
- Das bedeutet: während der Laufzeit würde der Verkauf der Titel Ihnen mutmaßlich einen Verlust bescheren. Wer auf Liquidität angewiesen ist, wird daher mit Frankreich- oder Deutschland-Anleihen bei Laufzeiten von zehn Jahren schlecht fahren.
GeVestor meint: Vorsicht vor derart lang laufenden Anleihen. Frankreich bringt immerhin 1,2%-Punkte mehr als Deutschland. Das Risiko jedoch ist hoch. Vor allem:
Die Inflationsgefahr an den Märkten ist damit noch nicht abgegolten. Steigt die Inflation aufgrund der Geldflut durch die Europäische Zentralbank, reichen auch 3,1% Rendite bei weitem nicht aus.
Investieren Sie daher möglichst kürzerfristig. Dies gilt auch für Staatsanleihen. Diese sollten maximal zwei bis drei Jahre laufen, auch wenn der Zins geringer ist.


