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Steueroase Belgien: Ein Paradies für Franzosen

Eine gemeinhin festgelegte Definition des Wortes Steueroase gibt es nicht. Jedoch bezeichnet man im allgemeinen Länder mit niedrigen Einkommens- und Vermögenssteuersätzen als Steueroasen bzw. Steuerparadiese.

Auch Staaten, die gar keine Steuern oder Sozialabgaben erheben, gehören zu den Steuerparadiesen.

Schlupflöcher in Sachen Steuern machen das Land lukrativ

Auf der Liste der europäischen Steueroasen steht so auch Belgien. Vor allem gibt es dort keine Vermögenssteuer. Die Einkommenssteuersätze betragen zwar bis zu 50%. Jedoch gibt es zahlreiche Schlupflöcher, über die man die Steuerlast stark absenken kann.

Das Land stand früher auf der schwarzen Liste der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Darauf standen Steuerparadiese, die sich nicht an gewisse, von der internationalen Organisation festgesetzte Transparenz-Standards hielten.

Eine Liste hat sich inzwischen erübrigt: Sowohl Belgien als auch die anderen rund 30 Steueroasen haben seither Transparenz-Abkommen mit mindestens 12 anderen Staaten abgeschlossen. An den Steuersätzen ändert das jedoch sehr wenig. Die haben bereits in der Vergangenheit unter anderem wohlhabende Bürger Frankreichs ins Nachbarland gelockt.

75-prozentige Steuer treibt Franzosen nach Belgien

Dieser Trend zum Auswandern hat sich noch verschärft, nachdem die Pariser Regierung ankündigte, eine 75-prozentige Reichensteuer für Einkommen ab 1 Mio. € einzuführen. So hat der Chef des Luxuskonzerns LVMH Bernard Arnault versucht, belgischer Staatsbürger zu werden.

Auch Schauspieler Gérard Dépardieu kündigte an, in die Steueroase Belgien auswandern zu wollen – bevor ihm Russlands Präsident Vladimir Putin den russischen Pass angeboten hat. Hunderte Franzosen beantragen so jährlich einen belgischen Pass. Seit der Ankündigung der Reichensteuer stieg die Zahl der Antragsteller um ein Viertel an.

Steueroase Belgien: Steuersenkung als Mittel gegen Staatsverschuldung

Belgien kommt diese Steuerflucht eher gelegen. Schließlich hat das Land die dritthöchste Staatsverschuldung in Europa. Sie entspricht in etwa dem belgischen Bruttoinlandsprodukt. Ende 2012 – nachdem Dépardieu angekündigte hatte, er wolle nach Belgien auswandern – sagte Belgiens Außenminister Didier Reynders gegenüber französischen Medien, alle Franzosen seien „willkommen“.

Jedoch wies er Anschuldigungen zurück, das Land habe absichtlich die Steuern gesenkt, um ausländische Steuerzahler anzulocken. Im Gegenteil – die sozialistische Regierung sei selbst für die Steuerflucht verantwortlich.

Belgien: Diskretion macht Steuerhinterziehung möglich

Neben der legalen Steuerflucht sorgt natürlich besonders illegale Steuerhinterziehung für Aufruhr. Dabei verlagern Anleger Teile ihres Einkommens in Steueroasen wie Belgien, ohne dies den heimatlichen Steuerbehörden mitzuteilen.

Den Hauptwohnsitz beziehungsweise im Falle von Unternehmen die Hauptgeschäftsstelle lassen sie jedoch im Herkunftsland. Dem heimischen Fiskus entgehen daher die entsprechenden Steuereinnahmen. Von den Steuerparadiesen selbst kann das Finanzamt dabei wenig Kooperation erwarten. Schließlich versprechen sie Anlegern Anonymität und höchste Diskretion.

31. Mai 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Lisa Louis
Von: Lisa Louis. Über den Autor

Lisa Louis ist freie Journalistin in Paris. Sie hat internationale Volkswirtschaftslehre in Deutschland und Frankreich studiert. Mit ihrem Wissen hilft Sie Lesern bei grundsätzlichen Fragen der Geldanlage und der Privaten Vorsorge.