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Steuer-Tipp: Was Sie über Freistellungs-Aufträge wissen sollten

Seit Beginn des Jahres 2009 werden Kapitalerträge in Deutschland pauschal mit 25% besteuert. Darunter fallen Kursgewinne, Zinsen und Dividenden.

Seit Einführung der Abgeltungssteuer ist es dabei auch völlig egal, wie lange Sie die Positionen gehalten haben, die Ihnen die Kursgewinne, Dividenden oder Zinsen beschert haben.

Die bis 2009 gesetzlich verankerte Spekulationsfrist von 1 Jahr wurde mit Einführung der Abgeltungssteuer gestrichen.

Zu der pauschalen Besteuerung in Höhe von 25% kommen noch der Solidaritäts-Zuschlag und gegebenenfalls die Kirchensteuer.

Dadurch werden Ihnen als Anleger knapp 30% Ihrer Kapital-Einkünfte genommen.

Diese Steuer wird direkt von Ihrer Bank ans Finanzamt abgeführt; Sie haben also keinen Einfluss darauf.

Es gibt einen Ausweg

Aber einen Ausweg gibt es dennoch:

Sie können selbst dafür sorgen, dass bis zu 801 € (bei Singles und getrennt veranlagten Ehepartnern), bzw. 1.602 € (bei zusammen veranlagten Ehepaaren) steuerfrei bleiben.

Bei den genannten Beträgen handelt es sich um die sogenannten Sparerpauschbeträge, die Ihnen gesetzlich zustehen.

Durch die Nutzung eines Freistellungs-Auftrags (oder mehrerer) sorgen Sie dafür, dass Ihre Bank die Abgeltungssteuer erst dann automatisch an das Finanzamt abführt, wenn der Freibetrag überschritten wurde.

Ihr Vorteil: Sie müssen sich das Geld nicht später über Ihre Einkommensteuererklärung zurückholen und haben dadurch unterjährig eine höhere Liquidität.


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So funktioniert der Freistellungs-Auftrag

Der Freistellungs-Auftrag ist ein Formular, welches Sie bei Ihrer Bank bekommen. Bei Online-Banken finden Sie das Formular auf der jeweiligen Internetseite.

Der Freistellungs-Auftrag muss neben Ihrer Adresse und der jeweiligen Bankverbindung den Betrag enthalten, der von der Abgeltungssteuer unberührt bleiben soll.

Dieser Betrag nennt sich „freizustellender Betrag“.

Wie Sie bereits gelesen haben, liegt dieser für Singles und getrennt veranlagte Ehepartner bei max. 801 € und bei zusammen veranlagten Ehepaaren bei 1.602 € pro Jahr.

Liegt Ihrer Bank ein gültiger Freistellungs-Auftrag vor, weiß diese, dass sie für den „freizustellenden Betrag“ keine Abgeltungssteuer an den Staat abführen darf.

Sie können den Ihnen zustehenden Freibetrag übrigens entweder bei einer Bank „aufbrauchen“ oder auch bei mehreren.

Pro Bank ist in jedem Fall nur ein Freistellungs-Auftrag einzureichen, der dann für alle Konten der entsprechenden Bank gilt.

Wenn Sie Ihren Freibetrag auf mehrere Banken aufteilen wollen, bei denen Sie Kapital-Einkünfte erzielen, müssen Sie auch mehrere Freistellungs-Aufträge ausfüllen.

Mehrere Freistellungs-Aufträge: Das Vorgehen

Als Ehepaar können Sie einen gemeinsamen Freistellungs-Auftrag stellen, wenn Sie zusammen veranlagt werden.

Dies ist v. a. dann lohnend, wenn beide Ehepartner hinsichtlich der Höhe sehr unterschiedliche Einkünfte erzielen.

Wenn Sie und Ihr Ehepartner bzw. Ihre Ehepartnerin einen gemeinsamen Freistellungs-Auftrag stellen, liegt der Pauschbetrag bei 1.602 €.

Ein gemeinsamer Freistellungs-Auftrag ist von beiden Ehepartnern zu unterzeichnen.

Und er muss auch für Einzelkonten gestellt werden – also nicht nur für Konten, die lediglich auf den Namen eines Ehepartners laufen.

Die Unterschrift beider Ehepartner im Falle eines gemeinsamen Freistellungs-Auftrages ist wichtig, da der Antrag ansonsten ungültig ist.

Wenn Sie und Ihr Ehepartner bzw. Ihre Ehepartnerin getrennt veranlagt werden, kann jeder Partner Beträge bis 801 € freistellen lassen.

Allerdings ist ein Freistellungs-Auftrag für gemeinsame Konten dann nicht möglich.

Freistellungs-Aufträge regelmäßig anpassen

Wenn Sie im Formular nicht explizit einen Endtermin eintragen, ist ein Freistellungs-Auftrag theoretisch unbegrenzt gültig.

Allerdings empfiehlt es sich nicht, die Freistellungs-Aufträge jahrelang unverändert zu lassen, denn i. d. R. werden sich Ihre Kapital-Einkünfte über die Jahre verändern.

Daher sollten Sie 1x pro Jahr Ihre Freistellungs-Aufträge überprüfen und im Bedarfsfall anpassen.

Zu überprüfen ist Folgendes: Ist der Sparerpauschbetrag über die einzelnen Kredit-Institute noch so günstig aufgeteilt, dass er voll ausgeschöpft wird?

Erstattung zu viel gezahlter Steuern

Trotz eines oder mehrerer Freistellungs-Aufträge kann es passieren, dass Sie zu viele Steuern an den Staat zahlen – soweit die schlechte Nachricht.

Es gibt jedoch auch eine gute Nachricht in diesem Zusammenhang:

Sie können Sie sich die ggf. zu viel gezahlte Steuer über die Anlage KAP (Kapital-Einkünfte) im Rahmen Ihrer Steuererklärung zurückholen.

Mit diesem Steuerwissen aus der kleinen Steuertipp-Serie können Sie jetzt etwas entspannter in das nächste Börsenjahr gehen.

29. Dezember 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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