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Stranded Assets: Droht Anlegern ein CO2-Desaster?

Anleger, die CO2-intensive Investments im Portfolio haben, sollten sich mit dem Begriff Stranded Assets vertraut machen.

Ölfirmen oder Energieunternehmen, die fossile Brennstoffe ausbeuten und nutzen, sind mit immer neuen Regelungen in Sachen Klimaschutz konfrontiert. Werden deren Geschäftsmodell und Assets infrage gestellt, besteht für Aktionäre die Gefahr, dass ihre Anlage regelrecht strandet.

Stranded Assets – Werte lösen sich in Luft auf

Generell bezeichnen Stranded Assets Vermögenswerte, die einer plötzlichen Wertberichtigung ausgesetzt sind. Ursache können neue Gesetze, soziale Normen oder schlicht Marktveränderungen sein, wenn etwa bestimmte Produkte durch Innovationen überholt werden. Die Assets werden wertlos.

Häufig sind es politische Vorgaben und Regeln im Bereich Umwelt, Soziales und Unternehmensführung, die Firmen vor neue Herausforderungen stellen. Diese ESG-Faktoren beeinflussen zunehmend deren Risikoprofil und werden von institutionellen Investoren beachtet.

Es geht nicht mehr nur um Profitabilität und Produktivität. Wer wichtige ESG-Standards nicht erfüllt, bekommt dies schneller am Kapitalmarkt zu spüren. Stranded Assests, die auf veränderte Rahmenbedingungen mit neuen Standards und gesellschaftlichen Werten zurückzuführen sind, machten begrifflich erstmals in den 80er Jahren die Runde.


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Damals verkauften in den USA öffentliche Organisationen ihre  Beteiligungen an der Tabakindustrie. Gesundheitsgefährdende Produkte widersprachen ihrem ethischen Verständnis. Es folgten immer schärfere Antirauchergesetze. Die Tabakkonzerne kämpfen um Image und Zukunft.

Wertewandel trifft CO2-intensive Branchen

Heute geht es vor allem um CO2-intensive Energieunternehmen. Fossile Brennstoffe wie Öl, Kohle und Gas gelten als klimaschädlich. Die Weltgemeinschaft ringt um Ziele und Standards zur Reduzierung von Treibhausgasen.

Zwar wird es dauern, bis einheitliche Vorgaben oder sogar Verbote die Brennstoffindustrie ins Mark treffen, doch für die Langzeitfolgen gibt es erste Szenarien. Analysten zufolge kann bereits die bestehende Klimapolitik mit dem Umstieg auf erneuerbare Energien bis 2030 zu einem spürbaren Nachfragerückgang führen. Geschätzte Größenordnung: weit über 1 Bio. US-$ bei Öl und Kohle.

Mehr noch: Bei konsequenter Umsetzung der Klimaziele besteht die Gefahr, dass die Unternehmen auf bis zu 80% ihrer erschlossenen Öl-, Gas- und Kohlereserven sitzen bleiben. Die bislang wertvollen Reserven würden dann zu Stranded Assets. Sie verkommen zu einer Blase weshalb auch vom „Carbon-Bubble“ gesprochen wird.

Geld statt Öl verbrannt

Rund ein Viertel der Vorkommen steht in den Bilanzen von Minenbetreibern wie Anglo American oder BHP Billiton und Ölkonzernen wie BP, Exxon oder Petrobras. Werden die Förderungen eingestellt, wird kein Öl mehr verbrannt sondern Geld. Obendrein erweisen sich dann auch die exorbitanten Erschließungskosten als Schuss in den Ölofen. Die Unternehmenswerte könnten auf über die Hälfte sinken.

Das Ausmaß der betroffenen Firmen hängt vom Aufwand der Erschließungskosten ab. Bei etablierten Ölkonzernen macht der Anteil gefährdeter Vorkommen rund 30% aus, bei kleineren Spezialunternehmen bis zu 80% und darüber.

Wann und ob es überhaupt soweit kommen wird, ist indes völlig unklar. Wenn, dann bis in ca. 30 Jahren. Vorläufig werden fossile Brennstoffe vor allem noch in Asien verstärkt nachgefragt. Außerdem macht auch in diesem Sektor die Entwicklung nicht Halt. Zum einen wird an der Energieeffizienz gearbeitet und zum anderen an Möglichkeiten, CO2 klimaneutral zu speichern.

Langfristrisiken überwiegen Chancen

Dennoch sollten Anleger Energietitel langfristig auf dem Radar haben. Immerhin haben bereits einige institutionelle Investoren, Pensions- oder Staatsfonds ihre Portfolios auf CO2-Fußabrücke untersucht und Anteile an betroffenen Unternehmen abgestoßen. Und ähnlich wie zuvor die Tabakindustrie kämpfen auch die Brennstoffunternehmen zunehmend mit einem negativen Image.

Die Gefahr, dass damit eine Abwärtsspirale der Stranded Assets ausgelöst wird, ist real. Wenn es für Unternehmen am Kapitalmarkt schwerer wird, verlieren sie an Wettbewerbsfähigkeit und Reputation, was sie für Investoren immer unattraktiver macht. Es droht der Verlust von Kapital und Rendite.

Gleichzeitig jedoch winken zukunftsträchtige Titel im Bereich erneuerbare Energien und Umweltlösungen. Auch wenn deren Kurse nach dem jüngsten Ölpreisverfall gesunken sind, so bieten sie mittelfristig Entwicklungs- und Renditepotenzial.

1. März 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.