Das Fukushima-Disaster am 11. März 2011 war die schrecklichste Nuklearkatastrophe seit Tschernobyl (26. April 1986).
Danach stürzten Aktien aus dem Atomenergiesektor ab und verschwanden völlig von der Bildfläche der Börse. Bietet sich hier eine antizyklische Investmentchance an?
Die Schweizer Investmentbank UBS schätzt, dass es bis zu dreißig Jahre dauern dürfte, bis die Schäden von Fukuhsima vollständig behoben sind und das Kernkraftwerk abgebaut und versiegelt ist. Die Aufräumarbeiten werden mehrere Billionen Yen kosten.
Trotzdem hat in den vergangenen zehn Monaten lediglich in Japan und Europa ein nachhaltiges Umdenken über die Atomenergie stattgefunden. Insgesamt zwölf der 208 Kernkraftwerke in beiden Regionen wurden abgeschaltet.
Weitere fünfzig bis achtzig Atomkraftwerke könnten in den kommenden Jahren laut der UBS im Extremfall geschlossen werden. Doch in den anderen Regionen sind die Auswirkungen wesentlich geringer.
Dies beinhaltet, was besonders wichtig für den Nuklearsektor ist, die wichtigen Regionen China, Indien, Russland und USA. Diese Länder besitzen die größten Programme für den Ausbau ihrer Nuklearenergiekapazitäten. Hier kommt der Großteil der Nachfrage her.
Diese Länder (und auch viele andere Emerging Markets) haben ihre grundlegende Position zur Nuklearenergie nicht verändert. Das können sie auch gar nicht, da ihre Energienachfrage so rasant wächst, dass die Versorgungslücken anders nicht zu füllen sind, ohne die Umwelt, beispielsweise durch Kohle, weiter zu zerstören.
Aktien aus dem Nuklearsektor sind völlig „out“
So wurden in China zahlreiche Genehmigungsprozesse für neue Atomkraftwerke direkt nach Fukushima erst mal gestoppt. Doch seitdem hört man von keinen weiteren Schritten. In den meisten großen Wachstumsmärkten für Nuklearenergie sind schon wieder Tendenzen von „Business as usual“ zu erkennen.
Dies gilt jedoch nicht für die Aktien aus diesem Sektor. Während sich die Branche inzwischen von dem ersten Schock zu erholen scheint, liegen die Aktien von Unternehmen aus der Nuklearbranche weiterhin am Boden.
Ob Versorger, Explorer, Uranproduzenten oder Baukonzerne – die Aktien von allen Unternehmen aus der Wertschöpfungskette der Nuklearenergie haben den breiten Markt seit letztem März massiv underperformt.
Tatsächlich notieren viele Werte heute mit deutlichen Bewertungsabschlägen. Dies ist die Risikoprämie der Märkte für die schlechte Börsenstimmung und die aktuell hohen Unsicherheiten über die Geschäftsentwicklungen (z.B. Umweltgenehmigungen für Explorationsprojekte).
Dazu kommt das Überangebot an Gas in Europa und den USA. Die Nuklear- und vor allem die Uran-Story ist besonders gefragt, wenn die Energiepreise eine Rallye erleben. Die UBS erwartet deshalb, dass wir bei diesen Aktien erst eine Trendwende sehen, wenn es zu einer neuen Energiekrise kommt (wie zuletzt 2007/08).
Einen massiven Anstieg der Energiepreise könnten wir zwar durch einen externen Faktor wie die Iran-Krise erleben. Aber von der realwirtschaftlichen Seite ist eine solche Entwicklung angesichts der langsamer wachsenden Weltwirtschaft unwahrscheinlich.
Daher heißt das Fazit zum Thema Uranaktien an dieser Stelle auch: Andere Branchen bieten derzeit attraktivere Chance-Risiko-Verhältnisse.



