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Übernahme-Wissen: Was tun bei Gerüchten?

Viele Privat-Anleger fragen sich: „Wie kann ich als privater Investor das Übernahme-Geschäft für mich nutzen?“

An dieser Stelle erfahren Sie regelmäßig, was gerade in der Gerüchteküche herumgereicht wird, wie die Abläufe einer Übernahme sind und worauf Sie unbedingt achten sollten.

Im Folgenden beantworte ich Ihnen die Frage:

„Was ist zu tun, wenn ich an einem Deal mitprofitieren möchte, jedoch bei konkreten Hinweisen auf eine Angebots-Abgabe nicht investiert bin?

Prüfen Sie das weitere Gewinn-Potenzial

Sie kennen es: Die Nachrichten-Portale sind voll von Meldungen, dass ein Großkonzern wieder einmal einen kleineren Konkurrenten schlucken will.

Es dauert dann nicht lange und die Aktie schießt 25% nach oben.

Statt sich zu ärgern, dass Sie an dem Deal nicht beteiligt sind, ist es sinnvoller sich zu fragen: „Gibt es vielleicht noch eine Chance nach dem 25%-Anstieg?“

Nicht selten steigen Aktien nach einem Übernahme-Angebot weiter – wie Sie vielleicht z. B. Mitte 2017 beim Generika-Hersteller Stada gesehen haben.

Teilweise lohnt sich sogar noch der Einstieg, wenn das Unternehmen bereits mehrheitlich vom Bieter kontrolliert wird.


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Verallgemeinert werden kann die Aussage jedoch nicht. Wie immer an der Börse, so muss auch im Übernahme-Geschäft genau hingeschaut werden.

Prüfen Sie die Übernahme-Wahrscheinlichkeit

Manchmal kursieren Übernahme-Gerüchte am Aktienmarkt, die zu abstrusen Kursreaktionen führen.

Im Jahr 2016 war das beispielsweise beim Kurznachrichtendienst Twitter zu sehen:

Nachdem Medien von Verkaufs-Absichten des US-Unternehmens berichteten, es also zu einer Übernahme des Konzerns kommen könnte, ging bei der Aktie die Post ab:

In der Spitze wechselte die Aktie zu 22,50 € den Besitzer. Was offenbar nicht gesehen wurde – bzw. nicht gesehen werden wollte – war, dass…

  1. …es sich um Gerüchte handelte, die nicht richtig sein mussten,
  2. …die kolportierten Preise höchst zweifelhaft waren,
  3. …explizit die problematische Geschäftslage des Unternehmens genannt wurde.

Wer blind zugriff, weil er bei einem späteren Deal unbedingt dabei sein wollte, hat viel Lehrgeld bezahlt.

Prüfen Sie vor Ihrem Einstieg genau die Sachlage und was überhaupt noch für eine Kurschance bestehen kann.

Es muss im Übernahme-Geschäft zwar häufig schnell gehen.

Doch es ist besser in Kauf zu nehmen, dass man mit der Analyse nicht schnell genug und die Chance weg ist, als wenn man überzogene Preise zahlt.

Twitter notiert inzwischen wieder bei knapp 15 € (Stand: September 2017). Die Käufer haben in 12 Monaten trotz guter Börsenlage rund 1/3 des Einsatzes verloren.

Maximale Vorsicht bei Pennystocks

Leider wird im Übernahme-Geschäft auch viel Unwahres erzählt. Nicht selten wird in diversen Internet-Foren eine Übernahme-Story konstruiert, um den Aktienkurs zu pushen.

Richtig kriminell kann es dann bei Pennystocks (Aktienkurs unter 1 €) werden:

Unter dem Vorwand, dass eine Übernahme kurz bevorsteht, werden ahnungslose Privat-Anleger in Firmen gelockt, die nur wenige Millionen wert sind.

Durch die künstliche Nachfrage explodiert der Kurs, die Betrüger steigen aus und Sie bleiben auf einem Verlust sitzen, der manchmal sogar 90% übersteigt.

Sie halten dann eine wertlose Hülle in den Händen.

Wenn Ihnen unaufgefordert „heiße“ Übernahme-Tipps zu Pennystocks (häufig telefonisch aus dem Ausland!) genannt werden, ist absolute Vorsicht geboten!

Einige Betrüger haben sogar schicke Webseiten, um sich zu tarnen. Wenn Sie nach den „Tipps“ auch noch unter Kauf-Druck gesetzt werden, ist es fast immer ein Fall für die Kripo.

Gier ist gefährlich. Fragen Sie sich also, welches Interesse eine unbekannte Person daran haben könnte, Ihnen kostenlos heiße Tipps zu nennen!

Wenn Sie auf etablierte Übernahme-Kandidaten mit einer Marktkapitalisierung von 200 Mio. € oder mehr setzen, die täglich rege gehandelt werden, umgehen Sie dieses Problem.

12. September 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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