Seit heute Mittag ist es amtlich: Die EZB hat sich von der Niedrigzinspolitik verabschiedet und die zuletzt historisch niedrigen Leitzinsniveaus um 0,25 Prozentpunkte auf 1,25 % angehoben. Der EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hatte die Gerüchte in die Tat umgesetzt.
Doch so überraschend kommt der heutige Zinsschritt doch nicht, denn zumindest zwischen den Zeilen hatte Trichet auf den letzten EZB-Sitzungen die Möglichkeit einer nahenden Zinserhöhung durchblicken lassen.
Damit wurde die erste Antwort auf die zuletzt gestiegenen Inflationszahlen gegeben. Dazu muss man aber wissen, dass die EZB, anders als die amerikanische Notenbank, die Preisstabilität als oberstes Prinzip ansieht. Die Inflationsrate war zuletzt im Euro-Raum um +2,6 % angestiegen und damit oberhalb der von der EZB ausgegebenen Inflationsgrenze von 2,0 %. Weitere baldige Zinsschritte sind nicht ausgeschlossen.
Experten befürchten, dass weitere Zinserhöhungen die fragile Konjunkturentwicklung im EU-Raum belasten würden. Auch haben sich in den letzten Tagen die Vorzeichen geändert. Pünktlich zum Frühlingsanfang hatte Portugal, als drittes Land nach Irland und Griechenland, die EU um Hilfe gebeten.
Ziemlich genau ein Jahr nach Beginn der Währungskrise in Griechenland könnten bis zu 80 Milliarden Euro von Portugal benötigt werden. Erschwerend kommt nun die Tatsache hinzu, dass die Zinsen für die Hilfskredite der Euro-Partner ansteigen könnten und damit die Refinanzierung Portugals noch schwerer werden würde.
Welche Folgen haben die Zinserhöhungen für den Verbraucher?
Zunächst muss man festhalten, dass die aktuelle Anhebung der Leitzinsen mit nur +0,25 % sehr gering ausgefallen ist und damit auch tatsächlich nur sehr kleine Auswirkungen haben wird. Viele sprechen von einem „symbolischen Akt“. Dennoch könnte es zu weiteren Zinsschritten kommen.
Viele Banken haben infolge der ersten Zinserhöhungsgerüchte bereits die Zinsen auf Spareinlagen leicht erhöht. Die Tagessätze für Neukunden haben in den letzten Wochen etwas angezogen. Gleichzeitig – und das haben Banken in der Finanzkrise zur Perfektion getrieben – sollte es auf der Sparerseite nur zögerlich zu weiteren Anpassungen kommen.
Die Banken zeigen sich sehr träge, wenn es darum geht, bessere Konditionen anzubieten.
Auf der anderen Seite jedoch dürften die Kreditkonditionen wesentlich schneller ansteigen. Einen guten Beleg über die Bankenpraxis liefern die überteuerten Dispokredite, die trotz Rekordtiefs bei den Leitzinsen kaum nach unten angepasst wurden.
Baukredite sind auch schon bereits in der Erwartung steigender Zinsniveaus angestiegen und haben seit dem letzten Herbst bereits um etwa +1,0 % zugelegt.
Was passiert mit Ihren Aktien?
Vor etwa einem Monat berichtete ich im Rahmen dieser Publikation über meine Erkenntnisse, wonach Zinserhöhungen keine wesentlichen Auswirkungen auf die Aktienkursentwicklung hatten. Betrachtet man die Zinsschritte der EZB in den letzten 10 Jahren, so wurde der Leitzins insgesamt 14-mal angehoben.
Nimmt man nun den DAX als Maßstab zur Börsenmarktentwicklung, so entwickelte sich dieser im jeweils darauf folgenden Monat nur 4-mal negativ. Innerhalb von 6 Monaten nach einer Zinserhöhung lag der DAX lediglich 5-mal in der Verlustzone und damit 9-mal im Gewinn.



