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Tobin-Tax: Währungssteuer gegen Spekulanten

Der US-Wirtschaftswissenschaftler James Tobin (1918-2002) hat die Idee zu der Abgabe gehabt, die seither seinen Namen trägt.

Die Tobin-Tax wollte er für Devisengeschäfte einführen, um den spekulativen Anteil an Kursschwankungen der betroffenen Währungen zu begrenzen.

Tobin-Tax steht auf der Fahne von attac

Demgegenüber sollten die Währungen stärker die realwirtschaftliche Situation in den Ländern widerspiegeln können. Im allgemeinen Sprachgebrauch werden oft die Tobin-Tax und die Finanztransaktionssteuer verwechselt und synonym verwendet.

Das ist deswegen nicht trennscharf, weil die Tobin-Tax von ihrem Erfinder erdacht und bestimmt ist für den Handel mit Devisen. Eine Finanztransaktionssteuer dagegen soll in erster Linie den Handel mit Wertpapieren regulieren und stabilisieren helfen.

Bekannt wurde die Tobin-Tax der Öffentlichkeit unter anderem durch einen Artikel von Ignacio Ramonet in der französischen Monatszeitung „Le Monde diplomatique“. Seine Forderung in diesem Artikel war die Einführung einer solchen Devisenhandelssteuer. Der Artikel führte zur Gründung der globalisierungskritischen Organisation attac, die bis heute die Einführung der Tobin-Tax fordert.

Auf was die Tobin-Tax erhoben worden wäre

Tobin erdachte die Steuer für Devisengeschäfte zwischen verschiedenen Ländern, also grenzüberschreitende Geldtransfers. Die Höhe der Abgabe würde seiner Idee zufolge bei zwischen 0,05 und 1% liegen. Ähnlich wie die Pläne für Finanztransaktionssteuern wäre die Steuer selbst also vergleichsweise gering.

Da aber auf den Devisen wie auch Wertpapiermärkten kurzfristige Spekulationen mit geringen Margen und hohen Umsätzen stattfinden, könnten diese auch durch die vergleichsweise geringe Besteuerung effektiv unterbunden werden, meinen die Befürworter.

Für und Wider eine Tobin-Tax

Vertreter der Einführung einer Tobin Tax wollen damit also kurzfristige Spekulationen verhindern, weil die sich nach ihrer Ansicht negativ auf die betreffenden Volkswirtschaften auswirken können. So kam es in der Tat in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder zu Verwerfungen und Krisen, die an den weltweiten Devisenmärkten durch Spekulation angetrieben wurden.

Große Beispiele dafür etwa sind die Asien-Krise oder die Tequila-Krise in Mexiko, die ebenfalls in eine schwere Wirtschaftskrise des Landes führte. Tobin sah als Resultat einer solchen Steuer im internationalen Devisenhandel aber auch die Stärkung der jeweiligen nationalen Souveränität – vor allem in der Fiskal- und Geldpolitik. Beide Bereiche sind abhängig vom Geschehen an den Finanzmärkten und müssen gegebenenfalls auf die Schwankungen der Märkte reagieren.

Gewinne für globale Sozialprojekte

Befürworter der Steuer verweisen schließlich auf die möglichen Einnahmen durch eine Tobin-Steuer. Bei einer Steuer von 0,01 Prozent und einer Einführung weltweit würden die Erträge bei rund 125 Milliarden US-Dollar liegen.

Dieses Geld könnte dann eine Organisation wie die UNO finanziell stärken oder in Form von Entwicklungshilfe für den Ausgleich zwischen arm und reich sorgen.

Unrealistisch, sagen die Kritiker

Genau an der weltweiten Umsetzbarkeit haken die Kritiker ein. Sie meinen, eine Einführung sei in der Tat nur weltweit sinnvoll möglich. Eine weltweite Einigung aber ist derzeit alles andere als abzusehen. Zudem verkennten die Tobin-Tax-Befürworter die positive Rolle von kurzfristiger Spekulation im Devisenhandel.

Demnach würden die kurzfristigen Trades sogar Ungleichgewichte und damit Schwankungen an den Devisenmärkten beheben. Eine Tobin-Tax würde das unterbinden und ergo die Schwankungen letztlich erhöhen, statt sie zu begrenzen.

12. November 2012

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Michael Fehr
Von: Michael Fehr. Über den Autor

Michael Fehr wirkt seit fast zwei Jahrzehnten am internationalen Finanzplatz Frankfurt, ist ausgewiesener Finanz- und Wirtschaftsjournalist: Er arbeitete unter anderem für die Deutsche Börse AG, das ARD-Börsenstudio und die Financial Times Deutschland.