S&P ist gestern endgültig in die vollen gegangen und hat seinen „strafenden“ Blick auf die Euro-Zone gerichtet – und zwar auf fast alle Euro-Länder. Mit von der Partie nun auch Deutschland.
Die amerikanische Ratingagentur begründet diesen Schritt – der unter anderem den Verlust von Deutschlands AAA-Rating zur Folge haben könnte – mit den anhaltenden Problemen der Euro-Zone.
Hauptgrund: Anhaltendes unkoordiniertes und unentschlossenes Handeln der Politik und die Möglichkeit, dass demnächst eine Rezession über die Euro-Zone herein bricht.
Politik äußert sich zurückhaltend über S&P Warnung
Angela Merkel und Nicolas Sarkozy antworten zum ersten Mal seit langem mit einer wirklich vernünftigen Reaktion auf diese Affront der privatwirtschaftlichen Rating-Riesen: Beide sagen im Kern: Ist uns egal.
Nun ist es natürlich nicht egal, wenn der Verlust des AAA-Ratings für Deutschland droht. Aber es ist in der momentanen Situation die einzig intelligente Antwort auf diese sinnlose Drohung. Da sagt Angela Merkel zu Recht:
"Was eine Rating-Agentur macht, das ist in der Verantwortung der Rating-Agentur. Wir werden am Donnerstag und Freitag die Entscheidungen treffen, die wir für die Euro-Zone für wichtig, für unabdingbar halten und damit einen Beitrag zur Stabilisierung der Euro-Zone leisten."
Euro-Krise noch lange nicht vorbei
Den zweiten Teil der Aussage darf man natürlich mit Fragezeichen und Skepsis sehen – die geplanten Schritte sind alles andere als unstrittig in der Euro-Runde. Aber es ist das richtige Signal an die Märkte und die Rating-Agenturen.
Wichtig ist nämlich, endlich Ruhe in das Chaos zu bringen. Und mit Verlaub: S&P ist daran offensichtlich nicht im Ansatz gelegen. Rainer Brüderle glaubt sogar schon an Verschwörungen aus Amerika, um den Euro klein zu machen.
S&P-Rating: Verschwörung oder Interessen versteckter Mächte?
Soweit muss man dann vielleicht doch nicht gehen. Aber es gibt sicherlich Interessengruppen, die entsprechende Schwächungen begrüßen würden. Und auch manche, die an einer solchen Entscheidung gewinnen dürften.
Allerdings schneiden sich die Rating-Agenturen damit langfristig nur selbst ins Fleisch: Je mehr seltsame Abmahnungen auftauchen und manches politische Handeln durch Panik zunichtemachen, desto mehr sägen die Damen und Herren an ihrem Stuhl und Mythos der unabhängigen Bewerter.
Ratingagenturen tun sich keinen Gefallen mit aktueller Bewertungspolitik
Und das wird langfristige Folgen für die Branche haben. Als Anleger tut man gut daran, nicht zu sehr auf die Agenturen zu hören, sondern in Ruhe abzuwarten und zu schauen, was der Gipfel bringt.
Aber selbst wenn er scheitert ist nicht aller Menschen Abend: An der Börse geht das Leben weiter. Wichtig ist Ruhe in der derzeitigen Lage. Wer kopflos und blind drauf los entscheidet, der kann einfach nur scheitern. Diese Mahnung darf man auch nach Brüssel schicken.



