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Steuertipps 2015 – 10 wertvolle Ratschläge für Anleger

Sicher fragen auch Sie sich alle Jahre wieder:

Wie sieht es mit der Steuer aus? Welche steuerlichen Vorteile kann ich als Anleger nutzen? Wo drohen auf der Steuerseite Gefahren?

In diesem Beitrag erhalten Sie nun 10 hilfreiche Steuertipps für Kapitalanleger. Diese Ratschläge zum leidigen Thema Steuern ersetzen keinen Steuerberater, können Ihnen aber wichtige Denkanstöße geben.

Zunächst erfahren Sie, wie Sie die Doppelbesteuerung von Auslandsfonds vermeiden können.

Steuertipp 1: Doppelbesteuerung bei Auslandsfonds vermeiden

Ausländische Investmentfonds können Sie leicht an der ISIN, also der internationalen Wertpapierkennnummer, erkennen.

Beginnt die ISIN mit DE, dann handelt es sich um einen deutschen Fonds. Beginnt die ISIN dagegen z.B. mit LU, dann ist dieser Fonds in Luxemburg aufgelegt worden.

Rund 2/3 der Auslandsfonds thesaurieren die Erträge im Fondsvermögen. Das heißt: Es gibt keine direkte Ausschüttung an die Fondsbesitzer, denn die Zinsen und Dividenden werden direkt wieder in den Fonds investiert.

Auslandsfonds, die die Erträge thesaurieren, bedeuten für Sie Mehrarbeit.

Denn die Bankinstitute halten die Abgeltungsteuer auf thesaurierte Erträge wie Zinsen und Dividenden nur ein, wenn die Fonds von Deutschland aus verwaltet werden, nicht bei ausländischen Fonds.

Hier müssen Sie selbst aktiv werden und die wieder angelegten Erträge über Ihre Steuererklärung deklarieren und versteuern.

Verkaufen Sie den Fonds nach einigen Jahren, so wird der Kurs-Gewinn versteuert; die Bank hält automatisch 25% Abgeltungsteuer plus Nebensteuern vom Gewinn zurück und führt die Steuern an das Finanzamt ab.

Sie sollten unbedingt die Ausnahme beachten

Sie haben den Fonds vor 2009 gekauft; dann gilt der Bestandsschutz und die Gewinne bleiben steuerfrei.

Das Problem hierbei ist: In dem Kursgewinn sind auch die bereits versteuerten thesaurierten Erträge enthalten. Es findet also eine Doppelbesteuerung statt. Die Korrektur findet über die Steuererklärung statt.

Daher müssen Sie immer die thesaurierten Erträge in Ihrer Steuererklärung angeben. Der Kursgewinn wird dann um die bereits versteuerten Erträge korrigiert.

Rechnen Sie dem Finanzamt genau vor, was bereits versteuert wurde. Heben Sie dazu die Steuerbescheide auf, sowie die Banknachweise über die thesaurierten Erträge.

Unter Umständen erstreckt sich der Korrekturbedarf über einige Jahre, z.B. bei

Sparplänen. Wurden die Fonds-Anteile vererbt, sind die Daten des Vorbesitzers dazu notwendig.

Musterbeispiel für die Korrektur:

Im Jahr 2010 kauft ein Anleger 1.000 Anteile an einem thesaurierenden Auslandsfonds für 20 € und verkauft im Jahr 2012 für 30 € je Anteil.

In 2010 und 2011 hat der Fonds 1,00 € je Anteil Erträge erwirtschaftet. Der Kursgewinn in Höhe von 10.000 € wird mit 25% Abgeltungsteuer belastet, die Bank führt 2.500 € an den Fiskus ab.

In den Jahren 2010 und 2011 wurden jedoch bereits Erträge in Höhe von jeweils 1.000 € versteuert, insgesamt 500 € Abgeltungsteuer (1.000 € x 2 x 25%).

Weist der Anleger aber die bereits versteuerten thesaurierten Erträge nach, so erhält er vom Finanzamt Geld zurück.

Die Rechnung: 10.000 € Kursgewinn abzüglich 2.000 € Erträge macht 8.000 € „tatsächlichen“ Kursgewinn. Darauf 25% Abgeltungsteuer ergeben 2.000 €, gezahlt wurden bereits 2.500 €. Somit erhalten Sie als Anleger 500 € Steuern zurück.

Steuertipp 2: Doppelbesteuerung bei Auslands-Dividenden

Nun haben Sie also bereits erfahren, wie Sie die Doppelbesteuerung der Erträge von Auslandsfonds vermeiden.

Jetzt werde ich Ihnen verraten, wie Sie die Doppelbesteuerung von Auslands-Dividenden vermeiden können.

Hintergrund: Die Quellensteuer

Fast alle Staaten erheben bei Dividendenzahlungen, die ins Ausland gehen, eine Steuer, die sogenannte Quellensteuer.

Erst dann fließt der Betrag in die ausländischen Depots. Hier in Deutschland muss die Depot-Bank anschließend eine Steuer in Höhe von 25% erheben und an den Fiskus abführen.

Um diese 2-fache Belastung abzufedern, hat Deutschland mit mehr als 80 Staaten ein sogenanntes Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) abgeschlossen.

Im DBA wird auch geregelt, mit wie viel Prozent die Auslandsabgabe auf die Abgeltungsteuer angerechnet werden kann. In den meisten Fällen sind es 15%.

Doch einige Staaten behalten mehr Quellensteuer ein als in Deutschland angerechnet wird: Die Schweiz z.B. greift mit 35% zu, Österreich mit 25%. Doch dieses Geld können Sie sich teilweise vom Fiskus zurückholen.

Sie können die Quellensteuer zurückfordern

Als Anleger können Sie einen Antrag stellen, den nicht angerechneten Steueranteil vom Quellensteuerstaat zurückzufordern.

Als unkompliziert gilt das Verfahren mit der Schweiz und Österreich. Schwieriger wird es in Italien: Die Rückerstattung kann hier unter Umständen viele Monate dauern.

Das Bundeszentralamt für Steuern stellt im Internet eine umfangreiche Liste bereit (www.bzst.de Stichwort „Steuern International“ und „Ausländische Quellensteuer“).

Ebenfalls auf dieser Seite finden Sie Erstattungsanträge und die Adressen der ausländischen Finanzbehörden.

Beachten Sie aber, dass es Fristen gibt, die eingehalten werden müssen. Wer sich nicht selbst darum kümmern möchte, kann auch die Hilfe der Depot-Bank in Anspruch nehmen.

Für eine Gebühr von etwa 30 bis 40 € je Dividendentitel helfen einige Banken bei der Rückerstattung von ausländischen Quellensteuern. Aber auch Ihr Steuerberater kann Ihnen behilflich sein.

Die Berechnung der Erstattung

Zur Veranschaulichung noch ein Musterbeispiel, wie sich die Rückerstattung der Quellensteuer berechnet:

Ein Anleger erzielt in der Schweiz Dividenden in Höhe von umgerechnet 2.500 €. Davon behält die Schweiz zunächst 35%, also 875 € ein.

Der Rückerstattungsantrag (zu finden unter www.bzst.de Stichwort „Ausländische Quellensteuer“) wird an die Schweizer Steuerverwaltung geschickt.

Der Schweizer Quellensteuerabzug nach DBA beträgt (15% von 2.500 €) 375 €. Die Erstattung nach Antrag in der Schweiz beträgt 500 € (20% von 2.500 €).

Der deutsche Fiskus rechnet wie folgt: 625 € (25% von 2.500 €) abzüglich Anrechnung der Schweizer Steuer in Höhe von 375 € (15% von 2.500 €).

Es wurden 250 € Abgeltungsteuer realisiert, das entspricht 10% von 2.500 €. Ihre Gesamtsteuerbelastung liegt dann bei 625 € (15% Schweiz + 10% Deutschland = 25%).

Praxis-Tipp: Laut Bundesfinanzhof (BFH) ist Ihr Finanzamt dazu verpflichtet, Ihnen in diesen Steuer-Fragen behilflich zu sein.

Steuertipp 3: Steuerfreie Gewinne mit Gold und Silber erzielen

Nachdem Sie nun auch wissen, wie Sie die Doppelbesteuerung von Auslands-Dividenden vermeiden können, möchte ich als nächstes schildern, wie Sie steuerfreie Gewinne mit Gold und Silber erzielen können.

In diesen Zeiten befinden sich der Gold- und auch der Silberpreis auf einem äußerst niedrigen Niveau.

Das bedeutet, dass Sie – wenn Sie so wollen – Gold und Silber relativ günstig im „Schlussverkauf“ erwerben können.

3 Gründe für physisches Gold und Silber:

Es gibt 3 gute Gründe, warum der Kauf von Gold und Silber auch in physischer Form (also in Form von Barren und/oder Münzen) empfehlenswert ist.

Der 1. Grund ist, dass ich die heutigen Preise für Gold und Silber für zu niedrig halte und es daher aus meiner Sicht mittel- und langfristig die Chance auf Kursgewinne gibt.

Der 2. Grund: Sie müssen Gewinne aus Veräußerungen von physischem Gold und Silber nach einer Haltefrist von 1 Jahr (sogenannte Spekulationsfrist) nicht versteuern.

Ein Hinweis für schnell agierende Trader:

Bei kurzfristigen profitablen Veräußerungs-Geschäften binnen der Jahresfrist nach dem Kauf greift nicht die Abgeltungsteuer mit dem Satz von 25%, sondern Ihr persönlicher Steuersatz – und der kann deutlich über 25% liegen.

Grund 3: Sie müssen beim Erwerb von Gold keine Mehrwertsteuer entrichten. Bei Silber hingegen beträgt der Mehrwertsteuersatz seit dem 01. Januar 2014 19% (vorher lediglich 7%).

Unterschied zu mit Gold hinterlegten Wertpapieren

Wenn Sie in mit Gold hinterlegte Wertpapiere investieren wollen, müssen Sie etwas tiefer in die Steuertasche greifen.

Wenn Sie Goldanleihen oder -zertifikate, wie zum Beispiel ETCs oder Xetra-Gold, besitzen, müssen Sie auf entstehende Kursgewinne die Abgeltungsteuer zuzüglich des Solidaritätszuschlages sowie eventuell Kirchensteuer zahlen.

Dies gilt unabhängig davon, ob das Wertpapier einen Lieferanspruch auf das physische Edelmetall verbrieft oder nicht.

Damit hat der Fiskus die Hoffnung der Eigentümer von Xetra-Gold & Co. vorerst zerstört, dass diese – wie beim Kauf von physischem Gold – nach einer Haltefrist von 1 Jahr mit ihren Veräußerungsgewinnen steuerfrei davonkommen.

Wie Finanzverwaltung und BFH darüber urteilen

Die Finanzverwaltung hat sich in diesem Fall gegen die Ansicht des Bundesfinanzhofs gestellt (BFH, Az. IX R 62/10).

Der hatte zuvor „Vereinbarungen über einen Lieferanspruch auf Gold“ grundsätzlich wie den Verkauf von physischem Gold als ein privates Veräußerungsgeschäft eingeordnet.

Da ich die Einschätzung des BFH teile und auch davon ausgehe, dass sich diese Ansicht durchsetzen wird, rate ich Ihnen Folgendes:

Falls das Finanzamt anders als das Gerichtsurteil des Bundesfinanzhofs entscheidet, sollten Sie in einem solchen Fall Einspruch gegen Ihren Einkommensteuerbescheid einlegen.

Steuertipp 4: Alles zur Kirchensteuerreform

Kommen wir nun zum Thema Kirchensteuer; dafür zunächst ein paar allgemeine Bemerkungen zur Kapitalertragsteuer-Reform 2009:

Zu Beginn des Jahres 2009 wurde die Besteuerung von Kapitalerträgen von Grund auf geändert. Ziel der Regierung war eine Vereinfachung.

Doch was dabei herauskam, ist für die meisten Kapitalanleger mit zusätzlicher Bürokratie und einer teilweise komplizierten Handhabe bei der Steuererklärung verbunden.

Allein der Anwendungserlass zur Abgeltungsteuer umfasst über 300 Randziffern.

Das zeigt, dass das neue System doch nicht so einfach geworden ist, wie eigentlich beabsichtigt.

Nur auf den ersten Blick einfach

Im Grunde scheint es auf den ersten Blick sehr einfach zu sein:

Seit dem 01.01.2009 werden von sämtlichen Kapitalerträgen wie Dividenden, Zinsen und Kursgewinnen pauschal 25% Abgeltungsteuer zzgl. 5,5% Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer einbehalten.

Beim zuletzt genannten Punkt, der Kirchensteuer, gab es danach allerdings schon wieder eine Reform.

Die meisten Banken haben im Laufe des Jahres 2014 Informationsmaterial über den zukünftigen Kirchensteuerabzug verschickt.

Was seitdem auf Sie zukommt, erkläre ich Ihnen hier an dieser Stelle kurz und übersichtlich.

Das kommt jetzt auf Sie zu

Seit dem 01.01.2015 sind alle Banken in Deutschland verpflichtet, auf abgeltend besteuerte Kapitalerträge (z.B. Dividenden und Zinsen) automatisch auch Kirchensteuer einzubehalten und an die Finanzverwaltung zu überweisen.

Bisher mussten die Banken dies nur durchführen, wenn Sie als Kapitalanleger Ihrer Bank auch Ihre Konfessions-Zugehörigkeit mitgeteilt haben. Seit 2015 hält die Bank automatisch die Kirchensteuer ein.

Um zu wissen, welcher Konfession Sie angehören, ist jede Bank gesetzlich verpflichtet, einmal jährlich beim Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) für alle Kunden die Religions-Zugehörigkeit abzufragen.

Die erstmalige Abfrage wurde im Jahr 2014 im Zeitraum vom 01.09. bis 31.10.2014 durchgeführt.

Das BZSt teilt dann der Bank die Kirchensteuer-Abzugsmerkmale (KISTAM) mit. Darin sind Ihre Zugehörigkeit zu einer steuererhebenden Religionsgemeinschaft und der gültige Kirchensteuersatz enthalten.

Widerspruch kein „Steuersparmodell“

Es bestand die grundsätzliche Möglichkeit, der Übermittlung Ihres KISTAM zu widersprechen (Sperrvermerk).

Dazu mussten Sie eine Sperrvermerks-Erklärung beim BZSt einreichen. Das Formular ist im Internet unter der Adresse www.formulare-bfinv.de zu finden.

Diese Erklärung musste bis spätestens 30.06.2014 beim BZSt eingehen. Das BZSt hatte dann die Bank über den Sperrvermerk zu unterrichten.

Ihre Bank hat in diesem Fall keine Kirchensteuer von Ihren Kapitalerträgen einbehalten und an das Finanzamt abgeführt.

Allerdings haben Sie dann die Kapitalerträge bei der Steuererklärung anzugeben, damit das Finanzamt die Kirchensteuer nacherheben kann. Ein „Steuersparmodell“ ist der vorgestellte Sperrvermerk daher nicht.

Steuertipp 5: Bei niedrigem Steuersatz lohnt sich die Steuererklärung

Im vorangegangenen Abschnitt haben Sie alle wichtigen Details zur Kirchensteuerreform nachlesen können.

In diesem Part erfahren Sie, warum die Abgabe einer Steuererklärung besonders lukrativ ist, wenn Ihr persönlicher Steuersatz unterhalb des Abgeltungssteuersatzes liegt.

Ruhestand schützt nicht zwangsweise vor Einkommensteuererklärung

Häufig denken vor allem Menschen im Ruhestand, dass sie gar nicht zur Abgabe der Einkommensteuererklärung verpflichtet sind.

Schließlich entsprechen die Renteneinnahmen und Börsengewinne ja auch bei weitem nicht mehr dem ehemaligen Arbeitseinkommen.

Aber hier ist Vorsicht geboten, denn: Die für Sie zuständige Finanzverwaltung erhält durch Meldungen der Rentenversicherungsträger genauen Einblick in die Höhe der Renteneinnahmen.

Vergessen Sie bei der Steuerberechnung nicht die Börsengewinne

Darüber hinaus können Kapitalerträge, die Sie eventuell erfolgreich durch einen meiner Börsendienste erzielen konnten, Ihr Einkommen zusätzlich erhöhen, so dass Sie schnell über die steuerlichen Freibeträge kommen und Steuern zahlen müssen.

Die Renteneinnahmen werden seit dem Jahr 2005 mit einem immer höheren Anteil der Steuer unterworfen.

Beginnt zum Beispiel im Jahr 2012 die Rente, so werden von den Renteneinnahmen 64% besteuert. Die restlichen 36% bleiben steuerfrei.

Dieser Prozentsatz wird dann für den Rest des Lebens festgeschrieben. Unter Umständen können betriebliche Renten das Einkommen zusätzlich erhöhen.

Wann Sie Geld zurückfordern können

Die Kapitalerträge werden in Deutschland seit 2009 pauschal mit 25% (+ Soli und Kirchensteuer) besteuert.

Die Depot-Banken ziehen den Steueranteil (Abgeltungsteuer) direkt ab und leiten das Geld an das Finanzamt weiter.

Daher müssen diese Erträge in der Steuererklärung nicht zwangsläufig angegeben werden.

Allerdings kann es sich für Sie unter Umständen lohnen, freiwillig eine Steuererklärung abzugeben und eine sogenannte „Günstigerprüfung“ zu beantragen.

Sollten Sie einen persönlichen Steuersatz von unter 25% besitzen, so wird dieser niedrigere Steuersatz auch auf Ihre Kapitalerträge angewendet. Zu viel gezahlte Steuer (Einbehalt durch die Banken) wird Ihnen in diesen Fällen zurückerstattet.

Nicht unnötig beunruhigt sein

Aus diesen Gründen ist es ratsam, Ihre persönliche Einkunfts-Situation genau zu prüfen.

Haben Sie daher keine Angst vor der Aufforderung des Finanzamtes, eine Steuererklärung abzugeben.

Vielleicht winkt sogar eine Steuererstattung von zu viel gezahlter Kapitalertragsteuer. Dann glänzen die realisierten Börsengewinne noch mehr.

Steuertipp 6: So werden Spin-Offs steuerlich behandelt

Oben haben Sie erfahren, warum die Abgabe einer Steuererklärung besonders lukrativ ist, wenn der Steuersatz unterhalb des Abgeltungssteuersatzes liegt.

So weit, so gut: alles noch relativ eingängig. Bei der steuerlichen Behandlung von Spin-Offs – also von Unternehmens-Abspaltungen wird es allerdings etwas komplizierter:

Osram als Spin-Off-Beispiel

Im Sommer 2013 ging die ehemalige Siemens-Tochter Osram an die Börse. In diesem Zusammenhang fand ein sogenannter Spin-Off statt – das ist der Fachausdruck für eine Unternehmens-Abspaltung.

Die Unsicherheit vieler Anleger, wie dieser Sachverhalt steuerlich zu behandeln ist, liegt vor allem daran, dass sich die steuerlichen Regelungen durch das sogenannte Amtshilferichtlinienumsetzungsgesetz geändert haben.

Das Gesetz mit dem ellenlangen Namen wurde erst im Juni 2013, also kurz vor dem Osram-Deal, im Bundesgesetzblatt verkündet und regelt unter anderem einige Passagen des Einkommensteuergesetzes neu.

Davon betroffen sind vor allem Anleger, die Aktien von Abspaltungen halten.

Besonders wichtig in diesem Zusammenhang ist, dass einige Banken und Sparkassen diese neuen Regelungen für Spin-Offs im Fall Osram noch nicht berücksichtigt haben.

Das sorgt für zusätzliche Verwirrung bei den Aktionären.

Die steuerliche Behandlung im Musterfall Osram

Gemäß des gemeinsamen Spaltungsberichtes von Siemens und Osram treten die im Verhältnis 10:1 an die Siemens-Aktionäre ausgegebenen Osram-Aktien anteilig an die Stelle der Siemens-Aktien.

Das bedeutet, dass die Abspaltung nicht dazu führt, dass Sie als Anleger mit Ihren Siemens-Aktien Gewinne oder Verluste realisieren, sondern die Abspaltung steuerneutral erfolgt.

Entsprechend sind die Anschaffungskosten (gezahlter Preis für die Summe der Aktien) für die Siemens- und die Osram-Papiere gemäß des Spaltungsverhältnisses von 10:1 neu auf die alten und neuen Papiere aufzuteilen.

Für Sie bedeutet dies konkret, dass es für jeden Aktionär, der durch den Spin-Off Osram-Aktien erhalten hat, einen individuellen Einstandspreis gibt.

Hierzu ein Rechenbeispiel:

Sie haben im Jahr 2010 10 Siemens-Aktien zu einem Stückpreis von 55 € erworben. Der Gesamtwert des Aktienpakets beträgt also 550 €. Auf diese 10 Siemens-Aktien haben Sie 1 Osram-Aktie erhalten.

Von dieser Osram-Aktie wird jetzt 1/11 der Anschaffungskosten von 550 €, also 50 €, abgespalten.

Diese 50 € sind folglich Ihr Einstandskurs bei Osram. Wenn Sie die Osram-Aktie heute z.B. bei einem Kurs von rund 35 € verkauften, würden Sie dabei einen Verlust erzielen.

Umgekehrt würde dafür beim Verkauf Ihrer Siemens-Aktien der Kursgewinn höher ausfallen, da sich schließlich Ihre Anschaffungskosten um 1/11 verringert haben.

Steuertipp 7: Basiswissen zum Freistellungsauftrag

Vom Exkurs zur steuerlichen Behandlung von Spin-Offs nun zurück in die Spur; und zwar zum Thema Freistellungsauftrag:

Seit Beginn des Jahres 2009 werden Kapitalerträge in Deutschland pauschal mit 25% besteuert.

Darunter fallen Kursgewinne, Zinsen und Dividenden.

Seit Einführung der Abgeltungssteuer ist es dabei auch völlig egal, wie lange Sie die Positionen gehalten haben, die Ihnen die Kursgewinne, Dividenden oder Zinsen beschert haben.

Denn die bis 2009 gesetzlich verankerte Spekulationsfrist von 1 Jahr wurde mit Einführung der Abgeltungssteuer gestrichen.

Zu der pauschalen Besteuerung in Höhe von 25% kommen noch der Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls die oben bereits abgehandelte Kirchensteuer.

Dadurch werden Ihnen als Anleger knapp 30% Ihrer Kapitaleinkünfte genommen.

Diese Steuer wird direkt von Ihrer Bank ans Finanzamt abgeführt. Sie haben also keinen Einfluss darauf.

Der Ausweg

Aber einen Ausweg gibt es dennoch:

Sie können selbst dafür sorgen, dass bis zu 801 € (bei Singles und getrennt veranlagten Ehepartnern) beziehungsweise 1.602 € (bei zusammen veranlagten Ehepaaren) steuerfrei bleiben.

Bei den genannten Beträgen handelt es sich um die sogenannten Sparerpauschbeträge, die Ihnen gesetzlich zustehen.

Durch die Nutzung eines Freistellungsauftrags (oder mehrerer) sorgen Sie dafür, dass Ihre Bank die Abgeltungssteuer erst dann automatisch an das Finanzamt abführt, wenn der Freibetrag überschritten wurde.

Ihr Vorteil: Sie müssen sich das Geld nicht später über Ihre Einkommensteuererklärung zurückholen und haben dadurch unterjährig eine höhere Liquidität.

So funktioniert der Freistellungsauftrag

Der Freistellungsauftrag ist ein Formular, welches Sie bei Ihrer Bank bekommen. Bei Online-Banken finden Sie das Formular auf der jeweiligen Internetseite.

Der Freistellungsauftrag muss neben Ihrer Adresse und der jeweiligen Bankverbindung den Betrag enthalten, der von der Abgeltungssteuer unberührt bleiben soll. Dieser Betrag nennt sich „freizustellender Betrag“.

Wie Sie bereits gelesen haben, liegt dieser für Singles und getrennt veranlagte Ehepartner bei maximal 801 € und bei zusammen veranlagten Ehepaaren bei 1.602 €.

Liegt Ihrer Bank ein gültiger Freistellungsauftrag vor, weiß diese, dass sie für den „freizustellenden Betrag“ keine Abgeltungssteuer an den Staat abführen darf.

Freistellungsauftrag auch bei mehreren Banken möglich

Sie können den Ihnen zustehenden Freibetrag übrigens entweder bei einer Bank „aufbrauchen“ oder auch bei mehreren.

Pro Bank ist in jedem Fall nur ein Freistellungsauftrag einzureichen, der dann für alle Konten der entsprechenden Bank gilt.

Wenn Sie Ihren Freibetrag auf mehrere Banken aufteilen wollen, bei denen Sie Kapitaleinkünfte erzielen, müssen Sie auch mehrere Freistellungsaufträge ausfüllen.

Steuertipp 8: Vorgehen bei mehreren Freistellungsaufträgen

Nun wissen Sie also auch, warum es sehr nützlich ist, im Rahmen von Kapitaleinkünften einen Freistellungsauftrag (oder mehrere) zu verwenden:

Der Vorteil ist, dass bis zur Grenze der Freibeträge kein automatischer Steuerabzug stattfindet und Sie sich somit nicht die zu viel gezahlte Steuer rückwirkend über Ihre Steuererklärung zurückholen müssen.

Jetzt erfahren Sie, wie Sie im Optimalfall vorgehen sollten, wenn Sie mit mehreren Freistellungsaufträgen arbeiten.

Mehrere Freistellungsaufträge: Das Vorgehen

Als Ehepaar können Sie einen gemeinsamen Freistellungsauftrag stellen, wenn Sie zusammen veranlagt werden.

Dies ist vor allem dann lohnend, wenn beide Ehepartner hinsichtlich der Höhe sehr unterschiedliche Einkünfte erzielen.

Wenn Sie und Ihr Ehepartner bzw. Ihre Ehepartnerin einen gemeinsamen Freistellungsauftrag stellen, liegt der Pauschbetrag bei 1.602 €.

Im Falle einer Einzelveranlagung liegt der Betrag entsprechend bei 801 € – und somit bei der Hälfte von 1.602 €.

Ein gemeinsamer Freistellungsauftrag ist von beiden Ehepartnern zu unterzeichnen und muss auch für Einzelkonten gestellt werden – also nicht nur für Konten, die lediglich auf den Namen eines Ehepartners laufen.

Die Unterschrift beider Ehepartner im Falle eines gemeinsamen Freistellungsauftrages ist wichtig, da der Antrag ansonsten ungültig ist.

Wenn Sie und Ihr Ehepartner bzw. Ihre Ehepartnerin getrennt veranlagt werden, kann jeder Partner Beträge bis 801 € freistellen lassen. Allerdings ist ein Freistellungsauftrag für gemeinsame Konten dann nicht möglich.

Freistellungsaufträge regelmäßig anpassen

Wenn Sie im Formular nicht explizit einen Endtermin eintragen, ist ein Freistellungsauftrag theoretisch unbegrenzt gültig.

Allerdings empfiehlt es sich nicht, die Freistellungsaufträge jahrelang unverändert zu lassen, denn in der Regel werden sich Ihre Kapitaleinkünfte über die Jahre verändern.

Daher sollten Sie einmal pro Jahr Ihre Freistellungsaufträge überprüfen und im Bedarfsfall anpassen.

Zu überprüfen ist dabei Folgendes: Ist der Sparerpauschbetrag über die einzelnen Kreditinstitute noch so günstig aufgeteilt, dass er voll ausgeschöpft wird?

Erstattung zu viel gezahlter Steuern

Trotz eines oder mehrerer Freistellungsaufträge kann es passieren, dass Sie zu viele Steuern an den Staat zahlen – soweit die schlechte Nachricht.

Es gibt jedoch auch eine gute Nachricht in diesem Zusammenhang: Sie können sich die gegebenenfalls zu viel gezahlte Steuer über die Anlage KAP (Kapitaleinkünfte) im Rahmen Ihrer Steuererklärung zurückholen.

Steuertipp 9: Tipps für Besitzer von Optionsscheinen

Ob man sich als Anleger auch beim Verlust aus wertlos gewordenen Optionsscheinen etwas zurückholen kann, geht aus diesem spannenden Fall hervor:

Das Finanzgericht Düsseldorf hatte sich mit der Frage zu befassen, ob eben dieser Verlust steuerlich geltend gemacht werden kann.

Kann der Verlust eines wertlos gewordenen Optionsscheins steuerlich geltend gemacht werden?

Das Bundesfinanzministerium (BMF) sagte hierzu klar „Nein“ und stellte sich gegen ein Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 26.09.2012 (BMF-Schreiben vom 27.03.2013).

Der BFH hatte zur Rechtslage bis 2008 entschieden, dass die Aufwendungen für einen wertlos gewordenen Optionsschein als Werbungskosten bei der Ermittlung der Einkünfte aus Termingeschäften berücksichtigt werden können (BFH, Urteil vom 26.9.2012 – IX R 50/09).

Jetzt hatte das Finanzgericht Düsseldorf in einem ähnlichen Fall das Urteil zu Gunsten des Steuerpflichtigen gesprochen:

Verluste aus wertlos gewordenen Forderungen aus Termingeschäften führen zu negativen Einkünften aus Kapitalvermögen.

Damit stellte es sich wiederum dem BMF entgegen (Az. FG Düsseldorf, Urteil vom 26.02.2014 – 7 K 2180/13 E).

Der zu prüfende Musterfall

Folgender Fall war zu prüfen:

Der Kläger erwarb im Streitjahr 2011 sogenannte Call-Optionsscheine (Optionen auf steigende Kurse). Die Bank buchte später im Jahr 2011 diese Optionsscheine wertlos aus dem Depot und berechnete eine Gebühr von 30,00 €.

Der Kläger machte in seiner Steuererklärung diesen Verlust steuerlich als negative Kapitaleinkünfte geltend.

Das Finanzamt erkannte den Verlust mit Hinweis auf die oben genannte BMF-Stellungnahme nicht an. Hiergegen klagte der betroffene Anleger vor dem Finanzgericht Düsseldorf.

So hat das Finanzgericht entschieden

Das Finanzgericht Düsseldorf begründete das Urteil unter anderem wie folgt: Das Termingeschäft bleibt ohne Differenzausgleich im Basisgeschäft, wenn die Option nicht ausgeübt und als wertlos aus dem Depot ausgebucht wird.

Doch auch eine negative Differenz wäre steuerbar; so muss auch für das Nichtausüben einer wirtschaftlich wertlosen Option wegen des Gebots der Gleichbehandlung eine Abziehbarkeit der Optionsprämien als Werbungskosten möglich sein.

Der Aufwand des Klägers für den Erwerb der Optionsscheine ist als Erwerbsaufwand bei den Einkünften aus Kapitalvermögen zu berücksichtigen.

Entgegen der Finanzverwaltung ist laut Finanzgericht Düsseldorf ein wirtschaftlich sinnloses Veräußern nicht Tatbestandsmerkmal für eine steuerliche Anerkennung, sondern wird vielmehr im Zeitpunkt des Verfalls verwirklicht.

Auch das Thüringer Finanzgericht hatte bereits ähnlich wie das FG Düsseldorf entschieden (FG Thüringen, Urteil vom 09.10.2013 – 3 K 1059/11).

Steuertipp 10: Streitfälle vor Gericht – Kosten für Kapitalerträge absetzen

Bleiben wir im letzten Abschnitt einmal beim Thema rechtliche Streitigkeiten.

Wenn es um Börse und Steuern geht, ist diese Frage der größte Streitfall vor den Gerichten:

Können die Aufwendungen für Kapitalerträge von der Steuer abgesetzt werden?

Aufwendungen für Kapitalerträge steuerlich absetzen? – Seit 2009 schwer…

Seit dem Jahr 2009 ist es für die meisten Anleger ein Ärgernis, dass die Aufwendungen, die im Zusammenhang mit Kapitalerträgen anfallen, nicht mehr abgesetzt werden können.

Dazu zählen zum Beispiel die Reisekosten zu den Hauptversammlungen, fällige Zinsen für die Finanzierung der Geldanlagen, Fachliteratur und auch die Depot- sowie Vermögensverwalter-Gebühren.

Für alle diese Ausgaben, die eindeutig dem Ziel dienen, mit der Kapitalanlage Geld zu verdienen, können in Deutschland seit Einführung der Abgeltungsteuer keine Werbungskosten bei Kapitaleinkünften abgesetzt werden.

Dagegen gibt es den bereits vorab erwähnten Sparerpauschbetrag in Höhe von 801 € für Alleinstehende und 1.602 € für Verheiratete.

Einen Hoffnungsschimmer gibt es für Sie als Geldanleger aber dennoch: Immer mehr Investoren wehren sich und klagen vor den Finanzgerichten.

An diesen Musterfällen können auch Sie sich orientieren

In einem Verfahren vor dem Bundesfinanzhof (BFH) mit dem Aktenzeichen VIII R 18/14 geht es um die Frage, ob bei darlehens-finanzierten Geldanlagen die Zinsen des Darlehens in vollem Umfang steuerlich geltend gemacht werden können.

In diesem konkreten Fall hatte ein Ehepaar einen Kreditvertrag über 10 Jahre abgeschlossen. Der Kredit diente ausschließlich der Finanzierung von Geldanlagen.

Die nachgewiesenen 2.200 € an Zinsen erkannte das Finanzamt nicht an, sondern setzte nur den oben genannten Sparerpauschbetrag in Höhe von 1.602 € ab. Hiergegen richtete sich die Klage des Ehepaars.

In einem weiteren Verfahren vor dem BFH (Az. VIII R 13/13) geht es um die interessante Frage, ob entgegen der gültigen Gesetzesauffassung die tatsächlich entstandenen Werbungskosten zumindest dann abzugsfähig sind, wenn der individuelle Steuersatz unter Berücksichtigung des Sparerpauschbetrags bereits unter 25% liegt.

Praxistipp: Legen Sie Einspruch ein!

Wollen auch Sie vom Ausgang der oben geschilderten Verfahren profitieren, tun Sie Folgendes:

Sie sollten gegen Ihre noch offenen Einkommensteuerbescheide unter Hinweis auf die Aktenzeichen Einspruch einlegen und das Ruhen des Verfahrens beantragen, bis es zur endgültigen Entscheidung des BFH kommt.

Darüber hinaus heben Sie am besten vorsorglich sämtliche Belege Ihrer Ausgaben auf, um später einen Nachweis zu haben.

Schlussbetrachtung

Am Ende dieses Beitrags sollten Sie als private Investoren einige nützliche Antworten auf die anfangs genannten Grundfragen: Welche steuerlichen Vorteile kann ich als Anleger nutzen? Wo drohen auf der Steuerseite Gefahren? erhalten haben.

Und auch wenn diese Ratschläge – wie oben bereits angeklungen – selbstverständlich keinen Steuerberater zu ersetzen vermögen, so hoffe ich dennoch, Ihnen ein wenig weitergeholfen zu haben.

Für alles Weitere steht Ihnen Ihr Steuerberater natürlich gerne zur verfügung.

19. Januar 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.