Eigentlich war die Meldung für die Investoren des amerikanischen Pharma-Konzerns ISTA Pharmaceuticals schlecht:
Der kanadische Bieter Valeant Pharmaceuticals hat die Übernahme-Offerte zurückgezogen.
Damit fällt der 353 Mio. Dollar schwere Deal erst einmal ins Wasser – und die Aktionäre kommen nicht in den Genuss der Übernahme-Prämie. Traurig ist der Übernahme-Kandidat jedoch nicht.
Das Unternehmen gab bekannt, dass andere Optionen geprüft werden, die den Aktionären einen echten Mehrwert bringen sollen. Mit mehreren Interessenten werde über einen Deal verhandelt.
ISTA lehnt Valeant-Offerte zu Gunsten der Aktionäre ab
Der Bieter Valeant ist über das Übernahme-Aus enttäuscht. Seine Strategie ist nicht aufgegangen. Valeant hatte versucht exklusive Verhandlungen mit ISTA aufzunehmen, um durch Buchprüfung einen Informationsvorsprung gegenüber den Konkurrenten zu bekommen oder im Idealfall sogar sehr günstig den Übernahme-Kandidaten schlucken zu können.
Das wurde von ISTA durchschaut. Die Offerte sei unangemessen und alle Übernahme-Interessenten sollen gleich behandelt werden. Vom Management eine pflichtbewusste Entscheidung zu Gunsten der Aktionäre. Denn bei einer großen Anzahl von Bietern ist dadurch ein höherer Übernahme-Preis wahrscheinlich.
6,50 Dollar, 7,50 Dollar, 8,50 Dollar – Valeant steigt aus
Valeant hat Ende vergangenen Jahres den ISTA-Aktionären 6,50 Dollar je Aktie geboten. Diese Offerte wurde vom Management als völlig inakzeptabel bezeichnet. Anfang dieses Jahres wurde die Offerte auf 7,50 Dollar je Aktie angehoben, doch ISTA bezeichnete auch dieses Angebot als unzureichend.
Obwohl Valeant bei dem Angebot in Aussicht stellte, dass eine Erhöhung von bis zu 8,50 Dollar je Aktie möglich sei, lehnte ISTA ab. Der Übernahme-Kandidat setzte sogar die „Giftpille“ ein (eine Abwehrmaßnahme die Übernahmen verhindert), um den Bieter auf Distanz zu halten.
Für Valeant zu viel des Guten. Der Bieter kündigte an, dass man an der bisherigen Kostendisziplin festhalten will und zog das Angebot zurück. Damit entgeht der Konzern auch einem teuren Übernahme-Kampf.
Aktienkurs bleibt trotz Übernahme-Aus über 8 Dollar
Häufig fällt der Aktienkurs eines Übernahme-Kandidaten, wenn laufende Angebote platzen. Das hängt damit zusammen, dass der Übernahme-Preis praktisch immer über dem aktuellen Börsenpreis liegt. Wenn die Aussicht auf einen höheren Preis schwindet, fällt der Kurs.
Bei ISTA dagegen war zu beobachten, dass der Kurs relativ stabil blieb. Die Aktie notiert immer noch doppelt so hoch wie vor Bekanntwerden der Übernahme-Offerte und mit aktuell 8,10 Dollar weiterhin oberhalb des Angebotspreises von Valeant.
ISTA-Management muss liefern
Der Markt setzt darauf, dass sich ISTA mit einem der Interessenten einigen wird. Die Chancen stehen gut - denn das Management hat jüngst angekündigt, dass man die „strategische Analyse zur Steigerung des Unternehmenswerts“ planmäßig abschließen wolle.
Wenn ein Deal jedoch ausbleibt, kann sich das ISTA-Management warm anziehen. Erst Giftpille und Verhandlungsresistenz – und am Ende kein Deal? Aus Sicht des Übernahme-Sensors inakzeptabel. ISTA pokert hoch und muss jetzt zeigen, dass die ablehnende Haltung gegenüber Valeant gerechtfertigt war.



