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Steuererklärung 2015 – auf gravierende Änderungen einstellen

Die Steuererklärung 2015 sollten gerade Anleger mit Kapitalerträgen frühzeitig ins Visier nehmen. Abgesehen von den üblichen jährlichen Neuerungen steht eine Reihe teils gravierender Veränderungen ins Haus.

Noch ist nicht alles in trockenen Tüchern, was im sog. „kleinen Jahressteuergesetz 2014“ geplant ist. Doch im Dezember muss der Bundesrat zustimmen. Alle abgesegneten Änderungen werden dann ab dem 1. Januar 2015 wirksam. Nachfolgend ein Ausschnitt.

Fristen und Freibeträge

Zunächst die Abgabefristen. Die Einkommens- und Lohnsteuererklärung 2015 ist bis 31. Mai 2016 abzugeben. Wer einen Steuerberater engagiert, hat Zeit bis zum 31. Dezember 2016.

Der Grundfreibetrag beträgt 8.354 €, für Verheiratete das Doppelte. Für Sonderausgaben gibt es einen Pauschbetrag von lediglich 36 €. Mit Belegen aber lassen sich Spenden oder Vorsorgeaufwendungen wesentlich höher absetzen.

Bei der Pendler- bzw. Kilometerpauschale kann auch eine längere Strecke gewählt werden, sofern sie effizienter ist. Allerdings ist sie ab 2015 auf 4.500 € begrenzt.

Beim Kinderfreibetrag stehen Eltern 7.008 € zu. Sie müssen aber entscheiden, ob sie den Steuerfreibetrag oder das staatliche Kindergeld wählen. Beides zusammen geht nicht.

Stichwort Kinder: Einfacher absetzen lassen sich 2015 die jährlichen Betreuungskosten. Alter, Art und Grund der Betreuung spielen keine Rolle mehr. Die ansetzbaren Sonderausgaben liegen bei 2/3 der Kosten und maximal 4.000 €. Das Höchstalter ist 14 Jahre. Unterricht oder Freizeiten zählen nicht dazu.

Für Kapitalanleger gibt es den Sparer-Pauschbetrag in Höhe von 801 € und 1.602 € bei gemeinsam veranlagte Paare.

Beschlüsse und Gesetzesvorlagen nach dem „kleinen Jahressteuergesetz“

Vorlage: Beim Abzug von Unterhaltszahlungen ist in der Steuererklärung die Identifikationsnummer der begünstigen Person anzugeben. Grund: Die Identität muss eindeutig feststehen. Hier wurde häufig betrogen.

Vorlage: Die Kosten für eine Erstausbildung sind nur noch für eine geordnete Ausbildung von mindestens 18 Monaten mit bestandener Abschlussprüfung absetzbar. Bisher konnten z.B. Studenten Ausbildungskosten absetzen, wenn sie sich noch vor dem Studium zum Taxifahrer oder Tennislehrer ausbilden ließen.

Vorlage: Die Freigrenze von geldwerten Vorteilen durch den Arbeitgeber (Betriebsveranstaltungen) soll von 110 € auf 150 € erhöht werden.

Beschlossen: Die Kirchensteuer auf Kapitalerträge wird automatisch abgezogen. Dazu fragt das Kreditinstitut dann die Identifikationsnummer des Anlegers ab.

Vorlage: Die Möglichkeit, dagegen Widerspruch einzulegen, soll gestrichen werden.

Vorlage: Bei gebrauchten bzw. verkauften Lebensversicherungen ist die ausbezahlte Summe beim Risikoeintritt nicht mehr steuerfrei. Ausgenommen sind nur noch reine Versicherungsansprüche wie etwa durch Beendigung eines Arbeitsverhältnisses. Alles andere sind Kapitaleinkünfte.

Vorlage: Bei Fremdwährungsgeschäften wird zur Ermittlung des Gewinns wieder fingiert, dass die zuerst angeschafften Beträge als Erstes veräußert werden. Dieses Fifo-Verfahren (first in first out) war mit der Abgeltungssteuer 2009 hinfällig geworden.

Keine Fluchten mehr: europaweiter Austausch über alle Einkünfte

Frisch beschlossen: In Sachen Kapitalerträge wird es einen automatischen Informationsaustausch innerhalb der EU nun auch mit Österreich und Luxemburg geben.

Die gegenseitigen Kontrollmitteilungen umfassen ab 2015 zudem: Vergütungen aus unselbständiger Arbeit, Aufsichts- oder Verwaltungsratsvergütungen, Renten und Pensionen, eine Reihe von Lebensversicherungen sowie Eigentum an unbeweglichem Vermögen (Betriebe, Immobilien) und die Einkünfte daraus. Damit weiß der Fiskus bald alles.

Und damit wird auch die Fluch ins Ausland schwieriger. Wer seine Einkünfte nicht angibt, riskiert ab 2015 deutlich mehr.

Erheblich Schärfere Strafen vorgesehen

Vorlage: Die Möglichkeit der Selbstanzeige bzw. Berichtigung soll auch weiterhin bestehen, jedoch unter wesentlich verschärften Bedingungen:

– Der strafrechtlich relevante Berichtigungszeitraum und die Verjährung werden auf 10 Jahre verlängert, und zwar in allen Fällen.

– Die Strafzuschläge werden erhöht. Ab 25.000 € Schwarzgeld liegt die Staffelung zwischen 10% und 20%.

– Strafbefreiende Wirkung nur noch bis 25.000 € (bisher 50.000 €)

– Außerdem müssen zur Straffreiheit die Hinterziehungszinsen (6% pro Jahr) sofort gezahlt werden.

Die drohenden Strafen liegen je nach Höhe der Steuerverkürzung zwischen Tagessätzen (1/30 eines Monatseinkommens) und Freiheitsstrafen mit und ohne Bewährung. Mit folgenden Sanktionen muss gerechnet werden – Die Beispiele sind Richtwerte:

Hinterzogener BetragStrafe
ca. 1.000 €20 Tagssätze
ca. 10.000 €120 Tagessätze
bis 100.000 €Geld- oder Freiheitsstrafe auf Bewährung
ab 100.000 €Freiheitsstrafe auf Bewährung
ab 1 Mio. €Freiheitsstrafe ohne Bewährung

Steuerzahler und vor allem Anleger mit Auslandskapital sehen also erheblichen Veränderungen entgegen. Vor allem: Der Fiskus weiß künftig wesentlich mehr als bisher. Darauf sollte sich jeder zeitig einstellen. Übrigens: Mit einer Abschaffung der kalten Progression ist bis 2015 wohl nicht zu rechnen. Dies wurde ohnehin als frühester Zeitpunkt genannt.

1. Oktober 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.