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Uralt-Sparbücher: Auszahlungsanspruch verjährt nicht einfach

Wenn Sie zuhause in einer Schublade ein längst vergessenes Sparbuch aus den 50er- oder 60er-Jahren finden, werfen Sie es nicht einfach weg.

Denn es könnte sich als wertvoller Schatz erweisen. So erging es dem Sohn eines früheren Dresdner-Bank-Kunden.

Sein Vater war früh verstorben. Im Jahr 2007 entdeckte der Mann ein Sparbuch von 1959. Es wies ein Guthaben von rund 106.000 DM auf. Der Mann marschierte damit zur Dresdner Bank und wollte sich das Geld mitsamt Zinsen und Zinseszinsen auszahlen lassen.

Diese verweigerte jedoch die Auszahlung mit der Begründung, das Sparbuch sei wahrscheinlich gefälscht.

Das wollte der Mann nicht hinnehmen und klagte gegen die Entscheidung der Bank.

Das Landgericht Frankfurt ließ daraufhin von einem Sachverständigen ein Gutachten erstellen, das die Echtheit des Sparbuches bestätigte. Die Berufung der Bank vor dem Oberlandesgericht war aus ihrer Sicht erfolglos (OLG Frankfurt, Az.: 19 U 180/10).


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Die Richter führten an: Die Echtheit des Sparbuchs sei erwiesen.

Zudem könne der Beweiswert eines alten Sparbuches nicht so leicht erschüttert werden. Die Höhe des Guthabens sei ebenso wenig ein Beweis gegen die Richtigkeit der im Sparbuch gemachten Angaben wie die Tatsache, dass rund 50 Jahre lang auf dem entsprechenden Sparkonto keine Umsätze stattgefunden hätten.

Auch den Einwand der Bank, die Unterschriften in dem Sparbuch stammten nicht von zeichnungsberechtigten Mitarbeitern, ließen die Richter nicht gelten. Ebenso wenig folgten sie dem Argument, die Forderung sei verjährt.

Vielmehr stellten sie klar: Dem Kläger dürften als Finder des alten Sparbuchs naturgemäß die Umstände von dessen Existenz nicht bekannt sein.

Deshalb sei es Aufgabe der Bank, die Geschäftsunterlagen und Nachweise vorzulegen, die bewiesen, dass die im Sparbuch genannte Summe nicht korrekt sei.

Das ist der wichtigste Kernsatz aus diesem Urteil: Die Bank muss diesen auch noch nach Ende der gesetzlichen Aufbewahrungsfristen führen.

Da die Dresdner Bank in diesem Fall keine Nachweise vorlegte, die gegen die Richtigkeit des Sparbuches sprachen, gaben die Richter dem Kläger recht: Sie verurteilten sie zur Zahlung von rund 300.000 Euro und damit zum knapp Sechsfachen des ursprünglichen Betrags.

So viel hätte sich durch Zins und Zinseszins auf dem Sparkonto angesammelt, wäre es ordnungsgemäß weitergeführt worden.

Grundlage dafür waren die laut Preisaushang der Bank damals gezahlten Zinssätze. Auch diese musste die Bank offenlegen.

Generell gilt: Bei alten Sparbüchern muss der Sparer die Höhe des Guthabens beweisen und das Kreditinstitut die Auszahlung, falls das Guthaben nicht mehr auf dem zugehörigen Konto ist, entschied der Bundesgerichtshof im Jahr 2002 (Az.: XI ZR 361/01).

Werfen Sie daher nie ein altes Sparbuch weg. Gehen Sie stattdessen damit zur Bank und lassen Sie sich beweisen, dass das Guthaben darauf abgehoben, abgebucht oder ausgezahlt wurde.

Kann die Bank diesen Nachweis nicht führen, haben Sie Anspruch auf das Geld plus Zinsen, die seitdem aufgelaufen sind.

10. März 2011

Von: Dr. Erhard Liemen. Über den Autor

Dr. Erhard Liemen ist Chefredakteur verschiedener, international renommierter Informationsdienste. Seit 1996 betreut er den angesehenen und erfolgreichen Dienst "Der Deutsche Wirtschaftsbrief".