In diesem Jahr hat Ihnen der Übernahme-Sensor noch nichts von den Beteiligungsgesellschaften (Private Equity) geschrieben. Zeit, das zu ändern, denn Private Equity gehört zu den wesentlichen Akteuren im Übernahme-Geschäft.
Im vergangenen Jahr haben die finanzstarken Firmenjäger vor allem im Pharma-Sektor für Furore gesorgt. Mehrere Milliarden-Deals wurden vollzogen.
Wenn ein Übernahme-Kandidat zu groß war, haben sich die Konkurrenten sogar zusammengeschlossen, um einen Deal zu finanzieren. Denn das Pharma-Geschäft ist für Finanzinvestoren sehr lukrativ.
Die Branche garantiert relativ unabhängig von der wirtschaftlichen Entwicklung hohe Cash-Zuflüsse. Das erleichtert eine Finanzierung. Wenn ein Pharma-Unternehmen dann aufgrund der schwachen Marktlage sehr günstig bewertet ist, lohnt sich eine Übernahme.
In besseren Börsenzeiten kann der Übernahme-Kandidat dann mit einem satten Gewinn weiterveräußert werden.
Turn-Around-Spezialist KKR
Zum Geschäft der Finanzinvestoren gehören jedoch auch Investitionen in Turn-Around-Kandidaten. Das sind Unternehmen, die mit Verlusten arbeiten und wieder in die Erfolgsspur gebracht werden können.
Ein Spezialist der Branche ist die amerikanische Private-Equity-Gesellschaft Kohlberg Kravis Roberts (KKR). In Deutschland hat das Unternehmen im vergangenen Jahr die angeschlagene Versatel übernommen und wenn die Gesellschaft die einfachste Lösung sucht, um Versatel wieder fit zu machen, dürfte ein weiterer Deal folgen.
Pacific Brands: Günstiger als die Branche – aber auch größere Probleme
KKR hat im vergangenen Jahr nach Bloomberg-Informationen 30 Deals mit einem Volumen von 15,2 Mrd. Dollar getätigt. In Australien hat der Turn-Around-Spezialist jetzt mit dem Unterwäsche-Hersteller Pacific Brands Übernahme-Gespräche begonnen. Es ist zwar noch zu früh, um von einem sicheren Deal zu sprechen, doch allein die Ankündigung hat der Aktie zu einem Kurssprung von 14% verholfen.
Denn die Bewertung des Unternehmens liegt am Boden und eine Übernahme-Offerte würde vermutlich eine Prämie für die Aktionäre beinhalten. Sollte eine Übernahme-Offerte zum durchschnittlichen Branchen-Multiple stattfinden besitzt die Aktie nach Berechnungen des Übernahme-Sensors ein Aufwärtspotenzial von 39%. Berücksichtigt werden muss jedoch, dass Pacific Brands im Vergleich zur Branche größere Probleme hat, sodass auch eine geringere Prämie gerechtfertigt wäre.
Bleibt die Übernahme aus, ist die Aktie keine Depot-Bereicherung. Pacific Brands hat große Probleme und Besserung ist nicht in Sicht. Trotz Kosten-Kürzung gelingt es dem Management nicht, das Unternehmen zu stabilisieren.
Großaktionär Orbis würde eine faire Offerte sofort annehmen
Auf der Hauptversammlung im Oktober gab sich die Unternehmens-Chefin Sue Morphet ideenlos. Morphet kündigte an, das gestiegene Baumwoll-Preise und die schwache Nachfrage das Geschäft auch in diesem Jahr belasten werden.
Vielleicht ist es wirklich Zeit, dass ein erfahrener Finanzinvestor das Ruder übernimmt und Pacific Brands umkrempelt. Das derzeitige Management scheint jedenfalls nicht den richtigen Weg zum Erfolg zu kennen.
Die Aktionäre haben in den vergangenen Jahren über 80% Ihres Geldes verloren. Auf Jahressicht liegt das Minus bei über 30%. Großaktionär Orbis Management, der 5,1% an Pacific Brands hält, scheint auch nicht mehr an das Management zu glauben. Wenn KKR ein faires Angebot unterbreite, dann würde man sofort annehmen



