von Heiko Seibel

Überraschung: Griechenland fast schon wieder pleite

Überraschung: Griechenland fast schon wieder pleite

So überschlagen sich auch in der neuen Börsenwoche die absurden Ereignisse: In Griechenland geht der tobende Mob auf die Straße, weil er sich partout nicht von seinen sozialstaatlichen Segnungen trennen will.

Ein neuer Schlag in den Nacken für den Tourismus. Zugleich fürchtet die griechische Regierung einen drastischeren Einbruch der Wirtschaft als bislang angenommen. Laut Finanzminister Evangelos Venizelos wird das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in diesem Jahr mehr als fünf Prozent sinken.

"Die Rezession übertrifft alle Vorhersagen, auch die der Troika", sagte Venizelos in Thessaloniki vor Wirtschaftsvertretern. Im Mai sei noch von einem Schrumpfen des BIP von 3,8 Prozent ausgegangen. Soll heißen: „Wir brauchen mehr Geld!“. Dabei haben wir Griechenland doch erst zig Milliarden hinterher geworfen.

Aus Berlin gibt es dazu nur vollmundige Worte, die wahrscheinlich nur heiße Luft sind. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) teilte mit, dass Hellas nur mit neuen Krediten seiner Euro-Partner und des IWF rechnen könne, wenn es die Sparauflagen einhalte.

Warten wir mal ab, was daraus wird. Seit Beginn der Krise sind über das Eurozahlungssystem die Forderungen der Deutschen Bundesbank gegen Notenbanken anderer Euroländer von 18 auf 338 Milliarden Euro gestiegen.

Die hohen Forderungen haben in den Krisenjahren die Finanzierung der Leistungsbilanzdefizite der finanzschwachen Euroländer erst ermöglicht. Die EZB wurde zum Selbstbedienungsladen für die Südstaaten.

Sparen für die PIGS

Viel ehrlicher sind die Überlegungen im Bundesfinanzministerium zum Thema Rente: Um weiter Geld in die Südstaaten zu überweisen, dürfen wir wahrscheinlich alle bald länger arbeiten.

Das Eintrittsalter für die Rente soll möglicherweise von 67 auf 69 Jahre angehoben werden. Schon zuvor hatte es geheißen, der Bund müsse aus Geldmangel Infrastrukturprojekte verschieben. Wir sparen also, damit die Schuldenländer prassen können.

Derweil könnte die europäische Schuldenkrise selbst den IWF in Bedrängnis bringen. Wie aus einem internen IWF-Dokument hervorgeht, rechnet der Fonds mit einer höheren Kreditnachfrage von angeschlagenen Staaten, sollten sich die weltweiten Finanzierungsbedingungen weiterhin verschlechtern.

Der IWF könnte nach neuesten Schätzungen lediglich 390 Milliarden Dollar an Darlehen vergeben, ohne seine Bilanz in Gefahr zu bringen. Im schlimmsten Fall könnte der Kapitalbedarf von hochverschuldeten Ländern aber bei rund 840 Milliarden Dollar liegen.

Der IWF gehe von einer deutlichen Zunahme von Risiken für die Finanzstabilität aus. Die europäische Schuldenkrise bedrohe die gesamte Weltwirtschaft. Es bestehe die Möglichkeit, dass mehr Länder vom IWF Unterstützung benötigen.

Bürokraten auf der Suche nach dem Ersparten

Die Lösung der Politik könnte so aussehen, dass wir eine Sondersteuer auf Barvermögen und Immobilien erleben. Was aber wahrscheinlich der letzte Schritt wäre für eine Revolution – in Deutschland dauern die Dinge immer etwas länger, bevor sie explodieren. Das hat schon der Fall der Mauer gezeigt.

Neue Gold-Hausse voraus

Jedenfalls grassiert nicht nur die Sorge vor der Inflation, sondern auch die Angst vor der Enteignung zur Rettung der faulenden Eurozone, wie ein Blick auf den Gold-Chart beweist. Gold hat zwar ein kleines Sicherheitsproblem.

Doch Münzen und Barren lassen sich bestens vor dem Zugriff der Steuereintreiber schützen.

Wenn die Trendlinie hält, sollte Gold im Zuge einer neuerlichen Panik an den Märkten auf weit über 2.000 Dollar ansteigen. Zudem läuft der Chart in einem steigenden Dreieck, am Widerstand oben hat das Edelmetall schon angeklopft – ein Durchbruch ist wahrscheinlich.

Deshalb ist es nun ratsam, entweder in der Schwäche einfach mal reinzugehen oder aber in der Stärke den Ausbruch auch bei Allzeithochs zu kaufen. Jedenfalls gibt es derzeit enorm wenige Gründe, an einer neuen Gold-Rallye zu zweifeln.

 
 
Bildquelle: LosRobsos - Fotolia

Autor:

Heiko Seibel

Heiko Seibel lebt fürs Trading: 14 Stunden am Tag folgt er für Sie den neusten Entwicklungen und hält Sie auf dem Laufenden. Behalten Sie den Überblick im Trading-Bereich mit seinem kostenlosen Newsletter Trading Insider