Ein Streit ums goldene Kalb?
Deutschland möchte dem europäischen Rettungsfonds EFSF inzwischen nicht mehr Zugriff auf die eigenen Gold- und Devisenbestände geben.
In der Summe ging es dieser Tage „nur“ um 15 Milliarden US-Dollar.
Im Kern aber geht es darum, das eigenen Vermögen zu verteidigen oder einen weitgehenden Zugriff verschiedener internationaler Organisationen zuzulassen. In der Summe verteidigt Deutschland derzeit etwa 500 Milliarden US-Dollar. Für uns eine gute Nachricht.
Achtung: Sparsamkeit wird belohnt
Andere Länder, andere Sitten: Italien, Griechenland oder Frankreich träumen derzeit offenbar davon, dass die Eurozone mit ihren Institutionen EFSF oder über den IWF (den internationalen Währungsfonds) überall Zugriff haben sollte, ohne noch auf nationale Befindlichkeiten Rücksicht nehmen zu müssen.
Dabei geht es um die direkten Zugriffe auf Reserven des jeweiligen Landes.
Frankreich etwa schlug vor, dass Länder – und darunter vor allem die solventen Nationen wie Deutschland – ungefähr 250 Milliarden US-Dollar oder etwas mehr in den Rettungsfonds einzahlen sollten Bei Bedarf, so wie er sich demnächst in Italien ergeben wird, könnten dann die Gelder direkt ohne weitere Zustimmungsprozeduren ausgezahlt werden.
Eine zweite Tranche betrifft „Sonderziehungsrechte“, über die wir an dieser Stelle bereits mehrfach berichtet hatten.
Diese Sonderziehungsrechte sind eine künstliche Alternative zum Euro und ermöglichen es Staaten, die im Besitz der Rechte sind, sich über den Fonds auszahlen zu lassen.
Der internationale Währungsfonds IWF sollte von verschiedenen Zahlern genau diese Sonderziehungsrechte erhalten. Darunter befindet sich – natürlich – Deutschland.
Sonderziehungsrechte: der teure Joker
Das Gute an Sonderziehungsrechte: die können sich die Staaten fast beliebig gegenseitig ausstellen. Diese sind nicht mehr durch irgendwelche Werte wie früher noch Währungen wenigstens der Idee nach durch Gold gedeckt. Beim neuen Zugriff ging es um Sonderziehungsrechte in Höhe von 250 Milliarden US-Dollar.
Wer aber Sonderziehungsrechte hat, sollte nach dem Willen der Franzosen diese Rechte auch noch an eine Zweckgesellschaft verpfänden. Preis für Deutschland: erneut 15 Milliarden US-Dollar. Das Ergebnis ist schlicht erdrückend:
- Mehr als 500 Milliarden US-Dollar würde dieses gesamte Rettungspaket erneut kosten.
- Deutschland ist zu mindestens 20% dabei, wenn Sie den Anteil der einzelnen Rettungsmaßnahmen gewichten.
- Die jüngste Idee Frankreichs mit Sonderziehungsrechten bezieht sich auf die genannten Sonderziehungsrechte und deren Zusammenfassung in einem Fonds des IWF. Dies ist eine Vorweg-Enteignung der einfachsten Form.
Steuern werden nicht fallen, sondern steigen
GeVestor meint: Wir werden sehen, ob sich die Deutsche Regierung tatsächlich oder nur zum Schein wehrt. Schafft es Deutschland nicht, sich dauerhaft gegen diesen Zugriff zu stemmen, wird es automatisch teuer. Kein Funktionär der Eurozone ist daran interessiert, solide zu wirtschaften.
Trotz aller Steuersenkungen, die da kommen sollen – rechnen Sie dann mit weiter steigenden Steuern, gerade in der Geldanlage. Wer frühzeitig investiert, ist gegen Regelungen, die demnächst kommen, besser geschützt.
Je länger Sie etwa Aktien halten, desto größer der Zins- und Zinseszinseffekt durch die gesparten Steuerleistungen. Achtung: investieren Sie dann vor allem in so genannte „Blue Chips“.



