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Steueroase Delaware: Hochburg der Briefkastenfirmen

Es gibt eine ganze Reihe von Ländern, die einem spontan einfallen, wenn man nach Steueroasen gefragt wird. Während der Staatsschuldenkrise wurden Steueroasen für viele Menschen wieder ein Thema, denn sie zweifelten daran, dass das Geld in Deutschland bzw. in der EU noch sicher sei.

Vielen ist jedoch nicht bekannt, dass eines der größten Steuerparadiese ein kleiner US-amerikanischer Bundesstaat ist: das an der Ostküste gelegene Delaware. Es handelt sich dabei um den flächenmäßig zweitkleinsten Bundesstaat der Vereinigten Staaten mit rund 900.000 Einwohnern.

Schätzungen gehen davon aus, dass in Delaware weit über 600.000 Briefkastenfirmen ihren Sitz haben. Der Grund hierfür ist ein sehr liberales Steuerrecht. Das britische Netzwerk für Steuergerechtigkeit kam in einer Studie zu dem Ergebnis, dass Delaware die weltweit beliebteste Steueroase ist – noch vor den üblichen Verdächtigen.

Delawares Weg zum wirtschaftlichen Erfolg

Delaware ist heute der am Bruttoinlandsprodukt pro Kopf gemessen wirtschaftlich stärkste Bundesstaat der USA. Das pro-Kopf-BIP liegt rund 50% höher als im nationalen Durchschnitt.

Ein sehr wichtiger Grund für diesen Erfolg ist das vor allem für Unternehmen günstige Steuerrecht. Diese Gesetzgebung entstand aus einem Wettlauf verschiedener US-Bundesstaaten um das liberalste Gesellschaftsrechts mit dem Ziel, möglichst viele Unternehmen anzulocken.

Delaware hat diesen Wettlauf gewonnen: Etwa 50% der börsennotierten Unternehmen in den USA sind in Delaware angesiedelt. Von den sogenannten Fortune 500 – den 500 umsatzstärksten US-amerikanischen Unternehmen – haben rund 60% ihren Rechtssitz in Delaware. Auch viele europäische Unternehmen haben ihre US-Niederlassung in Delaware.

Diese Zahlen machen deutlich, dass die Steueroase Delaware offenbar zu Recht ganz oben auf der Liste der Steuerparadiese steht. Ein Blick auf die Möglichkeiten, die dieser Bundesstaat bietet, zeigt die Gründe für die zweifelhafte Beliebtheit.

Steueroase Delaware – so funktioniert das Steuerparadies

Was Delaware als Steuerparadies attraktiv macht, ist vor allem die Tatsache, dass dort Gewinne, die außerhalb des Bundesstaates erwirtschaftet werden, nicht versteuert werden müssen.

Zudem besteht für die Unternehmen keine Pflicht, dort wirklich ansässig zu sein. Auch müssen Vorstandssitzungen nicht vor Ort abgehalten werden. Der Unternehmensvorstand kann aus einer Einzelperson bestehen. Es gibt darüber hinaus kein vorgeschriebenes Grundkapital für Unternehmensgründungen. Eine Gründung kann von jedem Ort der Welt aus erfolgen.

Auch wenn diese Punkte zunächst lediglich nach einer höheren Flexibilität und Steuervorteilen für Unternehmen klingen, gibt es durchaus Anlass, die Umstände in Delaware kritisch zu hinterfragen.

Undurchsichtige Machenschaften in Delaware möglich

Unternehmen können von den steuerlichen Bedingungen in Delaware völlig legal profitieren. Doch ist dies nur die eine Seite der Medaille. Es wird kritisiert, dass anonyme Unternehmensgründungen illegale Machenschaften ermöglichen.

In welchem Umfang dies geschieht, ist schwer abzuschätzen. Doch es wird davon ausgegangen, dass die Rahmenbedingungen in Delaware auch zur Geldwäsche und Steuerhinterziehung genutzt werden.

Gerade Medien in der Schweiz haben sich mit diesem Thema auseinandergesetzt. Selbst in der Rolle einer vermeintlichen Steueroase herrscht vielfach die Meinung, dass die USA zunächst vor der eigenen Haustür kehren solle. Während Länder wie Deutschland, Großbritannien oder die USA auf Steuerabkommen mit der Schweiz pochen, findet Delaware nur selten Erwähnung.

4. Februar 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Sebastian Grünewald. Über den Autor

Sebastian Grünewald ist freier Autor und Redakteur mit mehrjähriger Erfahrung. Er vermittelt einer breiten Leserschaft ökonomische Zusammenhänge und Themenfelder wie private Vorsorge und Geldanlage mit einfachen Worten.