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Transaktionssteuer: 2 Gründe für die neue Steuer

Der DAX hat es heute wieder nicht geschafft, eine charttechnisch wichtige Marke zu knacken. Seit fast einem halben Jahr enden alle Ausbruchversuche nach oben im Bereich von 6.000 bis 6.200 Punkten.

Das heutige Tageshoch lag bei 6.181 Punkten, doch dann ging dem DAX wieder die Luft aus. Einige Investoren haben Angst, dass eine neue Belastung das Börsenklima weiter eintrüben könnte. Die Einführung der Transaktionssteuer würde Börsengeschäfte teurer machen. Dennoch: Unter dem Strich bietet die neue Steuer-Idee mehr Chancen als Risiken.

Belastung muss gering bleiben

Die Transaktionssteuer soll fällig werden, wenn an der Börse Aktien, Anleihen, Derivate und andere Finanzinstrumente gehandelt werden. Der Charme dieser Steuervariante: Da der Markt riesig ist, reichen schon extrem niedrige Steuersätze, um hohe Einnahmen zu erzielen. In einer Musterrechnung hat EU-Steuerkommissar Algirdas Semeta ausrechnen lassen, dass selbst Steuersätze von 0,01 bis 0,1% pro Jahr Steuereinnahmen in Höhe von 57 Mrd. Euro bringen würden.

Selbst wenn diese Schätzung viel zu optimistisch ist und am Ende nur 30 Mrd. Euro pro Jahr eingenommen werden, würde diese Summe reichen, um dauerhaft einen Notfallfonds zu füllen. Mit diesem Fonds könnten zukünftige Krisen besser bekämpft werden.

Daher bin ich für die Einführung dieser Steuer, wenn 2 Bedingungen erfüllt werden: Zum einen darf der maximale Steuersatz nicht höher als 0,1% liegen. Ein Aktienkauf mit einem Volumen von 1.000 Euro würde dann eine Steuerpflicht von 1 Euro auslösen. Das können auch Privatanleger verkraften. Zum anderen dürfen die so erzielten Steuereinnahmen nicht im allgemeinen EU-Haushalt verschwinden. Mit dem Geld muss ein Notfallfonds aufgebaut werden.

Gegenargument: Standort wird geschwächt

Die Gegner der Transaktionssteuer argumentieren damit, dass der heimische Finanzstandort geschwächt wird, wenn diese Steuer nicht weltweit eingeführt wird. Die Überlegung: Wenn Börsengeschäfte in Frankfurt und Paris besteuert werden, in London oder New York jedoch nicht, handeln die großen Investoren einfach an den Börsen ohne Steuerpflicht.

Dadurch wird der heimische Finanzstandort geschwächt. Das Argument lässt sich nicht von der Hand weisen. Kleinere Steuer-Experimente haben in der Vergangenheit genau diesen Effekt gezeigt. Allerdings geht der EU-Steuervorschlag genau auf dieses Argument ein. Der Lösungsvorschlag: Es ist nicht entscheidend, an welcher Börse gehandelt wird, sondern wo der Marktteilnehmer seinen Sitz hat (Ansässigkeitsprinzip).

Wenn die Deutsche Bank ein Aktienpaket an der Börse New York kauft, würde die Transaktionssteuer in Deutschland fällig, da die Bank hier ihren Hauptsitz hat. Wenn ein Marktteilnehmer die Steuer umgehen will, müsste er also den Sitz ins Ausland verlegen. Das ist in einigen Fällen denkbar, aber eine Massenflucht ist unwahrscheinlich.

Hauptgegner: Hochfrequenzhändler

Es ist erstaunlich, wie stark diese Steueridee bekämpft wird. Seit Ausbruch der Bankenkrise 2008 taucht die Idee fast täglich irgendwo auf. Seit 2011 gibt es auf EU-Ebene einen relativ gut gemachten Musterentwurf. Dennoch wird immer wieder gebremst. Verantwortlich sind nicht die Privatanleger. Hinter den Kulissen kämpfen einige große Marktteilnehmer gegen die Steuer: Die Hochfrequenzhändler.

Mit computergestützten Börsenprogrammen setzen diese Händler auf winzige Kursunterschiede an den unterschiedlichen Märkten. Damit sich das lohnt, müssen entsprechend riesige Summen eingesetzt werden. In der Theorie sind diese Händler sogar hilfreich. Je liquider ein Markt, desto fairer sollten die Preise sein. Das große Aber: Es gibt den großen Verdacht, dass die neuen Computerprogramme ein Grund dafür sind, dass die Börsenkurse immer unberechenbarer werden.

An der Börse gibt es immer häufiger „Lawinenwarnungen“ mit riesigen Kursbewegungen, obwohl es dafür keinen sichtbaren, rationalen Grund gibt. Ein Steuersatz von 0,1% würde dafür sorgen, dass viele Hochfrequenzhändler nicht mehr profitabel arbeiten können. Ein Nebeneffekt dieser Steuer wäre also, dass ein unberechenbarer Handelsteilnehmer an Gewicht verliert. Das wäre zu begrüßen.

11. Januar 2012

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.