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Steuererklärung 2016: Das Ausfüllen der Anlage KAP

Die Steuerbescheinigungen Ihrer Bank bieten bereits einen ersten Hinweis, wie die Anlage KAP sicher auszufüllen ist. Die Daten können anhand der Zeilenangaben auf der Steuerbescheinigung übernommen werden.

Denken Sie daran, dass Sie nur in den oben bereits ausgeführten Fällen eine Anlage KAP Ihrer Steuererklärung beifügen müssen.

Kapitalerträge, die dem inländischen Steuerabzug unterlegen haben

Die ausgewiesenen Beträge in den Steuerbescheinigungen der Banken tragen Sie in die linke Spalte der Zeilen 7 bis 13 der Anlage KAP ein. Summieren Sie dazu die jeweiligen Beträge aus Ihren einzelnen Steuerbescheinigungen.

Sind die bescheinigten Daten nicht zutreffend, sind in der rechten Spalte der Zeilen 7 bis 13 der Anlage KAP die korrigierten Beträge einzutragen. Geben Sie die Erläuterungen auf einem gesonderten Blatt an und fügen Sie dieses Ihrer Steuererklärung bei.

In Zeile 8 tragen Sie die Summe der Gewinne aus den Vermögensmehrungen ein. Dazu gehören sämtliche realisierten Kursgewinne aller Wertpapierarten, also Gewinne z. B. aus dem Verkauf von Aktien, Zertifikaten, Fonds und Anleihen.

Die Gewinne aus Aktienveräußerungen werden in Zeile 9 noch einmal gesondert eingetragen. Denn diese Gewinne können mit „Altverlusten“ ausgeglichen werden. Die Einnahmen aus Stillhalterprämien für die Einräumung von Optionen werden in Zeile 10 eingetragen.

In Zeile 11 der Anlage KAP tragen Sie die Ersatzbemessungsgrundlage ein. Wenn Ihrer Bank z. B. die Anschaffungsdaten aus einem Aktienkauf nicht bekannt sind (z. B. aufgrund eines Depotübertrags), werden pauschal 30% von dem Veräußerungserlös an das Finanzamt abgeführt.

In Zeile 12 tragen Sie die nicht ausgeglichenen Verluste ohne Verluste aus der Veräußerung von Aktien ein. Dazu gehören Wertpapiergeschäfte mit z. B. Zertifikaten, Anleihen, Termingeschäfte und Investmentfonds.

Ihr Vorteil: Diese Verluste können mit Erträgen, die bei einer anderen Bank erzielt wurden, verrechnet werden. Die besondere (Verlust-)Bescheinigung erhalten Sie von Ihrer Bank, die bis zum 15. Dezember eines Jahres angefordert werden kann.

Die Verluste aus Aktiengeschäften tragen Sie schließlich in Zeile 13 ein. Verluste aus Aktienveräußerungen sind nur mit Gewinnen aus anderen Aktienveräußerungen zu verrechnen, daher die Trennung dieser beiden Verlustarten.

Sparerpauschbetrag

In Zeile 14 tragen Sie Ihren in Anspruch genommenen Sparerpauschbetrag, der auf die Einnahmen der Zeilen 7 bis 13 entfällt, ein. Wurde ein Sparerpauschbetrag in Anspruch genommen, der auf die in der Anlage KAP nicht erklärten Kapitalerträge entfällt, ist dieser in Zeile 15 einzutragen.

Kapitalerträge, die nicht dem inländischen Steuerabzug unterlegen haben

Ähnlich aufgebaut wie die Zeilen 7 bis 13 sind die Zeilen 16 bis 23. Der Unterschied liegt darin, dass die Kapitalerträge (noch) nicht dem inländischen Steuerabzug unterworfen wurden.

Beispiele hierfür sind Erträge aus ausländischen thesaurierenden Investmentfonds (auch wenn sie in Ihrem Depot einer inländischen Bank verwahrt werden), Zinsen und Dividenden bei ausländischen Kreditinstituten (beispielsweise wenn Sie ein Konto oder Depot in Österreich führen) oder ein Privatdarlehen wie unter fremden Dritten (z. B. wenn Sie einem Freund ein Darlehen für eine Geschäftsidee gegeben haben).

All diese Kapitalerträge gehören in Zeile 16 der Anlage KAP. Die Gewinne aus der Veräußerung von Kapitalanlagen werden in Zeilen 18 und 19 eingetragen. Auch hier wird wieder nach Gewinnen aus Aktiengeschäften und sonstige Gewinne aus der Veräußerung von Kapitalanlagen unterschieden.

Die Zeilen 20 und 21 enthalten die Verluste aus der Veräußerung von Kapitalanlagen – auch hier die Trennung nach Aktien (Zeile 20) und sonstigen Kapitalanlagen (z. B. Anleihen, Fonds). Die erhaltenen Stillhalterprämien für die Einräumung von Optionen tragen Sie in Zeile 22 ein.

Ein großes Streitthema war bisher die Zinserstattungen, die vom Finanzamt für Steuererstattungen gezahlt wurden. In Zeile 23 der Anlage KAP sind diese einzutragen. Mitte Februar 2014 wurde das jüngste BFH-Urteil vom 12.11.2013 (Az. VIII R 36/10) veröffentlicht.

Damit ist nun endgültig ein Riegel auf eine Steuerfreiheit dieser Zinsen vorgeschoben worden. Die Zinsen, die das Finanzamt an den Steuerbürger auszahlt, sind und bleiben steuerpflichtige Kapitalerträge.

Kapitalerträge, die der tariflichen Einkommensteuer unterliegen

Kapitalerträge unterliegen in einigen Fällen nicht der Abgeltungssteuer von 25%, sondern grundsätzlich dem tariflichen (persönlichen) Einkommensteuersatz. Insbesondere zählen hierzu laufende Einkünfte aus Kapitalforderungen jeder Art und aus stiller Gesellschaft, soweit Gläubiger und Schuldner einander nahestehende Personen sind.

Wurde beispielsweise ein Darlehen an eine nahestehende Person (z. B. das eigene Kind) gewährt und kann sie die Zinsaufwendungen als Betriebsausgabe oder als Werbungskosten geltend machen, sind die Zinserträge abzüglich der Werbungskosten beim Gläubiger in Zeile 25 und nicht in Zeile 16 einzutragen.

Das Gleiche gilt für Darlehenszinsen an Kapitalgesellschaften oder Genossenschaften, an denen der Gläubiger zu mindestens 10% beteiligt ist. Der Sparerpauschbetrag findet in diesen Fällen keine Anwendung, denn der Werbungskostenabzug ist hier zugelassen.

Sollten Sie also Aufwendungen im Zusammenhang mit diesen Erträge haben, ziehen Sie diese von den erhaltenen Erträgen ab. Ein Gewinn aus der Veräußerung oder Einlösung von diesen Kapitalanlagen ist in Zeile 26 einzutragen.

Ein Beispiel zum Begriff „nahestehende Person“

Ein Sohn erhält von seinem Vater einen Kredit von 100.000 € zu einem angemessenen Zinssatz für:

a) den Bau seines Eigenheims und

b) dessen Betrieb

Der Vater erzielt in beiden Fällen Zinserträge und somit Einnahmen aus Kapitalvermögen. Für die steuerliche Bewertung ist allerdings die Verwendung der Darlehensmittel von Bedeutung.

Im Fall a) nutzt der Sohn den Kredit für die private Lebensführung. Beim Vater greift der Abgeltungssteuersatz von 25%. Die Zinsen muss der Vater in seiner Steuererklärung angeben, und zwar in Zeile 16, nicht in Zeile 25.

Im Fall b) stellen die Schuldzinsen für den Sohn Betriebsausgaben dar. Hierbei ist der Abgeltungssteuersatz nicht anzuwenden, da Gläubiger (Vater) und Schuldner (Sohn) nahestehende Personen sind und der Sohn die Schuldzinsen als Betriebsausgaben abziehen kann. Die erhaltenen Zinsen trägt der Vater in Zeile 25 ein; sie sind mit dem persönlichen Steuersatz zu versteuern.

Sind die Zinsen als Betriebsausgaben oder Werbungskosten bei der nahestehenden Person geltend gemacht worden, besteht der Vorteil für den Kreditgeber darin, dass er selbst wiederum Werbungskosten geltend machen kann, z. B. die Ausgaben für die eigene Finanzierung dieser Darlehensmittel.

Steht unter dem Strich ein negativer Saldo, kann dieser Verlust mit anderen Einkunftsarten ausgeglichen werden. Im Fall der privaten Mittelverwendung des Kreditnehmers (Fall a) des o. g. Beispiels) geht das nicht. Die Zinsen werden pauschal versteuert. Ein Abzug von eigenen Aufwendungen ist nicht möglich.

Optionsmöglichkeit bei unternehmerischer Beteiligung

In den Fällen einer Beteiligung an einer Kapitalgesellschaft, an der die Beteiligung unmittelbar oder mittelbar

  • •zu mindestens 25% oder
  • zu mindestens 1% besteht und der Gläubiger beruflich für diese tätig ist,

können auf Antrag die Kapitaleinkünfte mit dem persönlichen Steuersatz besteuert werden. Wichtig ist hier, dass der Antrag gestellt wird (Zeile 27 der Anlage KAP).

Wurde die Beteiligung refinanziert und entsprechende Schuldzinsen gezahlt, ist die Optionsmöglichkeit günstig. Denn einen weiteren Vorteil bietet diese Option: Zum einen sind Werbungskosten abzugsfähig und zum anderen können negative Einkünfte hieraus (Werbungskosten übersteigen die Einnahmen) mit anderen Einkunftsarten saldiert werden.

Dabei wird das Teileinkünfteverfahren angewendet. Von den Einnahmen und den Ausgaben sind nur 60% steuerlich berücksichtigungsfähig. Die entsprechende Kürzung wird aber vom Finanzamt vorgenommen. Tragen Sie die vollen Beträge in die Steuererklärung ein.

Erträge aus Beteiligungen

Vom Aufbau her ähnelt die Rückseite der Anlage KAP der Vorderseite. Zunächst sind in Zeile 31 bis 49 die Erträge aus Beteiligungen anzugeben. Achten Sie darauf, dass Sie das Feststellungsfinanzamt und die Steuernummer angeben.

Steuerabzugsbeträge zu den Kapitalerträgen

Die bereits gezahlten Steuern tragen Sie in Zeilen 50 bis 58 der Anlage KAP ein. Aus der Bankbescheinigung können Sie die Daten entnehmen. Bei Beteiligungen sind die anzurechnenden Steuern aus dem Feststellungsbescheid ersichtlich.

Anzurechnende Quellensteuern nach der Zinsinformationsverordnung (ZIV) tragen Sie in Zeile 59 ein. Staaten wie Luxemburg, Österreich, Schweiz und Liechtenstein erheben eine Quellensteuer auf Zinszahlungen, die in voller Höhe auf die Einkommensteuer angerechnet werden kann. Weisen Sie die Quellensteuer mittels einer Bescheinigung nach.

Verrechnung von Altverlusten

Über die Zeile 60 beantragen Sie die Verrechnung von (Alt-)Verlusten. Diese sind in einem gesonderten Bescheid in den Vorjahren festgestellt worden. Sie werden mit Gewinnen aus den Verkäufen von Aktien, Zertifikaten oder Anleihen verrechnet, die im Kalenderjahr 2016 nach dem neuen „Abgeltungssteuer-System“ realisiert wurden.

Das Jahr 2013 bot letztmalig die Möglichkeit, Altverluste mit Gewinnen aus den Verkäufen von Kapitalanlagen zu verrechnen.

Die bis dahin noch nicht verrechneten Altverluste können seit 2014 im Grunde nur noch mit Gewinnen aus Immobilienverkäufen (nur vermietete Immobilien) und sonstigen Wertgegenständen, die nicht dem alltäglichen Gebrauch unterliegen, verrechnet werden.

Hierzu gehören z. B. Oldtimer und Gold- oder Silberbarren. Die Haltedauer darf aber nicht länger als 1 Jahr betragen haben.

10. März 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Dirk Schöbel
Von: Dirk Schöbel. Über den Autor

Dirk Schöbel ist Diplom-Kaufmann und für einen Steuerberater, wie auch als Finanzredakteur tätig. Zu seinen Themenschwerpunkten zählen die Vermögensberatung und -analyse unter Berücksichtigung der steuerlichen Gegebenheiten.