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Umbau bei ThyssenKrupp: Wie geht es weiter mit der Stahlsparte?

Eigentlich war die Aktie von ThyssenKrupp bisher kein schlechtes Investment. Über verschiedene Zeitfenster innerhalb von fünf Jahren konnte sie zweistellig zulegen. Lediglich ein Einstieg vor zehn Jahren läge derzeit im Minusbereich. Seitdem arbeitet der Essener Konzern an einer grundlegenden Umstrukturierung. Das Sorgenkind bei ThyssenKrupp: die Stahlsparte.

ThyssenKrupp-Stahlsparte frisst Eigenkapital

Sie ist eine von insgesamt sechs Geschäftsfeldern, wobei sich die ThyssenKrupp-Stahlsparte in zwei Teile aufgliedert: Steel Europe und Steel Americas. Erschien es vor gut zehn Jahren opportun auf dem amerikanischen Kontinent zu investieren, erwies sich das Engagement mit eigenen Werken in Alabama und bei Rio de Janeiro bald als herber Verlustbringer. Das US-Werk wurde 2013 verkauft, für das brasilianische Stahlwerk wird noch ein Käufer gesucht.

Zwar liegt eine Einigung mit dem örtlichen Bergbaukonzern Vale zur Übernahme von 27% vor, doch die Anlage hängt den Essenern noch als Klotz am Bein. So hatte allein deren Bau gut 8 Mrd. € verschlungen – vier Mal mehr als in der ursprünglichen Berechnung der Beratungsgesellschaft McKinsey ausgewiesen. Die gesamten Verluste von Steel Americas zehrten die Substanz von ThyssenKrupp beinahe auf.

Weniger dramatisch ist die Situation in Europa, wo aber auch jüngst der Edelstahlbereich mit der VDM Metals GmbH an einen Finanzinvestor verkauft wurde. Nicht nur die niedrigen Rohstoffpreise machen zu schaffen, das anhaltende Zinstief erforderte eine Neubewertung der Pensionsrückstellungen. Im Ergebnis schmolz das Eigenkapital auf 2,8 Mrd. €. ThyssenKrupp arbeitet mit Hochruck am Konzernumbau und will unbedingt seine Abhängigkeit vom zyklischen Stahlgeschäft abbauen.


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Neuausrichtung als breit aufgestellter Dienstleister

Dazu passt der Neuauftritt als internationale Dachmarke mit breiter Diversifikation seit letztem Jahr. Aufzüge etwa bringen stabile Erträge, während der Rüstungsbereich Höhen und Tiefen erlebt. Gleichzeitig will der Konzern neue Kundengruppen erschließen. So steht der Online Shop „materials4me“ mit maßgeschneiderten Angeboten in Sachen Metalle und Kunststoffe Großabnehmern und Kleinkunden offen – der Einstieg ins digitale Massengeschäft.

Derweil haben wenigstens die Preise im Stahlgeschäft leicht angezogen. Und die chinesische Billigkonkurrenz wird seit geraumer Zeit durch EU-Einfuhrzölle gebremst. Das allein aber reicht nicht. Immerhin ist der Gewinn in der Sparte während der ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2015/16 um 40% eingebrochen.

Fusion der Stahlsparte mit Tata Steel in Sicht

Ein Lichtblick am stählernen Horizont sind Fusionsgespräche mit Tata Steel aus Indien. Nachdem sich eine zwischendurch erwogene Zusammenlegung mit Salzgitter als haltlos erwiesen hat, wäre dies ein Königsweg mit Potenzialen. Zudem zeigen die Inder offenbar Interesse an einer Übernahme des Werks in Brasilien. Denkbare Variante: ThyssenKrupp könnte die Stahlsparte auslagern und in einem Gemeinschaftsunternehmen mit Tata Steel unterbringen, das dann an die Börse geht.

Natürlich wäre in der Konstellation mit den Kernstahlwerken in Duisburg und den Niederlanden der Standort Bochum gefährdet, was aber im Alleingang auf Dauer ohnehin unvermeidlich ist. Was die Hoffnung auf eine Fusion trübt, ist schwelender Ärger mit einer Altlast von Tata Steel.

Nach einem geplatzten Joint Venture mit dem japanischen Telekomkonzern NTT zum Aufbau von Mobilnetzen vor mehreren Jahren hatten die Inder den Rückkauf ihrer Anteile verweigert. Die Japaner wiederum konnten vor kurzem über ein internationales Schiedsgericht in London einen Pfändungstitel über 1,2 Mrd. US-$ erwirken.

Japaner torpedieren Pläne

Dies beträfe zunächst Tatas britische Vermögenswerte, doch der Zusammenschluss mit ThyssenKrupp sieht vor, dass es keine britischen Altlasten gibt. Aus gutem Grund: Bei einer geplanten Übergabe wäre das Duisburger Werk ebenfalls der Pfändung ausgesetzt. Das Verfahren könnte nicht nur die Fusionspläne torpedieren. Der britische Autobauer Jaguar Land Rover gehört ebenfalls zur indischen Tochter Tata Motors.

Aufgrund von Tata Motors Erfahrungen im Billigsegment will VW, ebenfalls über ein Gemeinschaftsunternehmen, den Massenmarkt der Schwellenländer erobern. Tata selbst wiegelt indes ab. An den pfändbaren Vermögenswerten halte der Konzern ohnehin nur Minderheitsanteile, heißt es.

Die Zukunft der ThyssenKrupp Stahlsparte hängt derzeit noch in der Luft. Sollte die Fusion mit Tata gelingen, könnte der Essener Konzern seine Qualitäten als Dienstleister ausspielen und sich auf Maschinenbau, Autozulieferung, High-Tech-Komponenten, Aufzüge und Rüstung konzentrieren.

17. November 2016

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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