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Steuererklärung 2016: Warum Sie eine Anlage KAP abgeben sollten

Grundsätzlich ist die Einkommensteuer auf Kapitalerträge durch den Steuerabzug, den die Bank automatisch vornimmt, abgegolten. Eine Angabe der Kapitalerträge in der Steuererklärung ist somit nicht mehr notwendig.

Allerdings kann es Gründe geben, die Kapitalerträge in Ihrer Steuererklärung dennoch anzugeben. Unter den folgenden Voraussetzungen ist die Abgabe der Anlage KAP erforderlich:

  • Kapitalerträge haben nicht dem Steuerabzug unterlegen.
  • Es besteht Kirchensteuerpflicht, aber es wurde keine Kirchensteuer auf die Kapitalerträge einbehalten.
  • Der Steuereinbehalt soll dem Grunde und der Höhe nach überprüft werden.
  • Ein Antrag auf Günstigerprüfung wird gestellt.
  • Es sind einbehaltene Kapitalertragsteuer sowie die Nebensteuern im Zusammenhang mit anderen Einkunftsarten (z. B. Gewerbebetrieb) anzurechnen.
  • Die Abgeltungswirkung kommt aufgrund von Ausnahmeregelungen nicht in Betracht.

Steuererklärung 2016: Die Günstigerprüfung kann für Sie vorteilhaft sein

Für Rentner und Anleger mit einem niedrigen zu versteuernden Einkommen kann es sinnvoll sein, eine Günstigerprüfung durchzuführen. Dafür setzen Sie in Zeile 4 der Anlage KAP eine „1“ ein. Bei Zusammenveranlagung mit Ihrem Ehegatten muss jeder Ehegatte eine eigene Anlage KAP ausfüllen.

Was bedeutet die Günstigerprüfung? Hierbei wird seitens des Finanzamts überprüft, ob der persönliche Steuersatz unter dem Abgeltungssteuersatz von 25% liegt. Dabei werden sämtliche Einkünfte zusammengerechnet und der persönliche Steuersatz ermittelt.

Liegt Ihr persönlicher Steuersatz unter 25%, werden Ihre Kapitaleinkünfte mit Ihrem persönlichen Steuersatz besteuert und Sie bekommen die von Ihrer Bank bereits einbehaltenen Steuern zurück.

Für die Günstigerprüfung müssen Sie allerdings sämtliche Kapitalerträge erklären. Dazu gehören die Kapitalerträge von inländischen auszahlenden Stellen (z. B. Ihre Hausbank), aber auch ausländische Kapitalerträge (z. B. bei ausländischen Kreditinstituten) sowie Erträge aus Beteiligungen.

So profitieren Sie vom Altersentlastungsbetrag

Zudem können Anleger mit einem Alter von über 64 Jahre vom Altersentlastungsbetrag profitieren, auch wenn deren Steuersatz über 25% liegt. Denn der Altersentlastungsbetrag ist ein Steuerfreibetrag für Nebeneinkünfte und wird für alle angerechnet, die zu Beginn des Jahres 64 Jahre alt sind.

Die Grundlage stellen die Nebeneinkünfte dar. Dazu gehören unter anderem Kapitaleinkünfte. Geben Sie in Ihrer Steuererklärung z. B. nur die (Alters-)Renten an und machen Sie keine Angabe zu Kapitaleinkünften, wird kein Altersentlastungsbetrag angerechnet, weil dieser nicht auf der Grundlage der Renten berechnet wird.

Sollte dadurch das zu versteuernde Einkommen unter 8.652 € bei Ledigen bzw. 17.304 € bei Ehepaaren (Grundfreibetrag) sinken, so kann eine Steuerfreiheit herauskommen. Wurde bereits die Abgeltungssteuer durch die Bank als auszahlende Stelle einbehalten, werden die Steuern erstattet.

Rechenbeispiel für den Altersentlastungsbetrag

Mit 65 Jahren ging der konfessionslose A im Jahr 2011 in Rente. Im Jahr 2012 erhielt er, wie im Jahr 2011, eine Bruttorente von 25.000 €. Zudem bekam er 4.500 € Zinsen. Ein Freistellungsauftrag in Höhe von 801 € wurde bei der Bank gestellt. Nach Abzug des Sparer-Pauschbetrags wurden ihm 975,61 € Steuern (25% Abgeltungssteuer und 5,5% Solidaritätszuschlag) von den Zinserträgen einbehalten und somit 3.524,39 € ausgezahlt.

In seiner Steuererklärung für 2016 müsste A seine Kapitalerträge nicht mehr angeben. Denn der Steuerabzug auf die Zinsen hat abgeltende Wirkung. Nur seine Rente muss er angeben und in voller Höhe in die Einkommensteuererklärung eintragen. Da er in 2011 in Rente gegangen ist, werden nur 62% der Rente besteuert, also 15.500 €. Von diesem steuerbaren Rentenanteil werden pauschal noch 102 € Werbungskosten abgezogen.

Darüber hinaus erhält A eine Sonderausgabenpauschale von 36 €. Für seine Krankenversicherung hat A 2.000 € bezahlt. Somit hätte A ein zu versteuerndes Einkommen von 13.362 € und ca. 900 € Einkommensteuer zu zahlen. Zusammen mit der Abgeltungssteuer auf die Kapitaleinnahmen hat A in der Summe 1.875,61 € (975,61 € + 900 €) Steuern gezahlt.

Würde A nun auch die Kapitalerträge angeben, steht ihm der Altersentlastungsbetrag zu. Dieser ist vom Lebensjahr abhängig und beträgt hier im Beispielsfall 32,0% der

Nebeneinkünfte (hier Zinsen), maximal aber 1.520 €. Mit Angabe der Kapitalerträge ergibt sich die folgende Berechnung:

Zinsen4.500 €
Sparer-Pauschbetrag-801 €
Kapitaleinkünfte3.699 €
Renteneinnahmen25.000 €
davon steuerbar 62%15.500 €
Werbungskosten-Pauschale-102 €
Renteneinkünfte15.398 €
Summe der Einkünfte19.097 €
Altersentlastungsbetrag 30,4% von 3.699 €-1.124 €
Versicherungsbeiträge-2.000 €
Sonderausgaben-Pauschale-36 €
Zu versteuerndes Einkommen15.937 €

Hierauf sind rund 1.500 € Steuern zu zahlen. Die durch die Bank einbehaltenen Steuern in Höhe von 975,61 € werden jedoch angerechnet. A hat somit in der Summe nur eine Steuerbelastung in Höhe von 1.500 € statt – wie oben dargestellt – 1.875,61 €. Seine Steuerbelastung sinkt um rund 375 €. Zudem stellt A noch einen Antrag auf Günstigerprüfung. Die Zinsen werden dann mit dem niedrigen persönlichen Steuersatz besteuert. A bekommt die zu viel gezahlte Abgeltungssteuer wieder ausgezahlt.

Der Antrag auf Überprüfung des Steuereinbehalts für bestimmte Kapitalerträge

Tragen Sie in Zeile 5 der Anlage KAP eine „1“ ein, wenn das Finanzamt eine Überprüfung des Steuereinbehalts für bestimmte Kapitalerträge vornehmen soll. Insbesondere gehören dazu die folgenden Fälle:

  • Der Sparer-Pauschbetrag wurde beim Steuerabzug nicht vollständig ausgeschöpft.
  • Die Ersatzbemessungsgrundlage wurde beim Steuerabzug angewendet, weil Ihrer Bank die Anschaffungskosten von Wertpapieren nicht bekannt waren (z. B. infolge eines Depotübertrags).
  • Verluste wurden bei Ihrer Bank nicht vollständig oder zu niedrig berücksichtigt

In diesen Fällen sind in die linken Spalte der Zeilen 7 bis 13 der Anlage KAP die Beträge laut der Steuerbescheinigung Ihrer Bank und in die rechte Spalte die korrigierten Beträge einzutragen. Auf einem gesonderten Blatt machen Sie Erläuterungen und fügen dieses Blatt der Einkommensteuererklärung bei.

Auszahlung der Kapitalerträge ohne Kirchensteuerabzug

Sind Ihnen trotz Kirchensteuerpflicht Kapitalerträge mit Abzug der Abgeltungssteuer, aber ohne Kirchensteuerabzug gutgeschrieben worden, tragen Sie in das Formular in Zeile 6 eine „1“ ein.

Dabei ist es ausreichend, wenn Sie in Zeile 50 die Kapitalertragsteuer und in Zeile 51 den Solidaritätszuschlag eintragen. Möchten Sie darüber hinaus auch eine Minderung der Kapitalertragsteuer (z. B. durch die Günstigerprüfung), müssen Sie auch die anderen Felder ausfüllen.

Teilen Sie bereits Ihrer Bank mit, ob Sie kirchensteuerpflichtig sind. Dann zieht sie bereits bei Auszahlung der Kapitalerträge die Kirchensteuer ab und leitet sie automatisch an das Finanzamt weiter.

Sollten Sie einen hohen Steuersatz haben und entfällt für Sie dadurch eine Günstigerprüfung, brauchen Sie die Kapitalerträge nicht mehr in der Steuererklärung anzugeben, zumal dann auch schon die Kirchensteuer abgezogen wurde. Das entsprechende Formular erhalten Sie bei Ihrer Bank bzw. auf deren Homepage im Internet.

12. Februar 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Dirk Schöbel
Von: Dirk Schöbel. Über den Autor

Dirk Schöbel ist Diplom-Kaufmann und für einen Steuerberater, wie auch als Finanzredakteur tätig. Zu seinen Themenschwerpunkten zählen die Vermögensberatung und -analyse unter Berücksichtigung der steuerlichen Gegebenheiten.