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Staatsverschuldung USA: historisch und aktuell

Die US-Staatsschuldenquote beträgt satte 112%. Ein Blick in den Rest der Welt zeigt aber auch, dass die USA damit noch lange nicht Spitzenreiter sind. Die Folgen der hohen Verschuldung sind mitunter weitreichend – und müssen nicht zwangsläufig nur die Amerikaner selbst betreffen. Auch ausländische Anleger sollten einen aufmerksamen Blick auf die Entwicklung in den USA haben, um mögliche negative Folgen frühzeitig zu erkennen.

Im Oktober 2013 kam es in den USA zum großen Shutdown. Hunderttausende Staatsbedienstete mussten unbezahlten Urlaub nehmen oder zunächst ohne Bezahlung arbeiten gehen. Der Grund für diesen Shutdown ist in der Staatsverschuldung der USA zu finden: es wurde die Schuldenobergrenze erreicht und es war der Regierung zunächst nicht möglich, neue Schulden zu machen.

Dadurch war es nicht möglich, die nötigen finanziellen Mittel bereitzustellen, um die Staatsbediensteten weiterhin zu bezahlen. Der Ausweg: entweder eine neue Schuldenobergrenze oder aber eine sinkende Staatsverschuldung. Letzteres schien in diesem Zusammenhang kaum möglich, wie ein Blick auf die Geschichte der Staatsverschuldung der USA verrät.

Die Staatsverschuldung der USA – ein Rückblick

Im Rückblick lässt sich feststellen, dass die Staatsschulden der USA häufig durch Kriege stark angewachsen sind. Doch auch Infrastrukturmaßnahmen und erste Sozialreformen trugen zu wachsenden Schulden bei. Der Zweite Weltkrieg kam die USA auch finanziell richtig teuer zu stehen: lag die Staatsverschuldung 1933 noch bei rund 20 Mrd. US-$, stieg sie bis 1950 auf 260 Mrd. US-$ an.

Lange Zeit danach erhöhten sich die Schulden jedoch nur wenig bzw. vor allem parallel zur Inflation. So wuchsen zwar die Zahlen an, der reale Wert hingegen blieb in etwa gleich bzw. stieg nur langsam. Anfang der 1990er Jahre lag die Staatsverschuldung somit bei rund 5,4 Billionen US-$, im Jahr 2000 bei rund 6,4 Bil. US-$.

Seit der Jahrtausendwende gab es eine Vielzahl von Ereignissen, die die Staatsverschuldung der USA weiter nach oben trieben. Militärische Einsätze im Irak und in Afghanistan, Reformen im Gesundheitswesen sowie Mindereinnahmen durch die Finanzkrise ab 2007 und Ausgaben zur Stützung der Wirtschaft in diesem Zusammenhang trieben die Zahlen nach oben. Im Herbst 2013 wurde die gültige Schuldenobergrenze von 16,7 Billionen US-$ erreicht.

Staatsverschuldung der USA im internationalen Vergleich

Im internationalen Vergleich finden sich jedoch rasch Länder, die höher verschuldet sind – zumindest gemessen an der sogenannten Staatsschuldenquote. Diese Quote setzt die Schulden eines Landes mit dem Bruttoinlandsprodukt ins Verhältnis. Hat ein Land beispielsweise eine Staatsschuldenquote von 100%, so bedeutet dies: das komplette BIP eines Jahres müsste verwendet werden, um alle Schulden zu begleichen.

Und hierbei stellt man fest: die USA liegen 2013 auf Platz 11 dieser Rangliste, welche von Japan – wegen der anhaltenden wirtschaftlichen Probleme und der Deflation – angeführt wird. Zum Vergleich: Japans Staatsschulden betrugen 2013 245% des BIP. In den USA lag dieser Wert bei 112%.

Griechenland lag bei der Staatsverschuldung bei einem Wert von 182% (Rang 2) und auch andere europäische Länder lagen noch vor den USA: Italien belegte Rang 6 mit 128%, Portugal Rang 7 mit 124% und Irland Platz 9 mit 119%. Deutschland belegte mit 82% den 26. Rang in der Liste der Länder mit der höchsten Staatsschuldenquote.

Dies ist freilich keine Entwarnung oder soll die Schulden der USA verharmlosen, verdeutlicht aber, dass andere Staaten nicht besser dastehen. Die USA sind jedoch wirtschaftlich und politisch von derart großer Bedeutung, dass die US-Staatsschulden eine sehr große Aufmerksamkeit erhalten.

Die Folgen für Anleger

Privatanleger sollten die Verschuldung der USA nicht zu sehr auf die leichte Schulter nehmen, auch wenn die bisherigen Konsequenzen nicht sehr dramatisch waren. Man stelle sich aber bloß einmal vor, dass das Vertrauen in die USA wegen der immer wieder aufflammenden Schuldendiskussionen sinken würde und die Gläubiger dem Land kein Geld mehr zu bezahlbaren Zinsen leihen würden.

Die Folgen für den US-amerikanischen Staatshaushalt und in direkter Konsequenz für die amerikanische Wirtschaft wären wohl gigantisch. Dass die gesamte Weltwirtschaft in solch einem Szenario leiden würde, liegt auf der Hand.

Doch es kann auch zu einem schleichenden Prozess kommen, in welchem die USA Sparprogramme durchsetzen, die zunächst das heimische Wirtschaftswachstum betreffen, in der Folge aber auch Exportnationen wie Deutschland hart treffen können, da schlichtweg die Nachfrage aus den USA zurückgeht.

Deshalb sollten Anleger sehr umsichtig agieren und die Entwicklung in den USA – aber auch in anderen Ländern der Welt – genau beobachten. Die USA genießen als Schuldner noch ein hohes Vertrauen, welches man aber nicht als für die Ewigkeit in Stein gemeißelt ansehen darf.

5. Juni 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.