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Steueroase Luxemburg: Mehr als nur ein Finanzplatz

Das Großherzogtum Luxemburg gehört flächenmäßig zu den kleinsten Mitgliedsstaaten der Europäischen Union und die Einwohnerzahl Luxemburgs beträgt nur rund 525.000. Doch in anderen Bereichen weiß Luxemburg durchaus zu imponieren. Ein Blick auf die ökonomischen Kennzahlen verrät, was wirklich in diesem Staat steckt.

So ist beispielsweise das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf weltweit das dritthöchste. Das durchschnittliche Einkommen in Luxemburg ist etwa 2,5 Mal so hoch wie im EU-Durchschnitt.

Einen ganz erheblichen Anteil an diesen Zahlen hat der Finanzsektor. Dem Bankensektor verdankte Luxemburg 2010 knapp 40% des Bruttoinlandsprodukts sowie etwa 30% der Steuereinnahmen.

Was zunächst nach positiven Zahlen klingt, ist bei näherer Betrachtung nicht unkritisch.

Zum einen sieht sich Luxemburg immer wieder mit dem Ruf als Steueroase konfrontiert. Zum anderen ist diese Abhängigkeit vom Finanzsektor ein großes Risiko für die Volkswirtschaft.

Steueroase Luxemburg – aber nicht uneingeschränkt

Betrachtet man die Gegebenheiten in Luxemburg und stellt sie den „Kriterien“ einer Steueroase gegenüber, ergeben sich gewisse Zweifel, ob Luxemburg eine Steueroase ist.

So kann man beispielsweise die Frage nach der Transparenz im Finanzsektor stellen. Auf der einen Seite bietet das Firmenrecht in Luxemburg durchaus Möglichkeiten für Anleger, anonym zu bleiben oder zumindest die Identität zu verschleiern.

Auf der anderen Seite hat Luxemburg OECD-Standards anerkannt, so dass die Möglichkeit eines Informationsaustauschs mit ausländischen Finanzbehörden eingeräumt wird. Einschränkend sei jedoch darauf hingewiesen, dass es sich hierbei nicht um einen automatischen Informationsfluss handelt. Vielmehr muss eine konkrete Anfrage vorliegen.

Auch das Kriterium von keinen oder nur sehr geringen Steuern erfüllt Luxemburg nicht uneingeschränkt. Zwar sind die Steuersätze im EU-Vergleich eher gering, doch es gibt andere Finanzplätze auf der Welt, die Luxemburg in diesem Bereich deutlich den Rang ablaufen.

Der Begriff der „Steueroase“ ist für Luxemburg somit nicht völlig zutreffend. Dennoch bietet Luxemburg auch einige Sonderregelungen für Steuervergünstigung oder Steuerbefreiung. Den eigentlichen Reiz dieses Finanzplatzes sehen einige Experten in einer Kombination aus zwei Eigenschaften:

Zum einen sind die eben erwähnten finanzpolitischen Rahmenbedingungen attraktiv. Zum anderen bietet Luxemburg durch seine zentrale Lage in Europa alle Vorteile eines Onshore-Finanzplatzes.

Nicht nur ein Steuerparadies – Luxemburg will mehr bieten

Von den günstigen Bedingungen in Luxemburg profitieren rund 150 Banken. Aus Deutschland stammen etwa 40 dieser Geldinstitute. Luxemburg gilt als Europas Zentrum des Anleihen- und Fondshandels.

Bei allen Vorteilen, die das Großherzogtum durch die florierende Finanzwirtschaft hat, ergeben sich dadurch jedoch auch Nachteile. Die Abhängigkeit vom Bankensektor ist enorm.

Dies bekam Luxemburg ab 2008 mit der Finanzkrise deutlich zu spüren, welche sich zur Bedrohung für ganz Europa entwickelte. Seitdem wird verstärkt versucht, auch andere Wirtschaftszweige zu fördern. Die Steueroase Luxemburg existiert als solche also durchaus noch, doch die letzten Entwicklungen lassen vermuten: Luxemburg wappnet sich für die Zukunft.

Der Finanzsektor wird sicherlich noch einige Zeit sehr wichtig sein, aber Luxemburg hat mehr zu bieten und wird dies immer deutlicher zeigen. Dahinter steckt vermutlich auch die Erkenntnis, dass das Wohl des gesamten Landes nicht von der Finanzwelt abhängen darf.

4. Februar 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Sebastian Grünewald. Über den Autor

Sebastian Grünewald ist freier Autor und Redakteur mit mehrjähriger Erfahrung. Er vermittelt einer breiten Leserschaft ökonomische Zusammenhänge und Themenfelder wie private Vorsorge und Geldanlage mit einfachen Worten.