von Heiko Seibel

Todeszins für Portugal

Todeszins für Portugal

Langsam nervt die Sache:

Europa zankt und wundert sich, wie denn die Bankrotteure vor dem Kollaps gerettet werden können.

Warum eigentlich diese Staaten aufgefangen werden sollen, fragt keiner. Mit Portugal wankt jedenfall der nächste Pleitekandidat zum Schaffott.

Todesrendite für Lissabon

Gerade hat sich Interessantes am Finanzmarkt ereignet: Die Rendite für zehnjährige portugiesische Staatsanleihen hat erstmals die Schwelle von 15% erreicht. Damit ist das Land dort, wo Griechenland im vorigen August war – einen Schritt vom Ende entfernt.

Die Kreditausfall-Versicherungen für das Land zogen auf einen neuen Rekord davon. Es dürfte noch ein halbes Jahr dauern, bis wir uns über ein neues Rettungspaket für Portugal unterhalten.

Anleihen Portugal: nächster Pleitekandidat

Entsprechend krank präsentiert sich auch der portugiesische Aktienmarkt. Er hat seinen Key-Support bei 5620 Punkten verloren, es sieht aktuell nach einer Konsolidierung im Abwärtstrend aus.

Die Kurse sollten sehr bald wieder purzeln. Insofern ist Portugal ein klarer Short-Kandidat, bis die Rettung zusammengezimmert ist. Dann würde sich ein Wechsel auf die Long-Seite lohnen.

Portugals Aktien taumeln

Immer wieder die gleiche Misere

Das ist doch mal eine schöne Abwechslung – endlich ist nicht immer nur Hellas das Epizentrum der Krise. Sofort tat Luxemburgs Regierungschef Jean-Claude Juncker das, was er immer tut:

Er forderte die Eurostaaten auf, auf einen Teil ihrer Forderungen an Griechenland zu verzichten. Bei den Verhandlungen mit den Privatgläubigern über einen Schuldenschnitt sei das geplante Ziel nicht "ganz zu erreichen".

Die Bundesregierung wies solche Forderungen zurück. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) widersprach zudem Bestrebungen, das geplante zweite Hilfspaket für Griechenland aufzustocken.

Wollen wir mal schaun, wie lange dieser Widerstand anhält. Unsere linksdrehende Presse fordert ja schon lange mehr Hilfen für Hellas. Solidarität und so – in bester sozialistischer Manier soll die EZB gefälligst die Druckerpresse anwerfen, respektive Buchgeld aus dem Nichts schaffen. Der Druck dürfte sich wegen Portugal noch erhöhen.

Magische Kaufmacht bei PIGS-Bonds

Umgehend schritt nach der Portugal-Warnung außerdem die EZB ein, um die viel zitierte Brandmauer hochzuziehen: Die Zentralbanker kauften umgehend Staatsanleihen der anderen südeuropäischen Versagerländer ein.

Bis jetzt hat der Trick geholfen – an den Börsen blieb es ruhig, obwohl im DAX wahrscheinlich schon eine überfällige Korrektur eingesetzt hat, wenn Sie diese Zeilen lesen.

Auch die Banken griffen offenbar zu und setzten das billige EZB-Geld zum Kauf von südoreupäischen Staatsanleihen ein. Gerade borgte sich Italiens Regierung problemlos 4,5 Milliarden Euro. Sie musste den Investoren dafür nur 3,76 Prozent Rendite bieten.

Das ist der geringste Zins für Anleihen dieser Laufzeit seit August vergangenen Jahres. Noch Ende Dezember hatte die Verzinsung bei 4,85 Prozent gelegen.Die Europäische Zentralbank hatte am 22. Dezember den Bankhäusern fast 500 Milliarden Euro für drei Jahre verliehen.

Die Währungshüter gaben als Ziel aus, damit die Verspannungen am Interbankenmarkt zu lindern, wo viele Institute aus den südlichen Krisenländern kurzfristig kein Geld mehr von anderen Banken bekommen.

Auch sollte damit verhindert werden, dass die Geldhäuser ihre Kreditvergabe an die Industrie einschränken.

Und was bedeutet das nun für Investoren? Zunächst einmal eine recht hohe Ausfall-Wahrscheinlichkeit bei portugiesischen Staatsanleihen. Genau wie Griechenland wird irgendwann Lissabon einfach einen Großteil der Bonds zum Default-Fall erklären.

Wenn die Entschuldung abgeschlossen ist, sind portugiesische Aktien aber ein interessanter Fall auf der Long-Seite. Ich halte Sie auf dem Laufenden.

 
 
Bildquelle: Yuri Arcurs - Fotolia

Autor:

Heiko Seibel

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