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Steuertipps für fortgeschrittene Kapitalanleger

Fast alle Staaten erheben bei Dividendenzahlungen, die ins Ausland gehen, eine Steuer, die sogenannte Quellensteuer. Erst dann fließt der Betrag in die ausländischen Depots.

Hier in Deutschland muss die depotführende Bank anschließend ebenfalls eine Steuer erheben und automatisch an den Fiskus abführen. Um diese zweifache Belastung abzufedern, hat Deutschland mit mehr als 80 Staaten ein sogenanntes Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) abgeschlossen.

Im DBA wird auch geregelt, mit wie viel Prozent die Auslandsabgabe auf die Abgeltungsteuer angerechnet werden kann. In den meisten Fällen sind es 15%.

Doch einige Staaten behalten mehr Quellensteuer ein, als in Deutschland angerechnet wird. Die Schweiz greift mit 35% zu, Österreich mit 25%.

Quellensteuer zurückfordern

Als Anleger können Sie einen Antrag stellen, den nicht angerechneten Steueranteil vom Quellensteuerstaat zurückzufordern. Als unkompliziert gilt das Verfahren mit der Schweiz und Österreich.

Schwieriger wird es in Italien: Die Rückerstattung kann unter Umständen viele Monate dauern. Das Bundeszentralamt für Steuern stellt im Internet eine umfangreiche Liste bereit (www.bzst.de, Stichwort „Steuern International“ und „Ausländische Quellensteuer“).

Ebenfalls auf dieser Seite finden Sie Erstattungsanträge und die Adressen der ausländischen Finanzbehörden. Beachten Sie aber, dass es Fristen gibt, die eingehalten werden müssen.

Wer sich nicht selbst darum kümmern möchte, kann auch die Hilfe der Depot-Bank in Anspruch nehmen. Für eine Gebühr von etwa 30 bis 40 Euro je Dividendentitel helfen einige Banken bei der Rückerstattung von ausländischen Quellensteuern. Aber auch Ihr Steuerberater kann Ihnen behilflich sein.

Die korrekte Berechnung der Steuererstattung: Beispiel

Zur Veranschaulichung noch ein Musterbeispiel, wie sich die Rückerstattung der Quellensteuer berechnet:

Ein Anleger erzielt in der Schweiz Dividenden in Höhe von umgerechnet 2.500 Euro. Davon behält die Schweiz zunächst 35%, also 875 Euro ein.

Der Rückerstattungsantrag (zu finden unter www.bzst.de Stichwort „Ausländische Quellensteuer“) wird an die Schweizer Steuerverwaltung geschickt. Der Schweizer Quellensteuerabzug nach DBA beträgt (15% von 2.500 Euro) 375 Euro.

Die Erstattung nach Antrag in der Schweiz beträgt 500 Euro (20% von 2.500 Euro). Der deutsche Fiskus rechnet wie folgt: 625 Euro (25% von 2.500 Euro) abzüglich Anrechnung der Schweizer Steuer in Höhe von 375 Euro (15% von 2.500 Euro).

Es wurden 250 Euro Abgeltungsteuer realisiert, das entspricht 10% von 2.500 Euro. Ihre Gesamtsteuerbelastung liegt dann bei 625 Euro (15% Schweiz plus 10% Deutschland = 25%).

Praxis-Tipp: Laut Bundesfinanzhof (BFH) ist Ihr Finanzamt dazu verpflichtet, Ihnen in diesen Steuer- Fragen behilflich zu sein.

Kosten für Kapitalerträge absetzen

Wenn es um Börse und Steuern geht, ist das aktuell der größte Streitfall vor den Gerichten: Können die Aufwendungen für Kapitalerträge von der Steuer abgesetzt werden?

Seit dem Jahr 2009 ist es für die meisten Anleger ein Ärgernis, dass die Aufwendungen, die im Zusammenhang mit Kapitalerträgen anfallen, nicht mehr abgesetzt werden können.

Dazu zählen zum Beispiel die Reisekosten zu den Hauptversammlungen, fällige Zinsen für die Finanzierung der Geldanlagen, Fachliteratur und auch die Depot- sowie Vermögensverwaltergebühren.

Für alle diese Ausgaben, die eindeutig dem Ziel dienen, mit der Kapitalanlage Geld zu verdienen, können in Deutschland seit Einführung der Abgeltungsteuer keine Werbungskosten bei Kapitaleinkünften abgesetzt werden.

Dagegen gibt es einen Sparerpauschbetrag in Höhe von 801 Euro für Alleinstehende und 1.602 Euro für Verheiratete.

Einen Hoffnungsschimmer gibt es für Sie als Geldanleger aber dennoch: Immer mehr Investoren wehren sich und klagen vor den Finanzgerichten.

Nutzen Sie Musterfällen zur Orientierung

In einem Verfahren vor dem Bundesfinanzhof (BFH) mit dem Aktenzeichen VIII R 18/14 geht es um die Frage, ob bei darlehensfinanzierten Geldanlagen die Zinsen des Darlehens in vollem Umfang steuerlich geltend gemacht werden können.

In diesem konkreten Fall hatte ein Ehepaar einen Kreditvertrag über 10 Jahre abgeschlossen. Der Kredit diente ausschließlich der Finanzierung von Geldanlagen.

Die nachgewiesenen 2.200 Euro an Zinsen erkannte das Finanzamt nicht an, sondern setzte nur den oben genannten Sparerpauschbetrag in Höhe von 1.602 Euro ab. Hiergegen richtete sich die Klage des Ehepaars.

In einem weiteren Verfahren vor dem BFH (Az. VIII R 13/13) geht es um die interessante Frage, ob entgegen der aktuell gültigen Gesetzesauffassung die tatsächlich entstandenen Werbungskosten zumindest dann abzugsfähig sind, wenn der individuelle Steuersatz unter Berücksichtigung des Sparerpauschbetrags bereits unter 25% liegt.

Jetzt Einspruch einlegen kann sich lohnen

Wollen auch Sie vom Ausgang der oben geschilderten Verfahren profitieren, sollten Sie gegen Ihre noch offenen Einkommensteuerbescheide unter Hinweis auf die Aktenzeichen Einspruch einlegen und das Ruhen des Verfahrens beantragen, bis es zur endgültigen Entscheidung des BFH kommt.

Darüber hinaus heben Sie am besten vorsorglich sämtliche Belege Ihrer Ausgaben auf, um später einen Nachweis zu haben.

30. August 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.