Am Wochenende konnten sich die Politiker in den USA wieder nicht auf eine einheitliche Linie verständigen. Obwohl Präsident Obama zu Zugeständnissen bereit war, die über die demokratische Partei-Linie hinausgegangen sind, zeigten sich die Republikaner stur.
Jetzt wird es sehr schwer, noch vor Ablauf der Frist am 2. August eine Einigung zu finden. Es sieht so aus, als wenn der kurzfristige US-Bankrott fahrlässig in Kauf genommen wird. Wenn es in den nächsten Stunden keine Lösung gibt, wird es technisch fast unmöglich, das notwendige Gesetz vor dem 2. August zu ändern.
Aber selbst wenn heute doch noch eine Notlösung gefunden wird, ist das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit der US-Politik schwer erschüttert. Die Reaktion der Investoren: Die Flucht in sichere Häfen setzt sich fort. Gold ist trotz der Rekord-Preise weiterhin gefragt.
Markt hat zu lange auf Vernunft gesetzt
Speziell Gold profitiert von der Finanz- und Politik-Krise. Das gelbe Edelmetall ist seit jeher die Nummer eins unter den Krisenwährungen und gehört zu den wichtigsten Indikatoren für die Markt-Unsicherheit. Das heute erreichte Allzeithoch beim Goldpreis zeigt, wie es um das Vertrauen in die Papierwährungen bestellt ist: Ganz schlecht.
Denn egal, wo Sie hinschauen, die Schulden-Probleme scheinen unlösbar geworden zu sein. Zu lange wurde vom Markt die Schuldenpolitik der Industrie-Länder mitgetragen. Zu lange hielt sich der Irrglaube, dass die Staaten ihre Schulden in guten Konjunkturphasen zurückzahlen werden. Wenn jetzt nicht ein kleines Wunder geschieht, dann ist der nächste Schuss kein Warnschuss mehr, sondern versenkt das Schiff.
US-Pleite kann neue Systemkrise auslösen
Gold wird gekauft, weil das System an sich wackelt. Wie lange noch Krisen-Gipfel die Märkte beruhigen können, ist unklar. Wenn sich die US-Politiker nicht einigen, ist zu befürchten, dass schon Anfang August eine Systemkrise ausbricht. Staatsanleihen würden weltweit unter Druck stehen, die Flucht in Sachwerte würde nach einer kurzen Schockreaktion an Tempo gewinnen (nach der Pleite der US-Bank Lehman Brothers hat Gold auch zunächst geschwächelt, bevor es steil nach oben ging).
Das Szenario kann zwar noch verhindert werden, aber die Gefahr ist da und spricht trotz des Allzeithochs für ein Goldinvestment. Wenn Anfang August die ersten US-Staatsanleihen nicht zurückgezahlt werden können, werden Sie froh sein, dass Sie die Unze noch für 1.600 Dollar bekommen haben.
Löst sich der Konflikt dagegen doch noch in Luft auf, müssen Sie kurzfristig mit einem Rücksetzer von 10 oder 20% rechnen, brauchen aber nur auf die nächste Krise warten. Und die kommt schneller als erhofft.
Gold: Nachfrage-Überhang wächst weiter
Es bedarf aber nicht nur der aktuellen Krise, um von Goldinvestments überzeugt zu sein. Die Marktsituation an sich spricht dafür, dass der Goldpreis in den kommenden Jahren weiter steigen wird. Ein Blick auf das Gold-Angebot und die Gold-Nachfrage zeigt, dass jährlich über 1.000 Tonnen Gold weniger gefördert als nachgefragt werden.
In der Vergangenheit konnte der große Nachfrage-Überhang noch durch Goldverkäufe der Zentralbanken aufgefangen werden. Besonders die Niederlande und die Schweiz hielten es in den vergangenen 20 Jahren für eine gute Idee, Gold zu verkaufen (vermutlich wird dieser Schritt heute sehr stark bereut).
Mittlerweile sind die Zentralbanken jedoch wieder Netto-Goldkäufer. Das bedeutet: Die Nachfrage der Notenbanken übertrifft das Angebot. Speziell China und Indien mischen den Markt auf. Damit wird die Unterversorgung des Marktes noch größer. Der einzige Katalysator bei diesem Missverhältnis ist der Preis.
Goldpreis ist vergleichbar mit einer Versicherungsprämie
Es ist davon auszugehen, dass Gold auch bei einer kurzfristigen Schuldeneinigung in den USA langfristig gewinnen wird. Die Nachfrage steigt und das Angebot kann nicht nennenswert ausgeweitet werden.
Anleger sollten jedoch ein Goldinvestment nicht aufgrund zu erwartender Kurssteigerungen, sondern als Vermögensversicherung in Erwägung ziehen. Egal ob Inflations- oder Systemkrise: Gold wurde in den vergangenen Jahrtausenden immer akzeptiert. Bleibt die Krise aus, umso besser: Im schlechtesten Szenario haben Sie einen Teil Ihrer Versicherungsprämie verloren.



