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Übernahme-Wissen: Erfolgreiche Pac-Man-Verteidigung

Um einige der spannendsten Übernahmen rund um den Globus vollends zu verstehen, bedarf es z.T. Hintergrund-Wissen rund um das Übernahme-Geschäft.

Dazu gehören die verschiedenen Übernahme-Stadien sowie unterschiedliche Strategien.

In diesem Beitrag erfahren Sie deshalb nun alles rund um die sogenannte „Pac-Man“-Verteidigung.

Bei der Pac-Man-Strategie, die – für die meisten unter Ihnen wohl unschwer zu erkennen – vom Helden des gleichnamigen Computerspiels abgeleitet ist, wird der Jäger zum Gejagten.

Denn verwendet ein Übernahme-Kandidat diese, erfolgt ein Übernahme-Angebot an die Aktionäre des Unternehmens, das zuerst ein Angebot vorgelegt hat (Bieter).

Geld entscheidet, wer wen übernimmt

Die Pac-Man-Strategie setzt voraus, dass der Übernahme-Kandidat eine Reihe von Geldgebern besitzt, die das Gegenangebot auch finanzieren würden. Im Normalfall ist nämlich der erste Bieter der größere Konzern – und dadurch finanzstärker.

Bei etwa gleich großen Unternehmen ist diese Abwehr aber durchaus denkbar. Die Methode kam zwar bisher nur selten zum Einsatz, dennoch haben sich schon einige Firmen erfolgreich mit Hilfe der Pac-Man-Verteidigung gewehrt.

Manchmal reicht sogar die bloße Androhung der Pac-Man-Strategie, um eine Übernahme zu verhindern.

Pac-Man-Strategie im Einsatz: Rio Tinto verscheucht BHP Billiton

Das bekannteste Beispiel einer erfolgreichen Abwehr mit Hilfe der Pac-Man-Strategie ist der US-Konzern Martin Marietta. 1982 erfolgte ein feindliches Übernahme-Angebot vom Konkurrenten Bendix.

Daraufhin verkaufte Marietta alle Geschäftsbereiche, die nicht zum Kern des Unternehmens gehörten, nahm sich die Unterstützung von Banken und machte seinerseits ein Übernahme-Angebot.

Martin Marietta überstand diese Übernahme-Schlacht und blieb ein eigenständiger Konzern. Bendix dagegen wurde später selbst Opfer einer Übernahme.

Auch in der Übernahme-Boom-Phase 2007 drohten Firmen, die mit einer feindlichen Übernahme konfrontiert wurden, mit der Pac-Man-Strategie.

So versuchte damals z.B. der australische Rohstoff-Gigant BHP Billliton, den Konkurrenten Rio Tinto feindlich zu übernehmen.

Als das Angebot auf wenig Gegenliebe stieß und Rio Tinto drohte, ein Gegenangebot abgeben zu wollen, zog sich BHP schnell wieder zurück.

Men´s Wearhouse nutzt Pac-Man-Strategie und übernimmt Jos A Bank Clothiers

2014 wurde die Pac-Man-Strategie erfolgreich vom US-amerikanischen Bekleidungshersteller Men´s Wearhouse (MW) genutzt. Im Oktober 2013 hatte der kleinere Rivale Jos A Bank (JAB) bereits versucht das Unternehmen zu übernehmen.

Men´s Wearhouse war alles andere als begeistert und legte kurze Zeit später die Pac-Man-typische Gegenofferte auf den Tisch. Das wiederum gefiel Jos A Bank überhaupt nicht.

JAB lehnte ab, ergriff Abwehrmaßnahmen und kündigte an, unter Umständen die Offerte für MW anzuheben. Das gleiche machte auch MW.

Im Dezember dann, nachdem MW die Offerte für den einstigen Bieter ein 2. Mal aufgestockt hatte, kündigten beide Unternehmen an, dass sie eine Fusion prüfen würden.

Dass JAB den größeren Konkurrenten übernehmen würde, war zu dem Zeitpunkt bereits vom Tisch. Die Pac-Man-Verteidigung hat also einmal mehr funktioniert.

Anders als bei Rio Tinto und BHP Billiton wurde diese Pac-Man-Strategie allerdings bis zum Ende durchgezogen. Men´s Wearhouse hat am Ende JAB übernommen.

Gewinner waren die Aktionäre beider Lager, denn sowohl das JAB- als auch das MW-Papier stieg um über 50%.

Erst Feind, dann Freund: Viele Übernahmen enden mit Einigung

Wenn Konzerne nicht aufgekauft werden möchten, bieten sich gerade im anglo-amerikanischen Raum eine Reihe von Abwehrmaßnahmen an, die einen Bieter „verjagen“ können.

In Deutschland hingegen ist die Gesetzlage anders: Viele Strategien, die in Amerika angewendet werden dürfen, sind hierzulande verboten.

Als Hochtief vor einigen Jahren plötzlich der feindlichen Übernahme-Offerte von ACS gegenüberstand, waren kaum Abwehrmaßnahmen möglich. So fiel auch die kaum effiziente Stacheldraht-Abwehr von Hochtief in Wasser.

Glücklicherweise ist häufig der Einsatz von Abwehrmaßnahmen ohnehin nicht notwendig.

In den meisten Fällen (wie auch bei Jos A Bank) mündet eine zunächst feindliche Übernahme nach Verhandlungen in eine freundliche. Voraussetzung dafür ist lediglich ein angemessener Preis.

16. Januar 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.