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Verbraucherpreisindex – Was Deutschlands Haushalte ausgeben

Der Verbraucherpreisindex (VPI) für Deutschland gilt seit 2003 einheitlich für die Lebenshaltung aller privaten Haushalte. Anders als zuvor gibt es keine Unterscheidung nach verschiedenen Haushaltstypen mehr. Der nationale Verbraucherpreisindex steht für die Ausgaben des repräsentativen deutschen Verbrauchers schlechthin. Beim genauen Hinsehen zeigt sich unter anderem, dass die verbreitete Angst wegen Geldentwertung eher eine gefühlte Inflation ist.

Verbraucherpreisindex Deutschland – Verteuerungen werden verstärkt wahrgenommen

Wer sehen will, wie sich die Inflation in Deutschland entwickelt, der muss nur auf den Verbraucherindex des Statistischen Bundesamts schauen. Der zeigt an, wie sich die Preise für die Lebenshaltung hierzulande verändern. Tatsächlich ist eine stete Aufwärtsentwicklung zu sehen.

Doch mit Werten um die 2% handelt es sich eher um eine Seitwärtsbewegung. Die jüngsten Daten liegen mit 1,5% sogar noch darunter. Inflationsängste sind somit unbegründet. Dennoch hat auch eine häufig gefühlte bzw. wahrgenommene Inflation durchaus statistische Gründe.

Mehr zum Thema: Inflation: Verbraucherpreisindex als Berechnungsgrundlage

Verbraucher, die besonders auf die Preise für Strom, Mieten oder Tabakwaren achten, dürften durch eine tatsächliche Preissteigerung bestätigt werden. Wenn hingegen andere Bereiche wie die Telekommunikation sinkende Preise verzeichnen, so wird dies vielfach weniger wahrgenommen.

Was für den Verbraucherindex aber letztlich zählt, ist der Durchschnitt. Es geht um die Darstellung der Ausgaben eines repräsentativen deutschen Haushalts. Eine Unterscheidung nach verschiedenen Haushaltstypen gibt es seit 10 Jahren nicht mehr.

Verbraucherpreisindex – Deutschlands Durchschnittshaushalt

Dazu stellt das Statistische Bundesamt einen fiktiven Warenkorb zusammen. Der enthält sämtliche Waren und Dienstleistungen, die aktuell von den Konsumenten am häufigsten gekauft werden. Darunter fallen Nahrungsmittel genauso wie Benzin, Heizöl, Möbel, Transportmittel oder Friseurbesuche.

Jeden Monat sind 600 Preisermittler damit beschäftigt, rund 300.000 Einzelpreise herauszufinden. Sie recherchieren in 188 Gemeinden Deutschlands sowie im Internet oder in Katalogen. All die Preise werden 700 Gütergruppen zugeordnet, für die dann die durchschnittliche Preisentwicklung errechnet wird.

Die Gruppen werden zur besseren Übersicht stufenweise in größere Kategorien aufgeteilt, bis schließlich 12 Kategorien übrig bleiben – von Spirituosen über Bekleidung, Mieten, Verkehr oder Freizeit bis zu Gaststätten.

Da aber einige Dinge öfter, andere hingegen seltener gekauft werden, haben die Statistiker ein sogenanntes Wägungsschema entwickelt. Es sorgt dafür, dass die einzelnen Waren mit unterschiedlicher Gewichtung in die Statistik einfließen.

So machen etwa Lebensmittel rund 10% und Verkehrsmittel grob 13% des Warenkorbs aus. Der Löwenanteil entfällt auf Wohnung, Wasser, Strom und Gas mit ca. 30%.

Verbraucherpreisindex – Deutschlands Verbraucher machen mit

Basis dafür ist eine Einkommens- und Verbrauchsstichprobe, an der rund 60.000 Haushalte freiwillig teilnehmen. Sie zeichnen 3 Monate lang ihre Einnahmen und Ausgaben auf und schicken die Daten an die Statistischen Landesämter.

Das Wägungsschema und der Warenkorb werden regelmäßig aktualisiert, denn das Konsumverhalten ändert sich ebenso wie die angebotenen Waren. Klassisches Beispiel ist der Computer, der die Schreibmaschine ins Museum verdrängt hat. Werden Waren wie Energie teurer, müssen auch sie neu gewichtet werden.

Das gilt ebenso für Autos, die dafür mehr technische Hilfsmittel und damit einen höheren Standard bieten. Billiger geworden sind dagegen Telefonate. Auch hier haben sich die Angebote und Preisstrukturen geändert. Der Verbraucherpreisindex muss also mit der technischen und wirtschaftlichen Entwicklung Schritt halten.

Mehr zum Thema: Verbraucherpreisindex – Barometer zur Entwicklung der Inflation

Verbraucherpreisindex Deutschland – viel Aufwand für eine Zahl

All dies zeigt, wie viel Aufwand hinter einer einzigen Zahl steht, die den prozentualen Preisanstieg gegenüber dem Vorjahr darstellt. Der Verbraucherpreisindex Deutschland ist eben der Versuch, die Ausgabengewohnheiten des typischen deutschen Konsumenten darzustellen. In Österreich beispielsweise wird dies ähnlich gehandhabt. Allerdings gibt es dort Sonderauswertungen nach bestimmten Gruppen.

Der Verbraucherpreisindex für Deutschland wird parallel auch als harmonisierter Verbraucherpreisindex (HVPI) ausgewiesen. Er wird im Detail etwas anderes berechnet und lag im August 2013 um 1,6% über dem Stand des Vorjahres. Als nationaler Index ist er Bestandteil des europäischen Verbraucherpreisindex.

Mehr zum Thema: Harmonisierter Verbraucherpeisindex – Preisstabilität im Vergleich

1. Oktober 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.