MenüMenü

Gratis Studie zum kostenlosen Download:
Neu: 3 Topaktien für das Jahr 2017 . . . Download hier ➜

Tariflicher Mindestlohn: Hier scheiden sich die Geister

Das Thema Mindestlohn ist besonders in Deutschland nicht so einfach.

Theoretisch gibt es nämlich sogar zahlreiche tariflich festgelegte Lohnuntergrenzen. Lesen Sie hier mehr zu den Unterschieden.

Tariflicher Mindestlohn entspricht nicht gesetzlicher Lohnuntergrenze

Wenn es um die Forderung von Mindestlöhnen geht, muss man wissen, dass es bereits tarifliche Regelungen in Deutschland gibt. Anders als ein flächendeckender gesetzlicher Mindestlohn gelten diese aber immer nur innerhalb einer Branche und sind auch dort oftmals regional verschieden.

Tatsächlich ist die Vielfalt an tariflichen Mindestlöhnen in Deutschland verwirrend und in diesem Ausmaß einzigartig in der gesamten Europäischen Union.

Im ganzen Bundesgebiet arbeiten einer Studie des Bundesarbeitsministeriums rund 3,8 Mio. Menschen für einen tariflichen Mindestlohn.

Dieser liegt im Durchschnitt bei 7,50 € pro Stunde. In NRW liegt die Quote der tariflich abgesicherten Verträge einer Schätzung zufolge weit unter 10%.

Mehr zum Thema: Mindestlohn: Definition und Erklärung

Doch alleine im Friseurhandwerk existieren 16 unterschiedliche tarifliche Mindestlohngrenzen.

Der Grund liegt auf der Hand: Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften sind regional organisiert und haben die Befugnis, für ihren Einflussbereich Löhne und Gehälter mit den Arbeitgebern auszuhandeln.

Dabei streben sie zwar stets eine Anpassung an das überregionale Preisniveau für Waren und Dienstleistungen an, doch der Erfolg einer Tarifverhandlung und auch die gesteckten Ziele variieren naturgemäß.

So kommt es, dass die Gewerkschaften verschiedener Bundesländer auch unterschiedliche tarifliche Mindestlöhne vereinbaren.

Nicht jeder tarifliche Mindestlohn wird auch angewendet

Ein weiteres Problem: Obwohl also zahlreiche Vereinbarungen über einen tariflichen Mindestlohn in verschiedenen Branchen bestehen, muss sich noch lange nicht jeder Arbeitgeber auch daran halten.

Viele Unternehmen und Betriebe sind nicht Mitglied im Arbeitgeberverband oder besitzen eine Mitgliedschaft ohne Tarifbindung. Dies führt nach Expertenschätzungen dazu, dass etwa 50% aller Beschäftigten gar nicht von den Tarifverträgen erreicht werden.

Selbst wenn ein Betrieb die tariflichen Vereinbarungen befolgt, liegen die Mindestlöhne oftmals deutlich unter der Grenze, die von der NRW-Landesregierung gefordert wird.

Als Beispiele können hier etwa die Landwirtschaft mit 6,42 €, das Buchbinderhandwerk mit 5,83 € und die Fleischverarbeitung mit 6,40 € pro Stunde dienen.

Mehr zum Thema: Gesetzlicher Mindestlohn: Positionen von Parteien und Verbänden

Verlässt man Nordrhein-Westfalen und wendet sich den ostdeutschen Gebieten zu, wird es noch drastischer. In Sachsen lag der tarifliche Mindestlohn im Friseurhandwerk laut dem Tarifspiegel von 2012 bei 3,82 € in der Stunde.

Gesetzlicher Mindestlohn soll Sozialausgaben verringern

Diese Situation soll durch die Einführung flächendeckender gesetzlicher Mindestlöhne bereinigt und verbessert werden, jedenfalls wenn es nach dem Willen der SPD geht.

Dabei spielen nicht nur die Argumente der sozialen Gerechtigkeit und der höheren Motivation für Berufseinsteiger eine wichtige Rolle. Auch für die steuerliche Belastung der Allgemeinheit hätte ein gesetzlicher Mindestlohn Vorteile.

Denn: Wer trotz 40-Stunden-Woche nicht von seinem Job leben kann, geschweige denn eine Familie ernähren, dem bleibt nur der Gang zum Arbeitsamt.

Seit Jahren wächst die Anzahl derer, die neben dem Job zusätzliche Sozialhilfe beantragen und diese Ausgaben müssen wiederum von der Allgemeinheit getragen werden.

25. Juni 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.