4,5% Zinsen pro Jahr bietet Ihnen nunmehr die Bank Cortal Consors auf Tagesgelder. Dies klingt gut ud liegt weit über dem Marktzins, der immer noch nicht 3% erreicht. Ich muss Sie jedoch trotzdem davor warnen, dieses Angebot anzunehmen. Sie sollen das Depotkonto bei einer anderen Bank schließen, um den vollen Zinssatz zu bekommen. Diese "Überraschung" aber ist im Zweifel teuer.
Die Konditionen: doppelt so gut wie der Markt
Zunächst einmal mein volles Verständnis für Sie, wenn Sie das neue Angebot von Cortal Consors bereits angenommen haben sollten. Denn die Konditionen sind auf den ersten Blick verlockend.
Sie erhalten mit 4,5% sogar mehr als das Doppelte dessen, was Tagesgelder und Festgelder im Durchschnitt gemeinsam schaffen. Auch mit Sparbriefen erhalten Sie maximal 3%. Geldmarktfonds bringen in diesen Tagen oft keine 2%. Offene Immobilienfonds schließen statt der sonst über Jahre üblichen 4% zu schaffen.
Daher ist das Angebot auf den ersten Blick gut. Nur, wenn Sie noch nicht gewechselt haben, empfehle ich Ihnen, sich die Konditionen noch einmal genau mit mir anzusehen. Dies ist ein Musterbeispiel dafür, mit welchen Tricks die Banken derzeit um Ihr Geld kämpfen.
Im Einzelnen: Zinssatz ist fest versprochen
In einem Punkt lehnt sich die Bank sogar weit für Sie aus dem Fenster. Der Zinssatz von insgesamt 4,5% ist für ein Jahr "fest". Damit wäre die Bank besser als viele andere Angebote in den vergangenen Jahren.
Meist werden die Tagesgeldzinsen nur für 3 bis maximal 6 Monate festgeschrieben. Beachten Sie allerdings:
einen Nachteil für die Bank sehe ich darin nicht, den Zinssatz fest zu schreiben. Die Zinsen werden in den nächsten Monaten und sogar Jahren steigen. Insofern geht die Bank kaum ein Risiko ein. Es wird künftig mehr Angebote geben, bei denen die Zinsen fest sind. Daher: kein Punkt für die Bank.
Im Einzelnen: Bis zu 20.000 Euro verzinst
Typisch für die Angebote zu Tagesgeldern - oder auch gute Festgeldkonten - ist es, dass eine Bank Zinsen nur für eine vergleichsweise geringe Summe verspricht. Bei Cortal Consors sind es hier 20.000 Euro.
Rechnen Sie kurz mit: Wenn Sie bei einer Bank vor Ort 2% auf 20.000 Euro kassieren, sind dies 400 Euro jährlich. Cortal Consors zahlt Ihnen im Maximalfall 900 Euro. Nach Steuern allerdings sinkt Ihr Vorteil.
Auf den Differenz-Betrag von 500 Euro zahlen Sie noch die Abgeltungssteuer von knapp 30% inklusive der Kirchensteuer und dem Solidaritätszuschlag. Das heißt, es bleiben noch 330 Euro an Nettovorteil für Sie übrig. Das sind immer noch 100% mehr als bei den schlecht verzinsenden Filialbanken. Nur: Wenn Sie mehr als 20.000 Euro investieren, sinkt der relative Vorteil schnell.
Insgesamt meine ich, dass ein Nettovorteil von gut 300 Euro den Aufwand kaum lohnt, das Konto zu wechseln. Entscheiden Sie jedoch selbst. Es gibt weitere Nachteile.
Altes Depotkonto schließen
Cortal Consors zahlt "nur" 3,5% Zinsen auf die maximal 20.000 Euro, wenn Sie bei einer anderen Bank noch ein Depotkonto unterhalten. Nur, wenn Sie auch noch das Depotkonto schließen, erhalten Sie einen weiteren Prozentpunkt(!) mehr Zinsen.
Übersetzt gesagt: für maximal 200 Euro von den maximal 20.000 Euro schließen Sie im Idealfall - aus Sicht der Bank - ein ganzes Depotkonto.
Zu den Konditionen des eigenen Depotkontos aber sagt Cortal Consors in der Werbung zunächst nichts. Theoretisch müssten Sie vergleichen. Dies habe ich schonmal für Sie gemacht.
Depotkonto: Konditionen gut, aber nicht perfekt
"Schlecht" ist das Depotkonto von Cortal Consors nicht. Nur: Es ist möglich, dass Sie bei Ihrer alten Bank bessere Konditionen haben. Dies hängt vor allem davon ab, wieviel und wie oft Sie mit Wertpapieren handeln. Aber:
Wenn Sie bereits einen günstigen Anbieter haben, lohnt sich ein Wechsel noch viel weniger. Legen Sie "nur" 25.000 Euro im Jahr neu an oder wechseln die Position aus, zahlen Sie dafür Gebühren in Höhe von zumindest 250 Euro - mit allen Gebühren, die sich aus dem Handel ergeben.
Zusätzlich zahlen Sie schnell 50 bis 70 Euro Depotkosten, so dass Sie mit 300 Euro Kosten mindestens kalkulieren müssen. Bei einer günstigen Depotbank jedoch sparen Sie schnell über die Handelsgebühren 50 Euro ein. Im Zweifel kann Ihr Vorteil daher auf einen Betrag von vielleicht 200 Euro dank der höheren Zinsen.
Gesamtergebnis: Wechsel lohnt nicht
Sie sehen schon anhand der geringen Zahlen, worauf ich hinaus will: die Überraschung bei Cortal Consors ist groß. Dass Sie das Depotkonto einer anderen Bank noch schließen sollen, kann sich aus meiner Sicht nicht lohnen.
Das ganze Angebot zeigt vielmehr: der Krieg um Ihr Geld nimmt zu. Banken suchen angesichts der demnächst steigenden Zinsen an den Märkten immer aggressiver nach Neukunden. Dies aber geht über Zinsen.
Da die Banken aber gerade höhere Zinsen vermeiden wollen, rechnen Sie mit Scheinangeboten aus den verschiedensten Ecken. Das Angebot von Cortal Consors ist nur der Anfang für "neue" seltsame Angebote. Ich schlage Ihnen eine andere Strategie vor, mit der Sie die Zinsen in Ihrem Depot und für Ihr Geld erhöhen können.
Mischfonds sind jetzt richtig
Sie können zum Einen auf meine Strategie zurückgreifen, die auf Dividenden zurückgreift. Die Dividenden alleine im Dax werden 2012 noch einmal steigen, erwarte ich. Die Dividendenrendite liegt bei einem Einstieg in die Dax Werte zum heutigen Marktkurs bei etwa 3,3%.
Wenn Ihnen aber für die Zinsseite Ihres Depots das Risiko zu hoch ist, greifen Sie zu einem Mischfonds. Mischfonds haben den Vorteil, zwischen Anleihen und Aktien relativ frei hin- und herschalten zu können.
Viele der aktiv handelnden Fonds schaffen damit allerdings keine Mehrrendite, sondern bleiben oft hinter gut verzinsten Anleihen zurück. Daher kommt es auf die Auswahl an. Die guten Fonds werden in den kommenden Jahren wie bislang etwa 6% bis 7% schaffen können, meine ich.
Mischung machts: 6% bis 7% sind möglich
Ich kalkuliere für die Aktienmärkte in den nächsten Jahren aufgrund der aktuellen Bewertung Renditen in Höhe von 10% ein - mindestens. Dies betrifft die Aktien aus dem deutschsprachigen Raum sowie Werte aus Wchstumsmärkten.
Anleihen hingegen bringen inklusive der Zinsen Renditen in Höhe von vielleicht 3%. Von einem guten Mischfonds erwarte ich, dass er in den nächsten Jahren zumindest etwa 50% des Vermögens in Aktien investiert.
Damit aber können Sie eine Rendite von 6,5& erwarten: 50% verzinsen sich mit 10% und mehr, 50% mit etwa 3%. Dies ergibt meine erwartete Rendite.
Carmignac-Fonds bietet sich an
Wenn Sie einen solchen Mischfonds suchen, verweise ich auf den Carmignac Patrimoine A. Diesen haben wir langristig auch auf der Empfehlungsliste des "Neuen Deutschen Geldanlagebriefs". Zuletzt schwächelte der Fonds etwas. Nur:
Investieren Sie in einen solchen Fonds, dann brauchen Sie einen längeren Atem. Kurzfristige Spekulationen sind bei keinem Mischfonds am Markt sinnvoll.
Ich empfehle: Falls Sie mehr als 10.000 Euro mit höheren Zinsen investieren wollen, bleiben Sie mit einem Teil des Geldes bei Ihrer bisherigen Bank. Warten Sie höhere Zinsangebote in den nächsten (!) Monaten ab.
Den anderen Teil dieses Vermögens investieren Sie in einen soliden Mischfonds, wenn Sie das Geld für zumindest 12 Monate entbehren können. Am besten jedoch gehen Sie von einem Zeithorizont von 24 Monaten aus.
Solch einen Fonds können Sie jederzeit verkaufen - ohne Nebenbedingungen wie bei dem Tagesgeldkonto von Cortal Consors. Auch nach oben gibt es keine Investment-Beschränkungen. Daher gilt für dieses wie für alle anderen neuen Tagesgeldkonto-Angebote:
Vorsicht. Ein Wechsel lohnt fast nie.
- Die Zinsen sind zu gering.
- Netto reduziert sich der Gewinn in aller Regel auf lächerliche Beträge.
- Das Anlagevolumen ist auf zu geringe Vermögen beschränkt.
Warten Sie im Zweifel auf höhere Zinsen - es wird sich lohnen.
Das Tagesgeldkonto von Cortal Consors ist kein Einzelfall - auch andere Banken werden Ihnen "neue" Tagesgeldkonditionen und Depotbank-Konditionen anbieten. Auch da wird gelten: es lohnt sich nicht. Im Zweifel können Sie uns fragen: wir antworten Ihnen gern. Die Kontaktadressen finden Sie im Impressum.



