Überzogener Absturz bei Stahlaktien?

Überzogener Absturz bei Stahlaktien?

Wohin geht es mit der Konjunktur? Bei der Beantwortung dieser so enorm wichtigen Frage ist es gut möglich, auf verschiedene Indikatoren zu setzen. Ein wichtiger Indikator ist immer der Baltic Dry Index. Dahinter verstecken sich die aktuellen Frachtraten für den Schiffsverkehr. Ein weiterer wichtiger Stimmungsindikator liefert auch immer die Produktionsmenge der Stahlindustrie.

Stahl ist das Rückgrat der modernen Wirtschaftsnationen. Und dieser Indikator liefert in diesen Tagen einige erstaunliche Ergebnisse. So kündigen fast im Tagesrhythmus immer mehr Stahlkonzerne eine Drosselung der Produktion an.

Den Anfang machte vor rund vier Wochen Arcelor Mittal. Erst in dieser Woche kündigte der weltweit agierende Stahlkonzern die Schließung weiterer Produktionskapazitäten an. Jetzt ist wohl auch Thyssen Krupp so weit.

Noch sind es nur Medienberichte – aber bei der aktuellen Branchenstimmung ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass ThyssenKrupp diese Meldungen schon sehr zeitnah bestätigen wird. Laut WAZ plant Thyssen Krupp die eigene Produktion bis zum Jahresende um 500.000 Tonnen herunterzufahren. Dabei soll es jedoch keine Abschaltungen von Hochöfen geben.

Diese Kürzungen in der Branche sind eine direkte Antwort auf die aktuell stark gestiegenen Lagerbestände der Kunden, die diese nun abbauen. Allerdings sollte dieser Schritt im Falle von ThyssenKrupp auch nicht überbewertet werden.

Immerhin liegt das maximale Jahresvolumen bei rund 13,5 Mio. Tonnen. Und zusätzlich war die Produktion im ersten Halbjahr noch fast voll ausgelastet. Aber bei der aktuellen Unsicherheit reichen auch schon kleine Anzeichen für eine weitere Abschwächung der Konjunktur aus, um einzelne Aktien oder auch eine gesamte Branche weiter nach unten zu schicken.

ThyssenKrupp Aktie ist attraktiv bewertet

Und der Kurs von ThyssenKrupp ist dafür ein gutes Beispiel: Zwischen Mitte Juni und jetzt hat sich der Kurs nahezu halbiert. Auf Basis der Gewinnschätzungen für 2012 von 3,02 Euro pro Aktie liegt das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis nur bei 6,32.

Für dieses Jahr liegt die Schätzung mit 2 Euro pro Aktie jedoch deutlich niedriger. Daraus ergibt sich aber noch ein ordentliches KGV von 9,5.

Nur zur Einordnung: Vor der Finanzkrise verdiente ThyssenKrupp im Geschäftsjahr 2007/08 rund 6 Euro pro Aktie. Von dieser Ertragskraft ist ThyssenKrupp noch weit entfernt. Aber der Kurs ist davon auch meilenweit entfernt.

Was lernen wir aus dieser Betrachtung eines Unternehmens? Es lohnt sich auch mal zurückzuschauen, um die wahre Ertragskraft eines Unternehmens zu entdecken. Und ThyssenKrupp ist dafür nur ein Beispiel. Es ist also nicht alles schlecht derzeit, so viel steht fest.

 
 
Bildquelle: Jürgen Fälchle - Fotolia

Autor:

Heiko Böhmer

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