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Umsatzsteuerhinterziehung: Kein Kavaliersdelikt hierzulande

Steuerhinterziehung ist in Deutschland schon immer ein großes Thema gewesen. Erst recht, seit die einzelnen Bundesländer – allen voran Nordrhein Westfalen – angefangen haben, so genannte Steuer-CDs aufzukaufen.

Auf diesen CDs finden sich meist Daten und Namen von vermeintlichen Steuersündern, die ihr Geld außer Landes geschafft haben. Doch einige schaffen es auch Steuern zu hinterziehen, ohne die Grenzen Deutschlands übertreten zu müssen – dank der Umsatzsteuer. Die Umsatzsteuer ist hierzulande die Steuer, die den größten Teil des Steueraufkommens darstellt und immer vom Endkunden entrichtet wird.

Verkauft beispielsweise Unternehmer A an Unternehmer B eine Ware im Wert von 200 Euro, so muss Unternehmer A in der Regel 19% des Warenwertes an den Staat abführen. In diesem Fall 38 €. Daher beträgt der Preis, den Unternehmer B als Endkunde schlussendlich zahlen muss, 238 €. Doch wie könnte jetzt Unternehmer A oder gar Unternehmer B Umsatzsteuerhinterziehung betreiben?

Klassische Form der Umsatzsteuerhinterziehung  

Bei der klassischen Form der Umsatzsteuerhinterziehung drückt sich der Unternehmer vor der Bezahlung der Umsatzsteuer. Entweder gibt er keine Umsätze bei seiner Umsatzsteuererklärung an oder er mindert diese, um so eine geringere Gesamtumsatzsteuer zu zahlen.

Hat beispielsweise Unternehmer A in einer Stadt eine Pizzeria, muss er auf jede verkaufte Pizza eine Umsatzsteuer zahlen. Diese reicht er natürlich an den Endkunden weiter, sodass der Unternehmer keine Einbußen hat.

Dafür muss er bei der jährlichen Umsatzsteuererklärung seine gesamten Umsätze angeben und die Steuer an den Staat entrichten. Verkaufte er beispielsweise 1.000 Pizzen zu einem Nettowert von je 5 € pro Pizza nimmt er 5.000 € ein.

Darauf muss er nun den ermäßigten Umsatzsteuersatz von 7 Prozent zahlen – also 350 €. Gibt Unternehmer A aber bloß 500 verkaufte Pizzen beim Finanzamt an, kann er sich zu den 5.000 € noch 175 € extra einstecken. Da er lediglich 175 der eigentlichen 350 € Umsatzsteuer an den Staat abgeführt hat.

Umsatzsteuerbetrug als spezielle Form der Steuerhinterziehung   

Beim Umsatzsteuerbetrug wird dem Staat keine Steuer vorenthalten – also hinterzogen, sondern es werden ihm Gelder über den Vorsteuerabzug widerrechtlich genommen. In Deutschland zählt der Umsatzsteuerbetrug zum Straftatbestand der Steuerhinterziehung und wird auch als solcher behandelt. Wie entlocken Steuersünder aber dem Staat Geld?

In unserem obigen Beispiel zwischen Unternehmer A und Unternehmer B, muss dieser insgesamt 238 € zahlen. Benutzt Unternehmer B die Ware in seinem Geschäft, um ebenfalls ein Endprodukt herzustellen, kann er sich die 38 € als Vorsteuerabzug vom Finanzamt zurück holen.

Dies haben sich einige kriminelle Banden zunutze gemacht und das Umsatzsteuerkarussell begründet. Es werden Scheinfirmen und tatsächliche Firmen gegründet. Die Scheinfirmen erbringen dann vorgetäuschte Leistungen und verschicken Rechnungen inklusive Umsatzsteuer.

Die reale Firma holt sich dann über den Vorsteuerabzug die Umsatzsteuer vom Staat, während der Staat keine Umsatzsteuer von der Scheinfirma erhalten hat. Dieses Zusammenspiel kann über mehrere Firmen fortgeführt werden, ohne dass Waren geliefert oder Leistungen erbracht würden.

Diese Firmengeflechte sind zudem meistens über mehrere Staaten aktiv, sodass Deutschland nach Auszahlung der Umsatzsteuer, das Geld kaum wieder sieht. Durch diese Art der Steuerhinterziehung entsteht dem Staat allerdings ein weit höherer Schaden als durch die klassische Steuerhinterziehung. Denn oft fehlen dem Staat Zeit und Personal, diese Steuerhinterziehung rechtzeitig zu unterbinden.

30. Mai 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Michael Kempe
Von: Michael Kempe. Über den Autor

Der diplomierte Betriebswirt (FH) und ausgebildete Finanzjournalist beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Kapitalmarkt – im Besonderen mit Aktien, Fonds und CFDs.