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Strukturelle Liquidität – langfristige Sicherung der Zahlungsfähigkeit

Die strukturelle Liquidität bezieht sich auf die Betrachtung, inwieweit Vermögensteile eines Unternehmens als Zahlungsmittel dienen oder in ein solches umgewandelt werden können.

In anderen Worten: Mit der strukturellen Liquidität betrachtet man langfristig die Möglichkeiten, seinen Verpflichtungen in der Form nachzukommen, dass entsprechende Vermögenswerte in der Bilanz zu Geld gemacht werden.

Mehr zum Thema: Verbesserung der Liquidität – Wie man seine Zahlungsfähigkeit erhält

Voraussetzung hierfür ist eine gleichgewichtige Kapitalstruktur. Das Ganze vor dem Hintergrund, dass die strukturelle Liquidität Teil der langfristigen Finanzplanung ist, um Liquiditätsrisiken zu steuern.

Strukturelle Liquidität im Kontext verschiedener Ansätze zur Liquidität

Die strukturelle Liquidität ist zunächst im gesamten Zusammenspiel verschiedener Betrachtungen und Begriffe der Liquidität zu verstehen. Relative, absolute, dispositive oder strukturelle Liquidität – jeder dieser Liquiditätsansätze zielt auf eine bestimmte Funktion im Gesamtkontext ab. In Bezug auf Unternehmen heißt dieser übergeordnete Grundgedanke:

Liquidität ist die Fähigkeit eines Unternehmens, mit vorhandenen Vermögensbestandteilen allen Zahlungsverpflichtungen nachkommen zu können. Und zwar sowohl fristgerecht als auch in voller Höhe.

Nun kann man nach verschiedenen Schwerpunkten und Blickwinkel unterscheiden:

Strukturelle Liquidität im Gegensatz zur relativen Liquidität

Die relative Liquidität ist die Zahlungsfähigkeit unter Berücksichtigung des Verhältnisses von Verflüssigungsfähigkeit und der Dringlichkeit einer Zahlung. Diese werden auch statische und dynamische Liquiditätsgrade genannt.

Die relative Liquidität zielt dabei auf die Frage ab, inwiefern ein Unternehmen jederzeit zahlungsfähig ist. Dabei werden Verbindlichkeiten und Vermögenswerte einander gegenübergestellt. Bei der relativen Liquidität ist der Zeithorizont kurzfristig.

Die absolute Liquidität betrachtet die Zahlungsfähigkeit mit liquiden Mitteln erster, zweiter und dritter Ordnung.

Mehr zum Thema: Einzugsbedingte Liquidität – wichtigste Liquiditätskennzahl

Hier können zudem die Möglichkeiten untersucht werden, ob die Liquidität durch Geldbeschaffung in Form von Krediten oder Einlageerhöhungen gesteigert werden kann.

Im Rahmen der absoluten Definition gibt es dann zum einen die dispositive Liquidität. Die betrifft die Fähigkeit von Unternehmen, durch Verflüssigung von Vermögensposten den kurzfristigen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Die dispositive Liquidität ist ein kurzfristig ausgelegtes Konzept.

Mehr zum Thema: Dispositive Liquidität – jederzeit zahlungsfähig

Strukturelle Liquidität – strategischer Ansatz

Zum anderen gibt es die strukturelle Liquidität. Bei ihr steht die Frage im Vordergrund, ob zur Erfüllung von Zahlungsverpflichtungen die Einnahmen aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit genügen. Dabei stehen nicht aktuelle Einnahmen und Verpflichtungen im Vordergrund, sondern solche, die noch zu erwarten sind.

Das Kennzeichen der strukturellen Liquidität: Sie ist eine strategische Betrachtung der Liquidität.

Hintergrund ist die langfristige Ausrichtung im Finanzmanagement eines Unternehmens. Bei der Planung der Zahlungsbereitschaft wird bei der dynamischen und damit der relativen Liquidität kurzfristig gesteuert.

Bei der strukturellen Liquidität hingegen geht es um langfristige Ansätze. Ziel ist vor diesem Hintergrund das finanzielle Gleichgewicht in einem Unternehmen. Es gilt, eine gleichgewichtige Kapitalstruktur zu sichern.

Strukturelle Liquidität sichert dispositive Liquidität

In diesem Zusammenspiel sichert die strukturelle Liquidität die dispositive Liquidität.

Die strukturelle Liquidität beleuchtet das Verhältnis von Vermögens- und Schuldenteilen in einer Bilanz. Untersucht wird dabei, ob sich Anhaltspunkte etwa für eine Überschuldung finden. Immerhin ist bei Unternehmen nicht nur die Zahlungsunfähigkeit, sondern zugleich die Überschuldung ein Grund, den Konkurs einzuleiten.

Die strukturelle Liquidität bestimmt sich nach dem Nettoumlaufvermögen (Net Working Capital) sowie den freien Kreditreserven. Das Nettoumlaufvermögen ist die Differenz zwischen dem Umlaufvermögen und dem kurzfristigen Fremdkapital. Es stellt die finanzielle Manövriermasse des Unternehmens dar.

Die Zahlungsfähigkeit ist demnach längerfristig gefährdet, wenn die Kapitalstruktur, gemessen etwa am Verschuldungsgrad, den Qualitätsnormen nicht entspricht. Diese zeigen sich in Finanzierungskennzahlen wie Verschuldungsgrad, Eigenkapitalquote oder Fremdkapitalquote.

Einzuhalten ist dabei auch die sogenannte Goldene Finanzierungsregel: Langfristiges Kapital mit langfristigem Vermögen, kurzfristiges mit kurzfristigem. Das Verhältnis von Eigen- zu Fremdkapital sollte eins zu eins betragen. Gleiches gilt für die goldene Bilanzregel, die auf das Verhältnis von Eigenkapital zum Anlagevermögen abstellt.

In der mehrjährigen Finanzplanung kann damit die Finanzierungskraft eines Unternehmens dargestellt werden. Die ist dann auch die Basis für die Entscheidung, inwieweit verschiedene Möglichkeiten zur Erhöhung der Liquidität einzuleiten sind.

24. Juli 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.