von Rolf Morrien

Staatsbankrott: Der IWF zeigt den USA die gelbe (Schulden-)Karte

Rolf Morrien berichtet täglich über die wichtigsten Nachrichten Vor- und Nachbörsenschluss.

Am letzten Handelstag der Woche konnten die Aktienmärkte noch einmal deutlich zulegen. DAX und EuroStoxx gewannen jeweils rund 1%. Ausschlaggebend war ein Kurssprung am Nachmittag. Auslöser war der aktuelle Arbeitsmarktbericht aus den USA. Die Meldung: Die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft fiel um 54.000.
Die Arbeitslosenquote bleibt bei rund 9,5% (die inoffizielle Quote liegt bei über 15%). Diese Daten reichten, um die Aktienkurse weltweit nach oben zu treiben. Der Grund: Die erwarteten Zahlen waren noch viel schlechter. Die Analysten hatten ein Stellen-Minus von 120.000 erwartet. Und bereinigt um Sondereffekte sehen die heutigen Zahlen sogar halbwegs in Ordnung aus. Bereinigt gab es 67.000 neue Stellen; es waren aber nur 44.000 erwartet worden.

IWF-Studie verfehlt das Ziel

Die Reaktion an den Aktienmärkten zeigt, wie niedrig die Erwartungshaltung ist, wenn es um die US-Wirtschaft geht. An der Börse wird schon gefeiert, wenn die offizielle Arbeitslosenquote in den USA bei knapp 10% verharrt und nicht weiter steigt.

Da die Angst vor einem neuen Konjunktur-Crash und einer Serie von Staatsbankrotten so groß ist, versucht der Internationale Währungsfonds (IWF) die Lage zu entspannen. Doch wenn man den neuesten IWF-Bericht genau liest, bleibt nur ein Gänsehautgefühl.

Die gute Nachricht: Das Fazit der IWF-Studie lautet, dass die Angst vor Staatspleiten übertrieben ist. Die schlechte Nachricht: Die IWF beschreibt die Krisen sehr genau und daher kommt das positive Fazit etwas überraschend. Wer das Fazit der Studie nicht liest, hat nach der Lektüre der Studie mehr Angst als vorher.

Die ersten Länder sind bereits handlungsunfähig

Ein besonders schöner Satz aus der IWF-Studie lautet: „Da sich das Verhalten ändern kann, ist ein geringer oder gar kein Spielraum eines Landes in seiner Fiskalpolitik keine Vorhersage dafür, dass die öffentliche Verschuldung explodieren wird oder die Regierung pleitegeht.“

Diesen Satz muss man erst einmal in Ruhe sacken lassen. Übersetzt bedeutet das: Einige Länder sind bereits finanziell handlungsunfähig. Da aber ein radikaler Sinneswandel der Politiker möglich ist und jedes Land theoretisch „Sparweltmeister“ werden kann, muss es nicht zwangsläufig zum Staatsbankrott kommen. Ein echter Mutmacher sieht anders aus.

Die 90%-Grenze rückt immer näher

Der Internationale Währungsfonds nennt das Kind auch beim Namen: Wenn ein Land einen Schuldenstand von über 90% des BIP (der Wirtschaftsleistung eines Jahres) besitzt, wird es eng. Dann kann eine Kettenreaktion einsetzen, die niemand mehr stoppen kann (damit stützt sich der IWF auf die empirischen Daten von Kenneth Rogoff).

Der fröhliche IWF-Kommentar: Bis zum Jahr 2015 werden viele Industriestaaten die Marke von 90% übertreffen. Selbst ein jetzt noch solider Schuldner wie Deutschland wird die Schulden Richtung 90% erhöhen müssen. Man kann sich vorstellen, welche Werte die weniger soliden Staaten dann aufweisen.

USA in einer Risikoklasse mit Island und Irland

Der IWF nennt auch ganz offen die größten Risiko-Staaten. Sehr stark gefährdet sind: Griechenland, Italien, Portugal und Japan. Fast noch gefährlicher ist aber die zweite Risiko-Klasse, in der einige sehr prominente Namen zu finden sind: die USA, Großbritannien, Spanien, Irland und Island.

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Die USA weisen laut Währungsfonds das gleiche Risiko-Profil auf wie Island oder Irland. Dann kann man sich in etwa vorstellen, wie dramatisch die Lage ist. In der Sportlersprache würde man sagen: Der IWF zeigt den USA die gelbe Karte.

Da ich nicht nur die negativen Punkte der Studie nennen möchte, hier noch die Liste mit den Musterschülern, die als solide Staaten gelten: Australien, Dänemark, Südkorea, Neuseeland und Norwegen (wobei mir in dieser Liste Norwegen am besten gefällt).

Inflation oder Staatsbankrott: Schlecht für Staatsanleihen

Fazit: Wenn uns der Internationale Währungsfonds eine Beruhigungspille verabreichen wollte, ist dieser Plan grandios gescheitert. Der IWF bestätigt, dass einige Staaten faktisch handlungsunfähig sind. Jede Zinswende nach oben kann das endgültige KO bedeuten. Daher wird die Null-Zins-Politik fortgesetzt werden müssen. Dann erreicht uns aber der KO-Schlag irgendwann von der Währungsseite.

Egal, ob Staatsbankrott oder Inflation: Meiden Sie langlaufende Staatsanleihen mit Mini-Renditen!   

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Autor:

Rolf Morrien

Rolf Morrien spricht auch unangenehme Wahrheiten aus, findet jedoch immer die passende Antwort, egal in welcher Börsenphase. Lesen Sie seinen Newsletter gratis: Morrien's Schlussgong