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Steueroase Zypern: Geschäftsmodell wird zum Bumerang

Seit dem Jahre 2004 ist Zypern in der Europäischen Union und seit Anfang 2008 auch Mitglied der Eurozone. Doch Zypern war in der Vergangenheit eine sehr beliebte Steueroase und ist es zum Teil auch heute noch. Ausländische Regierungen haben oft kein großes Verständnis für Zyperns Steuerpolitik aufbringen können. Und genau diese Tatsache könnte Zypern in der aktuellen Krise Probleme bereiten.

Niedrige Steuern als Lockmittel für Unternehmen

In den 70er-Jahren begann Zyperns Aufstieg zur beliebten Steueroase im Schnittpunkt zwischen Europa, Afrika und Nahem Osten. Für ausländische Unternehmer wurde es steuerlich attraktiv, den Firmensitz in Zypern zu haben. Die effektive Steuerlast wird auf durchschnittlich knapp 10% geschätzt, die Körperschaftssteuer liegt mit 10% auch heute noch weit unter dem EU-Durchschnitt. Einige Jahre lang war der Effekt dieser Anreize eher gering. Dies könnte auch mit der politischen Lage zusammengehangen haben, die nach dem Einmarsch der Türken in den nördlichen Teil der Insel nicht immer als stabil bezeichnet werden konnte.

Doch mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion veränderte sich die Situation schlagartig. Der Grund war unter anderem, dass gewaltige Vermögen aus der ehemaligen Sowjetunion nach Zypern transferiert wurden, um das Geld in Sicherheit zu bringen.

Dies kann als Initialzündung gesehen werden. Zyperns Finanzsektor entwickelte sich fortan rasant und wurde eine tragende Säule der Volkswirtschaft.

Zypern – auch heute noch Sitz zahlreicher Unternehmen

Schätzungen gehen davon aus, dass auch heute noch bis zu 250.000 Kapitalgesellschaften in Zypern ansässig sind – hauptsächlich aufgrund der niedrigen Steuerlast.  Es besteht zudem der Verdacht, dass auf Zypern Geldwäsche in großem Stil betrieben wird. Auch ist das Bankensystem mitunter so konstruiert, dass Identitäten und Besitzverhältnisse verschleiert werden können.

Auch wenn nicht alle Machenschaften auf Zypern illegaler Natur sein müssen, so kann davon ausgegangen werden, dass anderen Ländern aufgrund der zypriotischen Verhältnisse enorme Steuerausfälle entstehen.

Und an dieser Stelle zeichnet sich ab, dass sich die Finanzpolitik der Steueroase Zypern nun zu einem Bumerang entwickeln könnte: Zypern steckt in der Krise und braucht Hilfen aus dem EU-Rettungsfonds.

Steueroase Zypern braucht Finanzhilfen

Seitdem bekannt wurde, dass Zypern Hilfen aus dem EU-Rettungsfonds beantragt hat, werden in den Medien immer wieder Stimmen laut, die eine Hilfe für Zypern kritisieren. Verwundern kann dies nicht, denn dem zypriotischen Bankensystem wird vorgeworfen, weiterhin nicht vollständig nach europäischen Standards zu arbeiten.

Die Zypern-Krise ist noch in vollem Gange und über ein Hilfsprogramm wurde noch nicht entschieden. Tendenziell ist aber eher nicht zu erwarten, dass die EU Zypern keine Unterstützung zukommen lässt. Es bleibt zu hoffen, dass die Rettungsmaßnahmen mit klaren Auflagen verbunden werden, die auch dazu führen, dass die Steueroase Zypern endgültig geschlossen wird.

4. Februar 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Sebastian Grünewald. Über den Autor

Sebastian Grünewald ist seit mehreren Jahren als freier Autor und Redakteur tätig. In dieser Funktion informiert und berät er seine Leserschaft im Bereich Geldanlage und Private Vorsorge.